Berlin ist die Startup-freudigste Stadt Europas
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Hubspot-Studie | | von Annette Mattgey

Berlin ist die Startup-freudigste Stadt Europas

Berlin überzeugt Gründer vor allem mit günstigen Miet- und Personalkosten und gutem Zugang zu Investoren. Die deutsche Hauptstadt muss sich nicht hinter Amsterdam, Dublin und Paris verstecken. Wie die Gründerszene in diesen Städten tickt, beleuchtet die  Studie "European Tech Hubs", die  der Marketing-Dienstleister Hubspot in Auftrag gegeben hat.

2015 standen Gründern in Berlin 436 Millionen Euro für Anschubfinanzierungen zur Verfügung – bedeutend mehr als in den Vergleichsstädten London (371 Mio.), Paris (309 Mio.), Amsterdam (137 Mio.) und Dublin (58 Mio.). Ganze 59 Prozent der befragten Berliner spielen mit dem Gedanken, selbst eine Firma zu gründen. Dieser Wert übertrifft die anderen Metropolen (Amsterdam 55 Prozent, London 55 Prozent, Dublin 47 Prozent, Paris 42 Prozent).

Hubspot

Ein positiver Punkt ist auch die Zahl der Arbeitsplätze, die in Startups entstehen. In Berlin nimmt das Job-Angebot in Startups zu. Aber auch international ist die Prognose positiv: rund neun von zehn Befragten gehen von einem weiteren Wachstum bei Startup-Arbeitsplätzen aus (Dublin 90 Prozent, Amsterdam 90 Prozent, London 89 Prozent, Paris 87 Prozent).

Zudem steigt die Bereitschaft, bei einem Startup zu arbeiten – in allen Städten könnte sich mehr als die Hälfte der Befragten dies vorstellen (Berlin 54 Prozent, Dublin 55 Prozent, Paris 62 Prozent, Amsterdam 68 Prozent, London 73 Prozent). Einer der größten Treiber für den Wechsel zu einem Startup ist in allen fünf Städten die "Innovationskraft" der jungen Unternehmen (Berlin 81 Prozent, Amsterdam 84 Prozent, Dublin 85 Prozent, Paris 86 Prozent, London 89 Prozent). Als Anreiz nennen vier von fünf Berlinern außerdem "mehr Eigenverantwortung" und fühlen sich darüber hinaus von dem agilen Umfeld (81 Prozent) sowie der Möglichkeit, ein eigenes Team aufzubauen (77Prozent), angezogen.

Bürokratie kein Problem

Nur knapp 12 Prozent der Berliner Teilnehmer beklagen, dass Regulierung den Aufbau eines Startups erschwere, weitere 28 Prozent Prozent sehen dies mehr oder weniger als Hemmschwelle. Im internationalen Vergleich spricht das für Berlin. So bemängeln insgesamt fast 72 Prozent der Pariser Befragten eine zu starke staatliche Regulierung. Auch die Teilnehmer aus Dublin (61 Prozent), London (53 Prozent) und Amsterdam (53 Prozent) halten die staatlichen Rahmenbedingungen mehrheitlich für überzogen.

Der oftmals beklagte deutsche Regulierungswahn lässt sich damit zumindest für den Startup-Sektor im europäischen Vergleich nicht bestätigen. Knowhow und geeignete Software könnte Unternehmertum weiter anfeuern Dennoch gibt es noch einige Optimierungsmöglichkeiten, um die Gründungsstimmung unter den Berlinern weiter aufzuhellen. Die deutschen Hauptstädter wären mit einem verlässlichen Business-Netzwerk (69 Prozent), Unterstützung bei der Kapitalgewinnung (65 Prozent), besseren Marketing-Kenntnissen (63 Prozent) und Vertriebserfahrungen (62 Prozent) noch gründungsfreudiger. Positiv auswirken würde sich zudem erschwingliche Software für die Buchhaltung (58 Prozent), das operative Geschäft (58 Prozent), den Vertrieb (52Prozent), das Marketing (50 Prozent) und Personalangelegenheiten (47 Prozent).

Hubspot

"Gründungsfreudige und junge Unternehmer brauchen sowohl Kenntnisse in Marketing und Vertrieb als auch eine geeignete Software, mit der sie schnell und einfach starten und das Unternehmenswachstum antreiben können", sagt JD Sherman, Chief Operating Officer bei Hubspot.

Loyal zur eigenen Stadt 

88 Prozent der Berliner halten die Spree-Metropole für einen wettbewerbsfähigen Standort, um ein neues Unternehmen zu gründen. Auch die Befragten aus London (87 Prozent), Paris (82 Prozent),  Amsterdam (89 Prozent) halten ihre eigene Stadt für konkurrenzfähig im internationalen Vergleich. In Dublin ist man am wenigsten optimistisch (77 Prozent).

Die internationale Wahrnehmung spricht jedoch eine andere Sprache: Während Dublin (Ø 6%), Amsterdam (Ø 5%) und Paris (Ø 3%) von den anderen Städtern kaum als aktuelles Startup- und Innovationszentrum in Europa registriert werden, scheint London (Ø 37%) den Ruf als führendes Zentrum innezuhaben, gefolgt von Berlin (Ø 16%). Damit steht die deutsche Hauptstadt in den Startlöchern, um London nach dem Brexit den Rang streitig zu machen.

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