1. Mai | | von Deutsche Presse-Agentur

8 Prognosen, wie wir in Zukunft arbeiten werden

Der "Tag der Arbeit" am 1. Mai ist eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie unsere Arbeitsplätze in 20 Jahren aussehen werden. Anders - davon sind jedenfalls Arbeitsmarktforscher überzeugt.

Ihre Prognosen für die nächsten 15 bis 20 Jahre:

# Die Arbeit geht uns nicht aus

Zwar werden weiterhin Jobs im Zuge der fortschreitenden Rationalisierung, vor allem in der Produktion, wegfallen. "Aber mit den neuentstehenden Bedürfnissen werden mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als durch Rationalisierung wegfallen", prophezeit der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Sozialforschung (IAB), Joachim Möller. Als Beispiel sei hier das Smartphone genannt.

# Künftige Beschäftigte müssen mehr wissen und können

Denn viele der heute noch üblichen Routinearbeiten auch in Büros werden wegfallen - etwa der Beruf des Buchhalters. Die neuen Arbeitsplätze werden anspruchsvoller und erfordern eine bessere Ausbildung. "Gefragt ist künftig vor allem Problemlösungskompetenz", prognostiziert Möller. In der vernetzten Industrie 4.0 hat gute Chancen, wer Produktions- und Digitalwissen zugleich hat.

# Der Roboter wird zum "Kollegen"

Stark verändern wird sich die Industriearbeit. Dabei wird der Mensch keineswegs vom Roboter verdrängt. Er wird mit ihm künftig eng zusammenarbeiten. "In der Zukunft darf der Roboter den Käfig verlassen, um mit dem Menschen Hand in Hand zu arbeiten", sagt IAB-Chef Möller. Hochintelligente Produktionsautomaten werden vor allem schmutzige und belastende Arbeiten übernehmen.

#Es gibt auch weiterhin einfache Jobs

Vor allem im Versand, aber auch in anderen Dienstleistungsbranchen wird es auch künftig Chancen für weniger gut ausgebildete Menschen geben. In den USA hat in den vergangenen Jahren die Zahl der gering qualifizierten Beschäftigten sogar zugenommen. In Deutschland erwarten Arbeitsmarktforscher aber tendenziell eine sinkende Zahl solcher Beschäftigungen.

# Es sind deutlich weniger Menschen arbeitslos

Die Bundesregierung hält in ihrem "Grünbuch Arbeiten 4.0" eine Arbeitslosenquote von rund 3 Prozent im Jahr 2030 für realistisch; dies entspräche nach heutigem Stand etwa einer Million Jobsuchern. IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber ist vorsichtiger: Um dieses "Fernziel" erreichen zu können, müsste die Arbeitslosigkeit von heute an monatlich um 10.000 sinken. Dafür seien aber weitere Anstrengungen in der Bildung und für den Arbeitsmarkt wichtig. Ein Hauptproblem: Vielen Langzeitarbeitslosen fehlt die Qualifikation für freie Stellen.

# Die Arbeit wird flexibler

Arbeiten am Wochenende, am späten Abend oder in der Nacht wird künftig verbreiteter sein als heute. Denn die stärkere weltweite Vernetzung der Firmen und eine Produktion, die rasch auf kurzfristige Nachfrage reagieren muss, werden die Betriebe nach Ansicht des Bundesarbeitsministeriums stärker unter Druck bringen. Die Gefahr besteht, dass für die Beschäftigten Freizeit weniger planbar wird. IAB-Chef Möller sieht in der größeren Flexibilität der Arbeitswelt aber auch eine Chance für die Beschäftigten, wenn sie selbst mitgestalten können.

# Die besten Jobchancen haben Techniker

Qualifizierte Mitarbeiter in technischen Berufen werden nach einer IAB-Modellrechnung im Jahr 2030 bundesweit fehlen. Sie können sich künftig ihren neuen Chef aussuchen. Gute Chancen haben künftig auch Medienleute und Vertreter kreativer Berufe - ebenso wie junge Leute, die sich für einen Gesundheitsberuf entschieden haben. Manche Kaufleute, Juristen und Wirtschaftswissenschaftler werden dagegen im Jahr 2030 Probleme bei der Jobsuche haben.

# Gesuchte Fachkräfte haben Joker bei der Jobsuche

Unternehmen müssen ihnen daher nicht nur attraktive Arbeitsbedingungen bieten, sondern sich unter Umständen auch auf individuelle Arbeitszeitwünsche einstellen. Familienzeit, Sabbatjahr, Zeit für Fortbildung werden nach Einschätzung von Arbeitsmarktforschern in Unternehmen selbstverständlich sein müssen, wenn sie im Wettbewerb um die Köpfe nicht das Nachsehen haben wollen. Fachleute sprechen von einem "Arbeitnehmermarkt".

Klaus Tscharnke, dpa

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