Myra Egeler, Sapien Razorfish.
Myra Egeler, Sapien Razorfish. © Foto:Sapient Razorfish

Myra Egeler, Sapient Razorfish | | von einem Gastautor

5 Dinge, die Mütter unbedingt VOR der Elternzeit erledigen sollten

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Beim Thema Vereinbarkeit von Mutterschaft und Karriere gibt es kein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Umsetzung. Dafür sind die Entwicklungen in der Familienpolitik und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung einfach zu fließend. A und O bei der Planung der Elternzeit und der Rückkehr ins Berufsleben sind daher offene Gespräche mit dem Arbeitgeber sowie eine gute Recherche über Modelle und Strategien. So lassen sich viele Dinge bereits im Vorfeld des Mutterschutzes gut organisieren – zumindest vorläufig.

Die folgenden fünf Tipps sollen Frauen dazu ermutigen, sich aktiv auf die Elternzeit und ihre Rückkehr ins Unternehmen vorzubereiten, um frühzeitig die Weichen für die weitere berufliche Entwicklung stellen zu können.

Tipp 1: Entscheidungen treffen

Die erste Frage, die sich werdende Mütter stellen sollten, ist folgende: Will ich nach dem Mutterschutz in meine alte Position zurück – oder sogar weiter aufsteigen? Um diese für sich zu beantworten, kann Frau sich in der Regel an den folgenden drei Modellen orientieren:

  • Betreuung der Kinder über 3 Jahre hinweg oder länger
  • Mit überschaubarer Teilzeit ins Unternehmen zurückkehren
  • In Vollzeit oder Vollzeit-nah ins Unternehmen zurückkehren

Dies ist eine sehr persönliche Entscheidung, die sich jeglichem Urteil von außen entzieht.

Insbesondere Frauen, die sich selbst in der dritten Gruppe ansiedeln, sollten sich früh verstärkt Gedanken über den Wiedereinstieg im Job machen. Erfahrungsgemäß möchten sie trotz Mutterschaft keinen Stillstand ihrer Karriere in Kauf nehmen und streben Positionen mit breitem Verantwortungsrahmen an. Zudem sind sie bereit, sich dafür ganz nach dem "Lean In"-Prinzip im Unternehmen zu bewähren, hart zu arbeiten und auch privat viele Kompromisse einzugehen.

Tipp 2: Familie mitnehmen

Nachdem der gewünschte Weg definiert ist, gilt es, den Partner oder die Partnerin sowie die Familie auf die Reise mitzunehmen. Essenziell ist dabei gemeinsam zu klären, welche Arbeitsmodelle künftig in Frage kommen: Ist einer oder sind sogar beide Elternteile dazu bereit, in Teilzeit zu arbeiten – zumindest vorübergehend? Wie sähe die finanzielle Situation dann aus? Wie geht man mit beruflichen Reisen, Krankheit des Kindes etc. um?

Heutige Väter wollen stärker in diese Entscheidungen involviert sein als vorige Generationen. Auch sind sie wesentlich stärker dazu bereit, Kompromisse einzugehen und die Familie über die eigene Karriere zu stellen – auch wenn es noch nicht zum Alltag gehört, dass Männer in Teilzeitbeschäftigung wechseln. Vielmehr sind es häufig die Frauen, die wie selbstverständlich die Betreuung der Kinder und das Führen des Haushalts übernehmen und freiwillig beruflich komplett zurückstecken – ohne andere Modelle überhaupt erst in Erwägung zu ziehen.

Neben einer fairen Aufgabenverteilung und klaren gemeinsamen Entscheidungen ist es weiterhin wichtig, sich frühzeitig ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen – sei es für die Betreuung der Kleinen oder für die Haushaltsführung. Auf Großeltern oder andere Familienmitglieder bauen zu können, ist dazu ideal – entspricht aber oft nicht der Realität. Viele Eltern wohnen heute weit weg von ihren Familien – die spontane Hilfe im Alltag ist keine Option. Hier kommen Angebote wie ehrenamtliche "Leihomas und -opas", Au-pairs oder die Nachbarschaftshilfe-Initiative "Wellcome" ins Spiel, die eine gute Alternative bieten.

Tipp 3: Frühzeitig das Revier abstecken

Will man als Frau auch weiterhin Karriere machen, muss man ganz klar den Hut in den Ring werfen und seine Ziele und Visionen für die Zeit nach der Rückkehr ins Unternehmen kommunizieren. Wer etwa zurück in einen Teamleitungsposten will, sollte dies auch offen klarstellen.

Daher lohnt es sich bereits vor der Elternzeit bei Vorgesetzten und Personalern sein Revier abzustecken und die Modalitäten der Rückkehr, Teilzeitmöglichkeiten, zukünftige Reisebereitschaft etc. abzustimmen.

Zudem sollten Frauen während der Elternzeit nicht komplett "in der Versenkung" verschwinden. Regelmäßigen Kontakt mit Kollegen und Vorgesetzten zu halten, ist ein wichtiger Baustein in der Vorbereitung auf die Rückkehr ins Unternehmen. So bleibt man informiert und zeigt sein Interesse – zwei Faktoren, die gewürdigt werden.

Tipp 4: Kinder gut betreuen

Einer der entscheidendsten Faktoren bei der Planung der künftigen Arbeitssituation ist die Tagesbetreuung der Kinder. Städtische und kommunale Betreuungsangebote sind in der Praxis aber nur schwer mit den Bedürfnissen des modernen Arbeitsmarktes in Einklang zu bringen. Vielerorts werden Ganz- oder Halbtags-Kitaplätze erst kurz vor der geplanten Rückkehr in den Beruf verbindlich zugeteilt – wenn überhaupt. Höhere Planungssicherheit gibt es nur, wenn man auf private Kitas oder ähnliche Angebote zurückgreift. Eine teure und nicht für jeden geeignete Lösung, die aber in Erwägung gezogen werden sollte. Schließlich handelt es sich um eine Investition in die eigene Karriere, die sich langfristig auszahlen kann. Es gilt aber auch hier, dass eine Entscheidung bereits lange vor der geplanten Rückkehr ins Unternehmen – in Ballungsräumen sogar schon vor dem Geburtstermin – getroffen und in die Wege geleitet werden sollte. Denn zum einen sind auch diese Plätze rar und heiß begehrt. Zum anderen verstärkt ein zugesicherter Betreuungsplatz die eigene Position im Unternehmen und erhöht die Planungsverlässlichkeit.

Tipp 5: Mut beweisen

Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, ist eine echte Herausforderung und fordert zeitweise hohen Aufwand, Kompromisse und Abstriche. Aber am Ende des Tages macht es stolz und gibt Selbstvertrauen, wenn man beides erfolgreich meistert. Dafür braucht es aber Mut und Selbstvertrauen, sich in das 'Abenteuer Kind' zu stürzen und gleichzeitig sich selbst und seine Ambitionen nicht zu vernachlässigen. Alles ist möglich, wenn Frau nur will – und der Partner oder die Partnerin am gleichen Strang zieht. Daher der unbedingte Rat am Ball zu bleiben und sich mutig für die eigenen Ziele stark zu machen. Aber nicht erst mit Beginn der Elternzeit, sondern schon im Laufe der Schwangerschaft.

LEAD-digital-Bloggerin Ute Maria Zankl, Director People Strategy bei Sapient Razorfish, hat diesmal ihren Kolumnenplatz freigeräumt für ihre Kollegin Myra Egeler. Sie leitet ein Team von Recruiting-, Campus-, und Recruiting-Marketing-Spezialisten, die für die Einstellungen in vier Ländern zuständig sind. Aktuell ist sie in Elternzeit und plant bereits ihre Rückkehr zu Sapient Razorfish. Mehr zu den weiteren LEAD-digital-Bloggern lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

5 Dinge, die Mütter unbedingt VOR der Elternzeit erledigen sollten

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