Kristina Bierer, Studienleiterin des Clevis Praktikantenspiegel 2016.
Kristina Bierer, Studienleiterin des Clevis Praktikantenspiegel 2016. © Foto:Clevis

Clevis Praktikantenspiegel 2016 | | von Thuy Linh Nguyen

Anspruch ans Praktikum: Inhalt vor Unternehmensmarke

Der Mindestlohn hat die Praktikanten-Gehälter ansteigen lassen. Dafür sind sie nun kürzer geworden. Welche Erwartungen Studierende haben und wie sie mit ihren Arbeitgebern zufrieden sind, zeigt der aktuelle Clevis Praktikantenspiegel 2016, den die HR-Unternehmensberatung in Kooperation mit der Online-Jobbörse Absolventa Jobnet jährlich erstellt. 

Vergütung und Mindestlohn

Seit der Einführung des Gesetzes über die Mindestvergütung ist das Durchschnittsgehalt von Praktikanten um 10,6 Prozent auf 950,43 Euro gestiegen. Die in der Studie als "Mindestlöhner" bezeichneten Praktikanten erhalten sogar ein Durchschnittsgehalt von rund 1.240 Euro. Voraussetzungen dabei sind: Die Tätigkeit geschieht auf freiwilliger Basis (also kein Pflichtpraktikum) und dauert mindestens drei Monate. Insgesamt erhalten 96 Prozent der Befragten eine Vergütung, wobei 48 Prozent ein Pflichtpraktikum absolvieren.

60 Prozent der Probanden gaben an, dass der Mindestlohn ein relevantes Entscheidungskriterium für die Bewerbung bei einem Unternehmen sei. Denn 82 Prozent sind der Meinung, zu einem fairen Arbeitgeber gehöre auch die Zahlung des Mindestlohns an die Praktikanten. Doch die Vergütung steht nicht an erster Stelle, wenn es darum geht, ein Praktikum zu absolvieren.

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Das muss ein Praktikum leisten

Das wichtigste Kriterium für ein Praktikum ist für 74 Prozent der Teilnehmer das Erlernen der richtigen Inhalte. An zweiter Stelle steht der Ruf des Unternehmens als Referenz für den Lebenslauf. Danach folgt die Neugier, eine bestimmte Branche kennenlernen zu wollen.

Insgesamt gaben 87 Prozent an, aktuell mit ihrem Praktikum zufrieden zu sein. 85 Prozent würden sich sogar sofort erneut bei ihrem Praktikums-Arbeitgeber zwecks ihres festen Berufsstarts melden, weshalb 82 Prozent nach ihrer Praktikantenzeit Kontakt mit den Unternehmen halten.

Durchschnittlich haben Praktikanten 39 Wochenarbeitsstunden pro Woche. Wobei 40 Prozent angaben, regelmäßig Überstunden zu leisten. Im direkten Vergleich der verschiedenen Branchen arbeiten Praktikanten aus den Bereichen Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung und Recht am meisten:

durschnittl. Arbeitszeit nach Branchen

Durchschnittliche Arbeitszeit nach Branchen (in Stunden) Quelle: Clevis Praktikantenspiegel 2016

Trotzdem sind 84 Prozent der Probanden mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden. Diese Zufriedenheit nimmt allerdings mit steigenden Arbeitsstunden ab.

Durch die Globalisierung stellen immer mehr Arbeitgeber bei ihren Mitarbeitern den Wunsch nach internationaler Erfahrung fest. Allerdings haben lediglich 14 Prozent der Befragten ein Praktikum im Ausland gemacht. Denn auch, wenn vor allem der angloamerikanische Kulturraum als beliebtes Praktikumsziel angegeben wurde, ist Deutschland ein attraktiver Standort, um Berufserfahrungen zu sammeln. Vor allem die Chemie-, Pharma-, Fahrzeug-, Telekommunikations-, IT- und Internetbranche sowie die Branche der Konsum- und Gebrauchsgüter suchen qualifizierten Nachwuchs.

Arbeitgeberqualität und Markenimage

In der Studie bewertete Clevis insgesamt 446 deutsche Unternehmen, wovon 72 im direkten Vergleich bezüglich Arbeitgeberqualität und Markenimage stehen. Ersteres ist eine zentrale Messgröße für die Gesamtzufriedenheit bei Praktikanten. Die Unternehmensberatung untersuchte sechs verschiedene Faktoren, die ein umfassendes Bild über den Arbeitgeber liefern: Arbeitsbedingungen, Aufgabengestaltung, Teamklima, Führung, Lernen, Vergütung.

Zufriedenheit mit der Arbeitgeberqualität

Als zweite zentrale Messgröße dient das Markenimage einer Firma. Dieses bildet die Außenwirkung eines Unternehmens auf Basis seiner Produkte und Dienstleistungen ab. Es beruht auf dem Fremdbild, das externe Praktikanten einem Unternehmen zuschreiben. Vor allem Marken aus der Automobilbranche wie BMW, Daimler und Volkswagen haben ein sehr gutes Image. Hinsichtlich Markenimage und Arbeitgeberqualität kann allerdings nur Porsche gute Werte aufweisen. Die meisten Unternehmen aus dieser Industrie können nur mit einem guten Ruf glänzen. Bei Banken wie der KFW Bankengruppe verhält es sich beispielsweise andersherum: Trotz durchschnittlich schlechter Markenimages, wahrscheinlich als Nachwirkung der Bankenkrise von 2008, erreichen die Geldinstitute überdurchschnittliche Werte bei der Arbeitgeberqualität.

Deutschlands größte Praktikantenstudie wird seit 2010 jährlich von Clevis durchgeführt. Für die Ergebnisse von 2016 fanden Erhebungen von April bis September 2015 statt. Mehr als 6.200 Praktikanten nahmen an der Umfrage teil. Zum Zeitpunkt der Befragung befanden sich 77 Prozent der Teilnehmer im Studium. Der Rest verteilt sich auf Absolventen und Young Professionals (mit maximal zwei Jahren Berufserfahrung).

Anspruch ans Praktikum: Inhalt vor Unternehmensmarke

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