Agentur-Chef Bosch: "Zeit der Gutsherren ist vorbei"
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Personalführung | | von Annette Mattgey

Agentur-Chef Bosch: "Zeit der Gutsherren ist vorbei"

Menschenentwickler und Teamplayer - so sieht sich Sebastian Bosch, Geschäftsführer der Digitalagentur Mosaiq Media. Eine Weiterbildung zum Coach findet er dafür sinnvoll. Ganz anders sieht das Vertriebsexperte Dirk Kreuter, der Zielkonflikte vorprogrammiert sieht, wenn der Chef Coach seiner Mitarbeiter ist. Ihm widerspricht Bosch in seinem heutigen Beitrag für LEAD digital: Kooperativer Führungsstil geht nicht zulasten des Erfolgs, sondern er ermöglicht ihn erst. 

„Pro: Chefs coachen ihre Mitarbeiter“, so lautete der Titel meines Beitrags, der kürzlich bei LEAD digital erschienen ist. Darin mache ich mich dafür stark, dass Chefs sich mehr mit dem Thema Coaching von Mitarbeitern befassen sollten. Ziel: Höhere Mitarbeiterzufriedenheit und mehr Unternehmenserfolg. Ganz und gar nicht meiner Meinung ist Dirk Kreuter. Er ist Trainer und Vertriebsexperte und hat daher vor allem eines im Sinn: „Umsatz, Umsatz und nochmal Umsatz“. Wohl um jeden Preis, wenn man seinen Beitrag so liest. Im Grunde liegt Dirk Kreuter ja nicht falsch: Der Vertrieb wird letzten Endes am Umsatzerfolg gemessen. Ja, jedes Unternehmen muss erfolgreich sein und Gewinne erwirtschaften, sonst ist es krank. Soweit die Gemeinsamkeit.

Menschenentwickler statt Gutsherren-Art

Mir ist die Auffassung von Dirk Kreuter dennoch zu einseitig. Je öfter ich den Artikel lese, desto öfter kommt mir das Bild von einem Gutsherren in den Sinn: „Die Leute sollen schuften, schließlich bezahle ich dafür“. Gehalt als Schmerzensgeld, sozusagen. Aber: Die Zeit der Gutsherren ist vorbei! Die Menschen heute, egal in welchem Bereich, suchen viel mehr nach dem Sinn in ihrem Tun. Es geht nicht mehr nur darum, die besten Zahlen zu liefern. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht mir dabei keineswegs um einen Schmusekurs. Ich bin selbst Unternehmer, habe 30 Mitarbeiter und auch wir stehen tagtäglich im Wettbewerb. Jeder Agentur-Chef weiß, was das bedeutet. Aber das eine schließt das andere nicht aus.

Im Gegenteil: ein Chef, der es schafft neben den reinen Zielen auf seine Mitarbeiter einzugehen, der ihnen hilft mit Hürden konstruktiv umzugehen, sie bei herausfordernden Aufgaben beratend unterstützt, und der durch sein Wirken das Wir-Gefühl stärkt und für etwas mehr Sinn und Erfüllung beim Mitarbeiter sorgen kann – dieser Chef bringt sein Team zu Höchstleistungen, weil er jedem einzelnen hilft, sein Potential zu entfalten und somit am Ende für den größten Erfolg sorgt. Und nebenbei auch für die größte Zufriedenheit auf Mitarbeiterseite. Ich habe also mehr einen Menschenentwickler und Teamplayer als einen Gutsherren vor Augen, wenn ich davon spreche, dass der Chef auch Coach sein soll.

Externer oder interner Coach? Weder noch: Die neue Art der Führung

Hilft alles nichts, denn der Chef hat sofort einen Zielkonflikt, so Dirk Kreuter. Auch hier bin ich nicht bei ihm. Vor allem, weil Dirk Kreuter die Zeichen der Zeit verkennt und zu kurz springt, wenn er dies auf einzelne Coaching-Stunden für die großen, grundsätzlichen Fragen des Lebens beschränkt. Für diese Fragen oder wenn der externe Blick wichtig ist, kann es durchaus sinnvoll sein, einen Berater von außen hinzuziehen. Es geht mir aber um eine neue Art der Führung. Nicht über Befehl und Gehorsam, sondern über Erklärung und Einbindung. Besonders wiederzufinden in der Generation Y, englisch „why“ gesprochen, die viel mehr noch als die Generation Golf nach Sinn und Authentizität sucht. Dabei aber sehr zielstrebig und leistungsorientiert ist.

Unsicherheiten, Meinungsverschiedenheiten, Herausforderungen, Erfolge, Niederlagen... Jeder Chef weiß, dass diese Situationen tagtäglich vorkommen. Coaching vom Chef heißt, Mitarbeiter und Team durch diese Situationen zu führen. Zielstrebig und klar, aber auch wertschätzend und anerkennend.

Wenn ich also davon spreche, dass ein Chef seine Mitarbeiter coacht, erfolgt das auf leiseren Sohlen. Es geht darum, Alltagsthemen konstruktiv und positiv zu lösen. Es geht darum, die richtigen Menschen an die richtigen Positionen zu setzen. Und es geht darum, Unternehmenserfolg und Mitarbeiterbedürfnis in Einklang zu bringen. Nicht auf Kosten des Erfolgs, sondern für den Erfolg.

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