60 Mio. Euro futsch: Arbeitsagentur entsorgt selbstgebastelte IT
© Foto:BA

IT-Architektur | | von Annette Mattgey

60 Mio. Euro futsch: Arbeitsagentur entsorgt selbstgebastelte IT

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat nach einer Pannenserie ein millionenschweres IT-Projekt gestoppt. Eine 60 Millionen Euro teure Software, mit der 14 verschiedene Anwendungen verknüpft werden sollten, wird ab sofort stillgelegt.

Die rund 90.000 Mitarbeiter nutzten bei der Jobvermittlung und der Abrechnung von Geldleistungen künftig wieder die Einzelanwendungen. Das System hatte die Bundesagentur selbst entwickelt. Damit sollten die Abläufe in den 156 Arbeitsagenturen beschleunigt werden.

Nach Angaben des Sprechers hatte sich das bei der BA unter der Bezeichnung "Robaso" firmierende Projekt nach der vierjährigen Laborentwicklung im praktischen Einsatz als nicht "ausreichend flexibel" erwiesen. Es habe sich gezeigt, das nachträgliche Änderungen, etwa die Korrektur einer Kontonummer, in dem System nicht möglich sei.

Um eine solche Angabe dennoch korrigieren zu können, habe man sämtlich Leistungs- und Vermittlungsdaten in das System neu eingegeben müssen. Da eine Behebung des Fehlers zu aufwendig und zu teuer sei, werde das System abgeschaltet. Künftig sollen solche Programme früher in den Praxistest gehen, kündigte die Bundesagentur an.

Die Informationstechnik der BA ist sehr komplex. Mit rund 120 eigens entwickelten IT-Verfahren werden die Arbeitsvermittlung unterstützt, Fördermaßnahmen abgewickelt und Geldleistungen wie z.B. Arbeitslosengeld ausgezahlt.

Auch wenn sich 60 Mio. Euro nach viel anhören. Für einen Apparat wie die BA ist das nur ein kleiner Teil ihrer IT-Ausgaben. Für die Weiterentwicklung und den Betrieb einer der größten IT-Landschaften Deutschlands hat die Behörde allein zwischen 2011 und 2016 etwa 4,5 Milliarden Euro aufgewendet. Um die Mitarbeiter mit moderner IT zu unterstützen, hat die BA diverse innovative IT-Großprojekte geplant und erfolgreich umgesetzt. Dazu zählt unter anderem die Einführung einer elektronischen Aktenhaltung.

Ein anderes Projekt war "Robaso" (Rollenbasierte Oberflächen). Ziel war es, den Mitarbeitern das Arbeiten auf einer einzigen IT-Plattform ohne Doppeleingaben und Programmwechsel zu ermöglichen und zu vereinfachen. Die Entwicklung von "Robaso" begann im Jahr 2010 und mündete in einer Pilotierung im Oktober 2015. Im praktischen Einsatz im Kundengeschäft zeigte sich, dass die Software zu wenig flexibel war, um der Komplexität der Kundenanliegen gerecht zu werden.

Der Projektabbruch wurde durch ein unabhängiges externes Audit bestätigt. Die Schwachstellen der Software sind erst bei ihrer Verwendung unter realen Bedingungen erkannt worden.

Zwischenzeitlich wurden Vorkehrungen getroffen, damit sich ein solcher Projektabbruch nicht wiederholt: Die Entwicklung neuer Software erfolgt in überschaubaren Stufen mit begleitenden Anwendertests in der Praxis. Großprojekte werden während der Projektlaufzeit regelmäßig extern auditiert, um das Riskomanagement zu überprüfen.

Anlässlich der gewonnenen Erkenntnisse wurden alle anderen derzeit laufenden IT-Projekte der BA überprüft. Es gibt keine Projekte mit vergleichbaren Konstellationen.

(am/mit dpa)

60 Mio. Euro futsch: Arbeitsagentur entsorgt selbstgebastelte IT

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!