Das stört die IG Metall an Crowdworking
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Arbeit 4.0 | | von LEAD digital

Das stört die IG Metall an Crowdworking

Die IG Metall fordert für Beschäftigte, die sich ihre Arbeitsaufträge über Plattformen im Internet besorgen, eine faire Bezahlung und soziale Absicherung. Die Chancen des vernetzten Arbeitens für Unternehmen und Beschäftigte sollten genutzt werden, sagte die Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Christiane Benner. Zugleich müsste die zunehmende Zahl an Auftragnehmern ausreichend rechtlichen Schutz bekommen: "Die Internetökonomie darf unseren Sozialstaat nicht aushöhlen." Für diese Form der Arbeitsteilung steht der englische Begriff Crowdwork (crowd = Menge; work = Arbeit). Der IG Metall zufolge sind rund eine Million Menschen in Deutschland auf digitalen Plattformen aktiv. Viele machten das nebenbei, ein kleinerer Teil in Vollzeit.

Nach Angaben der IG Metall gibt es 32 Crowdworking-Plattformen in Deutschland. Bundesweit sind in dieser neuartigen Arbeitsform rund eine Million Crowdworker aktiv.

Benner präsentierte die Zwischenbilanz des Crowdworking-Projektes der IG Metall. "Obwohl wir weder über Tarifverträge noch über klassische Mitbestimmungselemente im Bereich der Plattformökonomie verfügen, haben wir schon beachtliche Erfolge erzielt", so Benner. Sie verwies auf den ,Code of Conduct' mit acht Crowdwork-Plattformen, der unter Mitwirkung der IG Metall im Januar 2017 verbessert wurde. In dieser Selbstverpflichtung sind Leitlinien für ein vertrauensvolles Miteinander definiert, in die jetzt lokale Lohnstandards als Ziel aufgenommen wurden. Außerdem führe die IG Metall regelmäßige Workshops mit Crowdworkern durch. Seit 2016 können Soloselbstständige Mitglied der Gewerkschaft werden.

Für die IG Metall untersuchte das Hugo-Sinzheimer-Institut die Bedingungen der Crowdworker. Problematisch sei dabei ihr unklares Arbeitsverhältnis zum Auftraggeber, so die Studie. In Deutschland würden sie meist als Solo-Selbstständige (ohne angestellte Mitarbeiter) eingestuft. In der Dreiecksbeziehung zu Plattformen und Unternehmen könne man sie aber auch als Leiharbeiter sehen. Möglich wäre auch ein Status als Heimarbeiter. Dann kämen sie nach deutschem Heimarbeitsgesetz in den Genuss vieler Schutzvorschriften.

Es sei "wichtig, dass der Status von Crowdworkern geklärt ist, dass klar ist, ob sie arbeitnehmerähnlich, selbstständig oder abhängig beschäftigt sind", sagte Benner. "Der Status hat Auswirkungen auf die Rechte der Menschen, die plattformbasiert arbeiten, und auf ihre soziale Absicherung."

Crowdwork durchgehend als "schlecht" zu bezeichnen, wäre jedoch viel zu kurz gedacht. Es bietet den Beschäftigten auch viele Chancen. Zum Beispiel einen leichteren Zugang zu Arbeit, mehr Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die IG Metall hat dazu unter anderem die Webseite faircrowdwork.org geschaffen. Dort stellt die Gewerkschaft Rechtstipps und Ratgeber zu Verfügung, Experten sind über ein kostenloses Servicetelefon erreichbar und Crowdworker können ihre Plattformen bewerten werden.

am/mit dpa

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