James Jenkins, B-Reel, weiß, warum es in Schweden besser funktioniert.
James Jenkins, B-Reel, weiß, warum es in Schweden besser funktioniert. © Foto:B-Reel

Vorbild Skandinavien | | von einem Gastautor

4 Dinge, die wir von der schwedischen Arbeitskultur lernen können

Schon seit Jahren klagen die Deutschen zunehmend über Depressionen, Burnout sowie schlecht bezahlte Jobs. Unsere skandinavischen Nachbarn hingegen erleben einen Aufwärtstrend in Sachen Jobzufriedenheit. Vor allem schwedische Arbeitgeber freuen sich über weniger Krankschreibungen, mehr Produktivität und abnehmenden Stress. Wie sich die positiven Aspekte der schwedischen Arbeitsweise mit denen des deutschen Arbeitsalltags kombinieren lassen, formuliert James Jenkins, Chief Operating Officer bei B-Reel. Die Werbeagentur stammt aus Schweden, hat aber auch einen Standort in Berlin.

Flache Hierarchien

Auch in Deutschland setzen sich flache Hierarchien nach und nach durch, bisher aber nur in wenigen Berufszweigen. In Schweden hingegen begegnen sich Angestellte und die Führungsetage fast immer auf Augenhöhe. Das Betriebsklima ist oft sehr entspannt, alle Schweden duzen sich und Ideen sowie Vorschläge der Mitarbeiter und des Arbeitgebers werden offen diskutiert. Die Führungsebene packt mit an und versucht Probleme gemeinsam mit den Angestellten zu lösen. Voraussetzung für das Funktionieren dieser Arbeitsweise ist, dass jedes Teammitglied Verantwortung für den eigenen Arbeitsbereich übernimmt und sich dieser auch bewusst ist.

An einem Strang ziehen - Arbeiten im Kollektiv

In deutschen Büros wird zunehmend Wert auf Teamarbeit gelegt, aber dennoch sind die meisten deutschen Arbeitnehmer Individualisten und bevorzugen es, die täglichen Aufgaben allein zu meistern. In Schweden hingegen hat das kollektive Arbeiten Tradition. Um wirklich kreativ arbeiten zu können, bedarf es der kollektiven Intelligenz und Transparenz, denn Innovation beginnt erst mit der Zusammenarbeit von guten Köpfen. Darüber hinaus ist es im Kollektiv dennoch wichtig, dass jeder einzelne Verantwortung übernimmt und diese von Anfang an klar aufgeteilt und kommuniziert wird.

Auch während kleineren Kaffeepausen, den sogenannten fika, wird der Teamcharakter des Unternehmens gestärkt. Bei dieser schwedischen Tradition treffen sich alle Mitarbeiter sowie die Chefetage und tauschen sich über private sowie berufliche Dinge in lockerer Atmosphäre aus.

Mitarbeitermotivation

Zu den wichtigsten Aufgaben der Chefetage gehört die Mitarbeitermotivation. Doch leider gelingt das nur wenigen. In Schweden nimmt die Zufriedenheit der Mitarbeiter einen hohen Stellenwert ein. Nur wer gerne zur Arbeit kommt, liefert auch gute Ergebnisse ab. Um einer täglichen Routine entgegenzuwirken, sollten Arbeitgeber in die regelmäßige Weiterentwicklung der Mitarbeiter investieren und  ihre Interessen und Stärken fördern.

In schwedischen Unternehmen arbeitet man sehr transparent und alle Mitarbeiter - vom Projektmanager bis hin zum CEO -  sind Teil des kreativen Prozesses. So weiß jeder von Anfang Bescheid, welche Projekte anstehen und wie viel Zeit diese in etwa in Anspruch nehmen werden. Stehen besonders kreative Aufgaben an, werden die Mitarbeiter dazu aufgerufen, sich Zeit zu nehmen und verschiedene Ansätze auszuprobieren, um so zu unerwarteten Lösungen zu kommen. Viele schwedische Unternehmen macht also keine harten Cuts zwischen Denkern und Machern. Dies führt zu einem stetigen Fluss und einer kontinuierlichen Weiterentwicklung von Ideen, Technologien und Konzepten - die zu einem anderen Zeitpunkt für anstehende Projekte verwendet werden können.

Diversity Management

In Schweden versuchen Arbeitgeber nach und nach Diversität, vor allem in Sachen Gender-Diversity im Arbeitsalltag zu fördern. Beispielsweise arbeiten in unserem skandinavischen Nachbarland mehr Frauen in Führungspositionen als in Deutschland. Diversität wird außerdem nicht nur im kreativen Output, sondern auch im Team großgeschrieben. Kollaborierende Teams und kollektive Energie - schwedische Unternehmen setzen statt traditioneller Aufteilung in einzelne Disziplinen auf Internationalität und multidisziplinäre Talente. Vielfalt im Unternehmen beflügelt enorm und ermöglicht letztendlich erst wirkliche Kreativität.

James Jenkins ist Chief Operating Officer bei B-Reel (Kunden: Google, Zalando, McDonald’s und Beats Electronics) in Europa und ist für die Strategieentwicklung und den kreativen Output der Standorte in Berlin, London, Stockholm und Barcelona verantwortlich. Vor seiner Zeit bei B-Reel war James elf Jahre lang für das  Kreativ- und Innovationsunternehmen AKQA tätig und hat Unternehmen wie Nike, Anheuser-Busch InBev, Xbox und Red Bull in der Entwicklung der Marketingstrategien und Innovationen betreut. 

4 Dinge, die wir von der schwedischen Arbeitskultur lernen können

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