Kununu | | von Annette Mattgey

Arbeitgeber-Bewertungen: "Eine Informationsquelle unter vielen"

Was man früher nur im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeitern erfahren hat, verbreitet sich heute rasend schnell im Internet: ob ein Unternehmen ein gutes Betriebsklima, ansprechende Aufgaben und gerechte Gehaltsstrukturen bietet. Marktführer unter den Arbeitgeber-Bewertungsplattformen ist Kununu, das zur Online-Community von Xing gehört. Dort stehen aktuell 465.000 Erfahrungsberichte zu rund 140.000 Unternehmen. Rund 1,5 Millionen Besucher schauen pro Monat vorbei. Und nicht nur das: Laut einer Bitkom-Studie liest jeder vierte Internetnutzer Bewertungen von Arbeitgebern im Netz und macht davon seine Jobentscheidung abhängig.

Nicht alle Beiträge haben ihren Ursprung bei aktuellen oder ehemaligen Beschäftigten. Kununu verdient vielmehr daran, Unternehmen Platz zur Selbstdarstellung zu gewähren. 800 Unternehmen haben solch ein kostenpflichtiges Employer Branding-Profil angelegt, das sie mit Erfahrungsberichten, Bildern, Videos und Stellenangeboten ausstaffieren können. 

In einer Serie beleuchtet LEAD digital, wie Arbeitgeber-Bewertungsportale das Recruiting verändern. Welche Chancen und Risiken liegen darin für Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Nico Rose, bei Bertelsmann für das Employer Branding in den digitalen Kanälen verantwortlich, steht Kununu skeptisch gegenüber.

Welche Rolle spielen für Bertelsmann Arbeitgeber-Bewertungsportale wie Kununu? Werden Sie systematisch beobachtet?

Wir schauen regelmäßig auf die Einträge. Für einen diversifizierten Konzern wie Bertelsmann mit fünf Unternehmensbereichen birgt das Thema allerdings einige Herausforderungen. Wir stellen immer wieder fest, dass vieles in einen Topf geworfen wird, was aus unserer Sicht getrennt betrachtet werden sollte. Die Aufgaben eines leitenden Redakteurs bei Gruner + Jahr unterscheiden sich beispielsweise grundlegend von denen eines Projekt-Managers bei Arvato oder eines Programm-Planers bei RTL. Und ein Job im Corporate Center, wo ich tätig bin, bringt wiederum ganz eigene Anforderungen mit sich. Häufig ist die Zuordnung in den Profilen nicht unmittelbar ersichtlich. Wir stellen fest, dass solche Bewertungs-Tools für Unternehmen mit klarem Branchenfokus validere Informationen liefern, als für einen so breit aufgestellten Global Player wie Bertelsmann.

Wurden Sie von Bewerbern schon mal angesprochen auf Äußerungen, die auf Kununu gemacht wurden? Wie wichtig sind solche Seiten Ihrer Meinung nach für Jobsuchende?

Ich glaube schon, dass Jobsuchende diese Portale nutzen und in ihre Überlegungen mit einbeziehen. Seit Xing Kununu übernommen hat, sind deren Bewertungen ja auch nur noch einen Klick entfernt, wenn man sich auf der Plattform bewegt. Allerdings handelt es sich nur um eine Informationsquelle unter vielen. Ich würde sicherlich auch bei Kununu nachschauen, wollte ich mich über eine Firma informieren. Aber wer trifft schon einzig und allein auf dieser Basis seine Entscheidung? Konkret angesprochen haben mich Bewerber noch nicht auf dieses Thema.

Welche Initiativen ergreifen Sie, um Ihre eigenen Mitarbeiter zu Kommentaren zu motivieren?

Wir haben unsere Mitarbeiter bisher nicht systematisch darum gebeten, eine Bewertung auf entsprechenden Plattformen zu hinterlassen. Wir fragen unsere Mitarbeiter jedoch im Rahmen unserer weltweiten Mitarbeiterbefragung, ob sie Bertelsmann bzw. das jeweilige Tochterunternehmen als Arbeitgeber weiterempfehlen würden. Ein immens großer Teil unserer Mitarbeiter bejaht dies. Dies zu wissen, genügt uns für den Moment.

Ist es sinnvoll, sich mit einem bezahlten Porträt bei Kununu darzustellen?

Den Nutzen kann ich derzeit nicht beurteilen. Wir stehen im Austausch mit Kununu, haben uns aber bisher nicht dazu entschlossen, kostenpflichtige Angebote zu nutzen.

Wie stark hat die Existenz von Kununu das Miteinander verändert: den Umgang mit abgelehnten Bewerbern, nicht übernommenen Probezeitlern, gekündigten Mitarbeitern?

Wir haben bislang nicht die Erfahrung gemacht, dass sich für Bertelsmann durch diese Plattformen viel verändert hat. Eines unserer vier ‚Bertelsmann Essentials‘ lautet Partnerschaft. In diesem Sinne bemühen wir uns – mit oder ohne Bewertungsportale – jedem Bewerber und Mitarbeiter unabhängig von seiner Leistung mit dem höchstmöglichen Maß an Respekt zu begegnen. Dass bei einem Unternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern in Einzelfällen auch Missstände artikuliert werden, ist nicht wünschenswert, aber Teil der unternehmerischen Realität. Wenn es nun eine weitere öffentliche Plattform gibt, um derartigen Unmut kund zu tun, dann finde ich das im Sinne der Meinungsfreiheit nur begrüßenswert.

Nico Rose verantwortet als Senior Director Corporate Management Development das konzernübergreifende Employer Branding der Bertelsmann-Gruppe. Seit 2008 arbeitet er zusätzlich als freiberuflicher Coach. Im Dezember 2012 erschien sein Buch „Lizenz zur Zufriedenheit – Positive Psychologie in der Praxis“ bei Junfermann. Nebenbei bloggt Rose als einer der Digital LEADER für diese Website.

Arbeitgeber-Bewertungen: "Eine Informationsquelle unter vielen"

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Kununu: "Fake-Bewertungen schädlicher als Frust-Postings"

von Annette Mattgey

Die zwei wichtigsten Bausteine der Recruiting-Strategie sind Stellenanzeige und Karierre-Website. Gleich danach kommen Social Media-Kanäle wie Facebook, Twitter und Kununu, findet Armin Betz, Vorstand der Personalberatung Personal Total, Arbeitgeber-Bewertungsplattformen dienen dazu, die Informationen, die Bewerber aus anderen Quellen haben, zu untermauern. "Frust-Postings (..) richten in den meisten Fällen weniger Schaden an als sogenannte Fake-Bewertungen, die den Arbeitgeber übermäßig loben", so Betz im Interview mit LEAD digital.

 In einer Serie beleuchtet LEAD digital, wie Arbeitgeber-Bewertungsportale das Recruiting verändern. Welche Chancen und Risiken liegen darin für Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Im ersten Teil erklärte Nico Rose, bei Bertelsmann für das Employer Branding in den digitalen Kanälen verantwortlich, wie das Medienunternehmen mit dem Thema umgeht.

Müssen Arbeitgeber vor Kununu Angst haben?

Arbeitgeber sollten Kununu eher als Chance wahrnehmen, als Angst davor zu haben. Bewerber legen mittlerweile großen Wert auf transparente Strukturen ihrer zukünftigen Arbeitgeber. Kununu ist derzeit die wichtigste Bewertungsplattform für Arbeitgeber und ein idealer Kanal, um Bewerbern detaillierte und vor allem glaubwürdige Einblicke in Firmenphilosophie und Arbeitsatmosphäre zu geben. In kostenpflichtigen Profilen werden Informationen durch die vorgegebene Kategorisierung strukturiert aufgearbeitet und können schnell vom Leser erfasst werden. Gehen Unternehmen das Thema Kununu strategisch und konzeptionell an, kann sich ein Profil in diesem Netzwerk sogar positiv auf Recruiting-Prozesse auswirken.

Wie prägend sind die Kommentare im Netz, z.B. bei Kununu, für das Image eines Unternehmens?

Arbeitgeber-Bewertungsplattformen haben nach unserer Erfahrung seit ca. zwei bis drei Jahren an Bedeutung gewonnen. Kununu im speziellen ist mit der Einbindung in Xing noch deutlich wichtiger geworden. Durch die Vernetzung der beiden Portale erhalten Bewerber jetzt einen sehr umfassenden Einblick in das jeweilige Unternehmen. Beispielsweise können Interessenten in Xing zu einer detaillierten Übersicht über derzeitige Bewertungen mit Kommentaren und kleineren Statistiken gelangen, ohne das Businessnetzwerk verlassen zu müssen. Mitarbeiter haben die Möglichkeit, ihre Bewertung bequem von Xing aus in Kununu platzieren. Hat eine Firma eine Zertifizierung von Kununu erhalten, wird diese automatisch im Xing-Unternehmensprofil angezeigt. Dies alles bietet für Interessenten einen deutlichen Mehrwert bei der Informationsbeschaffung.

Letztendlich nutzen Bewerber immer mehrere Informationsquellen, um ein möglichst umfassendes Bild des Arbeitgebers zu erhalten. Für Unternehmen kommt es bei Kununu vor allem darauf an, die Informationen, die in der Stellenanzeige und auf der Karriere-Website zu Benefits, Perspektiven etc. gegeben werden, zu untermauern. Bestätigen die Bewertungen auf Kununu diese Versprechen, stärkt dies das Image oder verbessert es sogar. Gehen Firmenangaben und Bewertungen stark auseinander, wird dem potenziellen Bewerber signalisiert, dass hier etwas nicht stimmt. In diesem Fall sollten Unternehmen Stellung nehmen und gegebenenfalls interne Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsklimas angehen.

Wie stark lassen sich potenzielle Bewerber davon abschrecken bzw. anziehen?

Der entscheidende Faktor ist die Glaubwürdigkeit. Je besser Bewertungen ausfallen, umso sicherer fühlt sich der Bewerber bei seiner Entscheidungsfindung. Dafür muss allerdings eine bestimmte Mindestanzahl an Bewertungen vorhanden sein. Je größer die Anzahl an authentischen Postings ist, umso vertrauenswürdiger ist die Wirkung nach außen. Im Falle einer kritischen Bewertung sollten Unternehmen deshalb prüfen, ob eine Stellungnahme notwendig ist, dann schnell reagieren und Lösungsvorschläge anbieten. Auf diese Weise wird Mitarbeitern und Bewerbern ernsthaftes Interesse an einem Dialog und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen signalisiert.

Neben der Anzahl der Bewertungen spielt dabei auch die Qualität der Aussagen eine entscheidende Rolle. Hier gilt: Ehrlich währt am längsten. Interessierte Leser merken schnell, ob es sich bei Bewertungen um geschönte Aussagen oder, bei negativen Angaben, um Frust-Postings handelt. Letztere richten in den meisten Fällen weniger Schaden an als sogenannte Fake-Bewertungen, die den Arbeitgeber übermäßig loben. Diese lassen das Unternehmen wenig seriös wirken und wecken bei potenziellen Bewerbern grundsätzliche Zweifel an der Außendarstellung des Unternehmens.

Wie lassen sich die eigenen Mitarbeiter motivieren, sich bei Kununu zu engagieren?

Je nach Arbeitsatmosphäre und Loyalitätsverständnis können Mitarbeiter sehr schnell oder eher schleppend von einer Bewertung bei Kununu überzeugt werden. Gezielte Aktionen wie z. B. Mailings können Anreize geben und so die Bereitschaft steigern, eine Bewertung abzugeben. In jedem Fall sollte sich der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern gegenüber klar positionieren und Ziele definieren, das Procedere erklären und die Chancen für das Unternehmen deutlich aufzeigen.

In vielen Unternehmen wissen die meisten Mitarbeiter allerdings gar nicht, dass ein Profil ihres Arbeitgebers auf Kununu existiert. Hier muss in erster Linie Aufklärungsarbeit geleistet werden, also vermittelt werden, welchen Zweck und Ziele das Profil hat, welchen Beitrag Mitarbeiter leisten können und welchen Nutzen das gesamte Unternehmen daraus ziehen kann. Letztendlich trägt jede Maßnahme, die die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigert, auch dazu bei, die Bereitschaft zu erhöhen, eine positive Bewertung auf Kununu abzugeben.

In welchen Fällen raten Sie Unternehmen, bei Kununu kostenpflichtige  Profilseiten einzustellen?

Kununu sollte als wichtige Informationsergänzung zu den Basics, also Stellenanzeige und Karriere-Website, gesehen werden. Ist ein Unternehmen in diesen Kanälen bereits gut aufgestellt, kann ein zusätzlicher Kanal in Kununu oder auch in anderen sozialen Medien  wie Facebook oder Twitter aufgebaut werden. Neben dem zusätzlichen Informationsan­gebot, sowie der Möglichkeit, Videos und Bilder zu integrieren, bietet ein kostenpflichtiges Profil bei Kununu den Vorteil, dass das Unternehmen Usern auch angezeigt wird, wenn sie sich auf anderen Profilen aufhalten. Sowohl Reichweite als auch Transparenz werden dadurch erheblich erhöht und bieten zusätzliche Anreize für Bewerber.

Neben der Transparenz wird auch die Auffindbarkeit in Suchmaschinen durch ein Kununu-Profil deutlich verbessert. Dies wiederum führt zu mehr Klicks auf dem eigenen Profil und erhöht so die Reichweite und die Chance, die passenden Bewerber für sich zu gewinnen. Gerade bei Firmen, die Mitarbeiter für schwer zu besetzende Positionen suchen, empfiehlt es sich, die Recruiting-Aktivitäten auch auf diese Kanäle auszuweiten. Sollten die sozialen Medien zu Recruiting-Zwecken genutzt werden, muss jedoch unbedingt beachtet werden, dass die Ansprache zielgruppengerecht gestaltet und die Art der Kommunikation dem jeweiligen Kanal angepasst ist.

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Kununu-Regeln: "Kraftausdrücke nicht erlaubt"

von Annette Mattgey

Von "Freudentaumel bis Frust" reicht die Palette der Äußerungen auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu. Bevor sie online gehen, achtet das Community Management darauf, ob die Regeln eingehalten sind: "Kraftausdrücke oder namentliche Erwähnungen sind bei Kununu nicht erlaubt", erklärt Tamara Katja Frast, PR & Social Media Manager bei Kununu. Sie weiß, was die Internet-Nutzer an Unternehmensporträts schätzen und rät daher: Lieber ein Bild von der Kantine als ein glatt poliertes Image-Video.

Kununu hat regen Zulauf von Internet-Usern, die sich dort über die Arbeitsbedingungen von Unternehmen informieren wollen. Wie erklären Sie sich das Interesse? Früher ging es ja auch ohne...

Die Gründer von Kununu, Mark und Martin Poreda, haben bereits 2007 erkannt, dass mit dem Aufkommen der technologischen Möglichkeiten – Social Media & Co – die Kommunikation an sich als auch die Kommunikationskanäle einen Wandel vollziehen werden. So war es auch: Durch die sozialen Netzwerke war es für User plötzlich selbstverständlich, einst private Themen öffentlich zu posten und durch die Erfahrungen von anderen Menschen Entscheidungen zu treffen. Mittlerweile wird kaum noch eine Reise gebucht, ohne sich auf entsprechenden Bewertungsportalen umzusehen.

Und so verhält es sich auch mit Kununu: Mit knapp einer halben Million Arbeitgeberbewertungen gilt Kununu als erste Anlaufstelle für Mitarbeiter und Bewerber. Mitarbeiter möchten auf Kununu Lob, aber auch Kritik loswerden und Bewerber bekommen anhand der authentischen, ungeschönten Eindrücke einen Blick hinter die offiziellen Firmenfassaden. Jobinteressierte können so besser beurteilen, ob der Arbeitgeber zu einem passt oder nicht.

Nicht zu vergessen das verstärkte Aufkommen der Generation Y, die ausschließlich digitale Medien konsumiert und auch Fragen rund um den Job mithilfe des Internet lösen möchte. Die Kununu-Bewertungen sind in den Google-Suchergebnissen prominent gelistet und erzielen so eine enorme Reichweite. Zusätzlich sorgt die Verknüpfung mit dem Business-Netzwerke Xing, seit Januar 2013 der Mutterkonzern von Kununu , für weitere Aufmerksamkeit.

Frust oder Freude - welche Motivation überwiegt bei den Kommentarschreibern?

Bei Kununu ist die Stimmung der User ziemlich ausgewogen: Eine aktuelle Analyse der Kununu-Erfahrungsberichte hat ergeben, dass knapp die Hälfte der bewerteten Unternehmen eine Gesamtnote von mindestens 3 Punkte aufweist. Vom Freudentaumel über den neuen Job bis hin zu frustrierten Zeilen wegen unzähligen Überstunden ist alles zu lesen.

Wie gewährleisten Sie die Qualität der Bewertungen? Gehen sie sofort online?

Als Marktführer unter den Bewertungsportalen achtet Kununu seit jeher auf eine hohe Qualität der Bewertungen. Technischen Kontrollinstanzen und ein Community Management-Team achten auf Einhaltung der Gesetze sowie der freiwillig auferlegten moralischen Richtlinien.

Sobald ein User einen Erfahrungsbericht abgeben möchte, muss er sich mit einer ordnungsgemäßen Mailadresse registrieren. Die Bewertungsmaske an sich ist dahingehend aufgebaut, dass nicht nur sämtliche Punkte des Arbeitsalltags beurteilt werden können, sondern weiterführende Kommentare und Verbesserungsansätze geschrieben werden können. Aus rechtlichen und moralischen Gründen müssen die User bei der Bewertung jedoch Richtlinien einhalten: Kraftausdrücke oder namentliche Erwähnungen sind bei Kununu nicht erlaubt. Entspricht der Erfahrungsbericht nicht den Richtlinien, wird der User vom Kununu-Support kontaktiert und darauf aufmerksam gemacht, die Bewertung den Richtlinien anzupassen. Nur dann bleibt der Erfahrungsbericht online.

Im übrigen bieten wir den Unternehmen an, dass sie auf jede einzelne Bewertung kostenlos eine Stellungnahme abgeben können. So kommt auch die Sichtweise der Arbeitgeber hinzu und die Besucher bekommen dadurch einen noch besseren Eindruck zu einem Unternehmen.

Was erregt den meisten Unmut im Arbeitsleben?

Anhand der abgegebenen Erfahrungsberichte sehen wir, dass den meisten Mitarbeitern der Wohlfühlfaktor wichtiger ist als der Karrierefaktor. Ein faires Vorgesetztenverhalten, ein guter Kollegenzusammenhalt, ein angenehmes Arbeitsklima und eine stimmige Work-Life-Balance tragen wesentlich zur Zufriedenheit im Job bei. Sind diese Punkte nicht gegeben, kann das auch meist durch ein attraktives Gehalt oder zusätzliche Benefits nicht ausgeglichen werden.

Spielen da auch (ungerechte) Bewertungssysteme wie das in Verruf geratene Stack Ranking (Yahoo) eine Rolle?

Wir sehen, dass den Mitarbeitern Wertschätzung und Transparenz sehr wichtig ist. Gerade Vertreter der Generation Y suchen sich sehr gezielt ihren Arbeitgeber aus und geben jenen Unternehmen den Vorzug, welche am besten zu den persönlichen Anforderungen passen. Durch die demografische Situation werden gut ausgebildete Bewerber von den Firmen heftig umworben und können daher selbstbewusst auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber kommunizieren – und aktiv fordern, was sie möchten und was nicht.

Wem raten Sie zu einem bezahlten Porträt? Und wieviel muss ein Unternehmen dafür investieren?

Von dem bereits bestehenden 'War for Talents' sind sämtliche Unternehmensgrößen und Branchen betroffen: Konzerne als auch KMU benötigen auch in Zukunft ihre Azubis und Fachkräfte. Durch die Digitalisierung müssen neue Kanäle für die Personalarbeit zum Einsatz kommen. Digital Employer Branding ist daher für sämtliche Firmen relevant: Große Unternehmen können ihr bestehendes Arbeitgeber-Image mit einer authentischen Note aufwerten und online transportieren, schlanke Firmen und Hidden Champions können in der gleichen Riege wie Großunternehmen ihre jeweiligen Benefits ausspielen. Die Präsentation als Arbeitgeber und die Kommunikation der Arbeitgebermarke ist daher für alle Unternehmen eine notwendige Investition in die Zukunft.

Zu den Kosten: Der Preis für ein Employer Branding-Profil hängt von der Mitarbeiterzahl ab. Firmen mit bis zu 199 Mitarbeitern zahlen EUR 395,- pro Monat. Das Profil kommt bei Kununu und Xing zum Einsatz, somit werden mit einem Portrait die zwei wichtigsten Karriereportale bedient. Monatlich werden so 6,5 Millionen Besucher erreicht.

Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Gilt das auch für Unternehmensporträts? Was sollte dort auf alle Fälle nicht fehlen?

Die Bewerber fordern Transparenz und möchten einen umfassenden Eindruck zu einem Arbeitgeber erlangen. Daher spielen Bilder und Videos auch im Jobsektor eine große Rolle. Das Employer Branding-Profil von Kununu und Xing kann daher mit Fotos vom Arbeitsalltag und Karrierevideos ausgestattet werden. Wichtig jedoch auch hier: Authentizität und Offenheit. Den größten Erfolg haben jene Portraits, die anstelle von sterilen Image-Bildern die tatsächliche Arbeitsatmosphäre widerspiegeln: Die Mitarbeiter am Arbeitsplatz, in der Kantine, bei der letzten Firmenfeier oder auch bei Meetings. Die Bewerber sollen einen Eindruck bekommen, wie die Unternehmenskultur aussieht und ob die Firma zu einem passt.

Auch bei den Videos ist zu beachten: Der Informationsgehalt für Bewerber sollte im Vordergrund stehen. Anstelle von Werbephrasen müssen die Stärken des Arbeitgebers und der Nutzen für Mitarbeiter klar im Vordergrund stehen.

Für Fotos und Videos gilt: Sie müssen professional aufbereitet sein, dürfen jedoch nicht steril wirken. Informationsgehalt für Bewerber, Sympathie und Authentizität sind das wichtigste – dann werden aus Besucher letzten Endes Bewerber.

In einer Serie beleuchtet LEAD digital, wie Arbeitgeber-Bewertungsportale das Recruiting verändern. Welche Chancen und Risiken liegen darin für Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Unten sehen Sie die bereits erschienenen Artikel.

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Agentur-Chef Liehr: "Kununu ist ein Must-have-Medium"

von Annette Mattgey

Empfehlungen durch die eigenen Mitarbeiter sind immer noch das beste Rezept, Neue zu finden. Kununu ist daher ein "Must-have-Medium", findet Andreas Liehr, Geschäftsführer von Huth + Wenzel. Die Frankfurter Agentur berät Kunden wie Suzuki Europe, die Sparda-Banken, Commerzbank und Merck unter anderem in Sachen Personalmarketing. Warum für ihn Kununu sogar wichtiger als Facebook ist, erzählt er im LEAD digital-Interview.

Inwieweit müssen Sie bei Ihren Kunden für das Thema Digital Employer Branding werben? Oder rennen Sie da offene Türen ein?

Das Thema Digital Employer Branding hat bei unseren Kunden aktuell eine sehr hohe Relevanz: Bewerber informieren sich heute überwiegend online über Unternehmens-Websites, Xing, Linkedin, Kununu, Facebook & Co.  Somit müssen wir Kunden nicht mehr überzeugen, dass digitales Employer Branding ein wichtiges Thema ist. Aufgrund unseres guten Rufs in diesem Bereich kommen einige Kunden erfreulicherweise von sich aus auf uns zu, wenn sie Beratung wünschen oder eine entsprechende Kampagne planen.

Welche Maßnahmen werden aus Ihrer Sicht über-, welche unterschätzt?

Eine stark unterschätzte Maßnahme ist das Job-Crowdsourcing im eigenen Unternehmen: Mitarbeiter werden zu Multiplikatoren und empfehlen relevante Jobs aktiv in ihren privaten und beruflichen Netzwerken beispielsweise über Xing, Facebook oder Linkedin. Unternehmen sollten deshalb verstärkt eigene Mitarbeiter in das Recruiting einbeziehen. Das stärkt das Wir-Gefühl im Unternehmen – und: Empfehlungen sind der beste Wege zu neuen Mitarbeitern.

Auch internes Employer Branding und die damit verbundene Kommunikation zu den bestehenden Mitarbeitern gewinnt an Bedeutung. Künftig werden Mitarbeiter ihre (Un-) Zufriedenheit vermehrt in sozialen Netzwerken wie Kununu oder Xing zum Ausdruck bringen. Das wirkt sich natürlich auf die Wahrnehmung bei potenziellen Bewerbern aus.

Überschätzte Maßnahmen kenne ich keine. Oft legen Unternehmen oder HR-Experten noch einen zu großen Fokus auf lang etablierte Maßnahmen, anstatt neue Wege zu gehen. Aber das sind eher Einzelfälle und kein generelles Thema.

Viele Online-Kontakte sind ja Mitmach-Medien (Facebook-Page, Xing, Kununu). Wie gewährleisten Sie hier für den Kunden einen konsistenten Auftritt und eine stabile Marke?

Wir stehen den Kunden beratend zur Seite und empfehlen ihnen – bevor sie Social Media-Maßnahmen in Angriff nehmen wollen – gemeinsam mit uns eine Social Media-Strategie und geeignete Guidelines zu entwickeln. Die Umsetzung und die tägliche Pflege wie regelmäßige Postings, Monitoring etc. liegen dabei häufig in der Hand des Kunden.

Wie sollten Unternehmen an das Thema Kununu rangehen?

Wenn die Hausaufgaben gemacht wurden und das Employer Branding strukturell sowie konzeptionell steht, sollten Unternehmen Kununu fest in ihre Kommunikationsmaßnahmen integrieren. Kununu ist zu einem ‚Must-have-Medium’ herangewachsen und ermöglicht es Unternehmen, sich glaubwürdig und transparant darzustellen. Die Bewertungen runden das Gesamtbild ab und helfen Unternehmen dabei, gegebenenfalls Optimierungsansätze für die Bereiche zu entwickeln, die nicht besonders gut bewertet wurden.

Dabei ist es hilfreich, wenn ein Unternehmen eine unverwechselbare Employer Branding- Kampagne mit eigenständiger Bildwelt vorzeigen kann. Das schafft einen Wiedererkennungswert und sorgt für einen einheitlichen Arbeitgeberauftritt.

Daneben sollte der Kununu-Auftritt mit authentischen sowie hochwertigen Bildern und Videos angereichert werden. So kann der Interessent einen ersten Einblick in das Unternehmen werfen und schauen, ob es zu ihm passt.

Haben Sie für einen Kunden schon mal ein Porträt in Kununu erstellt?

Bis jetzt haben wir noch kein Kununu-Porträt für einen Kunden erstellt, aber wir beraten gerne regelmäßig dabei. Meistens empfehlen wir unseren Kunden, selbst ein professionelles Kununu-Profil anzulegen. Viele Unternehmen haben jedoch nach wie vor Bedenken bei diesem Thema. Oft kommt die Frage auf „Was machen wir, wenn wir von Mitarbeitern oder ehemaligen Mitarbeitern schlecht bewertet werden?“. Diese Bedenken gilt es in Gesprächen abzubauen.

Braucht die Personalabteilung eigene Social Media-Kanäle für ihre Botschaften?

Das hängt vom Unternehmen ab. Nicht jedes Unternehmen hat die Inhalte, die Kapazität oder das Budget, um Social Media-Kanäle professionell zu führen. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Produkt, das Unternehmen oder den Arbeitgeber handelt.
 
Wurde das Thema Employer Branding im Vorfeld ordentlich aufgestellt, lassen sich die verschiedenen Social Media-Kanäle anhand zuvor festgelegter Kennzahlen entsprechend bewerten und die Strategie kann gegebenenfalls angepasst werden.

Fakt ist: Eine Facebook-Page ist beispielsweise schnell erstellt. Genauso schnell macht sich jedoch die Frage breit, wer was auf dieser teilen darf und soll oder wie man in den Dialog mit der Zielgruppe tritt. So ist ein professionelles Kununu-Profil im Vergleich zur Facebook-Page wahrscheinlich geeigneter und sinnvoller. Denn das Kununu-Profil gestattet einen guten Einblick in ein Unternehmen. Facebook kann das zwar auch, muss aber zusätzlich und hauptsächlich den Dialog mit den Usern suchen und führen. Das sollten Unternehmen sich vorher gut überlegen.

In einer Serie beleuchtet LEAD digital, wie Arbeitgeber-Bewertungsportale das Recruiting verändern. Welche Chancen und Risiken liegen darin für Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Unten sehen Sie die bereits erschienenen Artikel.

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