Thomas Kakareko betreut Unternehmen in Sachen Influencer Marketing.
Thomas Kakareko betreut Unternehmen in Sachen Influencer Marketing. © Foto:Thomas Kakareko

Interview | | von Sandra Bruns

Instagram-Star Thomas K: "Ansprechender Content funktioniert immer“

Thomas Kakareko ist einer der ganz Großen der Instagram-Szene. 635.000 Menschen folgen seinem Account @thomas_k. Im Interview mit W&V Online spricht der 29-jährige Berliner über Influencer Marketing, erklärt, was ein gutes Foto ist, und gibt Tipps für Unternehmen.

Thomas, wie bist Du zum Fotografieren gekommen?

Es war tatsächlich Zufall. Ich habe Ende 2010 nach einer App gesucht, mit der man unter Freunden Bilder austauschen konnte. Dabei fand ich Instagram über einen Blogpost. Die erste Zeit habe ich es nur zum Spaß benutzt, fand aber schnell inspirierende Fotografen und habe mir in den Kopf gesetzt,  es auch mal zu versuchen.

Wie sieht ein gutes Foto aus?

Ein gutes Foto ist für mich eine Kombination aus interessantem Vordergrund (meist eine Szene mit Menschen) und einem ansprechenden Hintergrund (Linien, Formen, Architektur). Wenn es einem gelingt, beides zu kombinieren und man noch etwas Glück hat, kann man tatsächlich ein perfektes Foto machen.

Was sind Deine Lieblingsmotive?

Als Straßenfotograf sind es natürlich Menschen. Ich versuche, im Alltag die besonderen Momente zu finden und diese festzuhalten.

Welches sind Deine persönlichen Lieblings-Shots in Deinem Account und warum?

Bei fast 4.000 Bildern lässt sich das schwer sagen. Ich habe aber natürlich ein paar Bilder, an die bestimmte Erinnerungen geknüpft sind. Wie zum Beispiel meine erste Zusammenarbeit mit einer Marke oder die erste Instagram-Reise.

Wie fängst Du Deine Bilder ein? Hast Du Tricks und Kniffe?

Ich versuche, nicht viel nachzudenken, nicht viel zu planen, sondern einfach rauszugehen und zu fotografieren. Die besten Bilder entstehen spontan.

Was hat sich in Deinem Stil im Lauf der Zeit geändert?

Ich habe ihn in den letzten Jahren auf jeden Fall weiterentwickelt. Mein Hauptmotiv sind auch weiterhin Menschen,  und ich liebe die Straßenfotografie. Ich möchte mir aber selbst keine Fesseln anlegen und versuche von daher auch mal etwas anderes. Als ich vor einigen Monaten auf Teneriffa war, habe ich meine Leidenschaft für die Landschaftsfotografie entdeckt. Ich werde immer ein Straßenfotograf bleiben, genieße es aber sehr, hin und wieder aus meiner Routine auszubrechen.

Wie bearbeitest Du Deine Bilder? Was ist Deine Lieblings-App?

Hier sehe ich eine konstante Weiterentwicklung und Professionalisierung. Anfangs habe ich alles mit dem Smartphone bearbeitet und war lange Zeit sehr stolz darauf. Als ich dann meine Social Media-Agentur Visumate gegründet habe, merkte ich schnell, dass ich mit der Bearbeitung an Grenzen stoße. Den Kunden hat die Qualität der Edits einfach nicht mehr gereicht. Heute arbeite ich viel mit Adobe Lightroom und lerne jeden Tag etwas dazu. Trotzdem beherrsche ich den mobilen Edit immer noch, und in manchen Situationen ziehe ich ihn dem Edit am Computer vor.

Du liebst Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Was gefällt Dir daran?

Schwarz-Weiß ist ein elementares Werkzeug jedes Straßenfotografen. Es hilft dabei, den Mittelpunkt des Bildes genau auf einen besonderen Moment oder eine Person zu legen. Sind die Farben erstmal weg, kann auch nichts mehr ablenken. Übrig bleibt ein bestimmtes Gefühl oder eine Stimmung.

Was war das Verrückteste, was Du beim Fotografieren erlebt hast?

Dafür würde der Platz hier nicht ausreichen. Am verrücktesten war es jedoch,  als ich auf der Brooklyn Bridge in New York von einem deutschen Touristen erkannt wurde und dieser unbedingt ein Selfie mit mir machen wollte. Sowas ist mir davor noch nicht mal in Berlin passiert. Ich bleibe dann doch lieber hinter der Kamera.

Du verdienst inzwischen Dein Geld durch Fotografie. Wie kam es dazu?

Es fing alles damit an, dass ich plötzlich von Marken angeschrieben wurde, denen mein Instagram-Profil aufgefallen ist. Das muss Mitte 2011 gewesen sein. Der Deal war damals ganz einfach: Ich wurde zu einem Event geschickt und sollte Fotos machen. Diese wurden dann über meinen Instagram-Stream geteilt und ich erhielt einen Gutschein. Nachdem ich das zweimal mitgemacht habe, fing ich an, mir Gedanken zu machen. Anscheinend gab es Bedarf nach genau solchen Dienstleistungen, und ich war überzeugt, dass die Nachfrage sehr stark ansteigen wird. Damals hätte ich nie gedacht, dass man genau diese Dienstleistungen ein Jahr später als „Influencer Marketing“ bezeichnen würde. Ich habe dann die Gunst der Stunde genutzt und mit zwei guten Freunden die Social Media-Agentur Visumate gegründet. Heute betreuen wir zahlreiche Konzerne bei der Umsetzung von Influencer Marketing und Visual Brand Communication-Kampagnen sowie allgemein im Bereich Instagram-Marketing. Aber natürlich lasse ich mir den Spaß auch weiterhin nicht nehmen, hinter der Kamera zu stehen und Projekte als @thomas_k umzusetzen.

Was genau macht Ihr?

Mit meiner Agentur Visumate legen wir den Fokus ganz klar auf die visuelle Kommunikation von Marken. Heute entwickeln und implementieren wir für Marken authentische Storytelling-Formate, Influencer Marketing-Kampagnen, betreuen Instagram-Profile. Meine Aufgabe dabei ist es, primär unser globales Netzwerk an Influencern und Fotografen zu betreuen. Inzwischen sind wir auf der ganzen Welt super vernetzt und haben Zugang zu Influencern aus den unterschiedlichsten Bereichen und Fotografen mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten. Letzteres ist wirklich sehr spannend, da wir darüber für unsere Kunden sehr individuellen und höchst authentischen Content (Fotos/Videos) produzieren können. Dank des besonderen Zugangs, den gerade ich als Instagrammer zu den Influencern habe, reden diese viel offener mit uns, was uns wiederum ermöglicht, Marken und Meinungsführer noch besser zusammen zu führen und Kampagnen erfolgreicher umzusetzen. Ein weiteres Steckenpferd ist sicherlich unser Community-Management, in welches ich auch viel Wissen hineingebe.

Warum sollten Unternehmen auf Instagram unterwegs sein?

Weil sie dort noch einmal ganz anders mit ihrer Zielgruppe in Berührung kommen. Die Grundstimmung der User bei Instagram ist unheimlich positiv und die Leute nutzen es, um sich inspirieren zu lassen. Dazu können auch Marken zählen, wenn sie es richtig anstellen. Mit dem richtigen Content und einem guten, aktiven Community-Management können auch Marken eine Kommunikation auf Augenhöhe mit ihrem Zielkunden aufbauen. Die direkte Kommunikation und die Einbindung und vor allem Wertschätzung von User Generated Content bindet die User aktiv an die Marke und lässt diese nicht selten zu nachhaltigen Markenbotschaftern werden. Instagram sollte aber nicht als Verkaufstool im Sinne des E-Commerce betrachtet werden, sondern als eine Möglichkeit, ein bestimmtes Lebensgefühl mit der eigenen Marke zu verbinden und nach außen zu tragen. Ich habe schon einige Marken beobachten können, welche mit Hilfe von Instagram ihr Image nachhaltig verändern bzw. prägen konnten.

Für welche Unternehmen eignet sich das Netzwerk?

Instagram kann sowohl von global operierenden Konzernen, als auch von mittelständischen Unternehmen erfolgreich genutzt werden. Während große Marken perfekt konzipierte Kampagnen mit den größten Influencern durchführen, nutzen kleinere Unternehmen Instagram eher als Kommunikationstool. Es gibt zahlreiche Nischenanbieter und kleine Brands, die über Instagram ganz gezielt ihre Marke aufbauen und sehr zielgerichtet mit ihrer Zielgruppe kommunizieren. Es kommt am Ende immer darauf an, was man erreichen will, aber ich würde jetzt keine Branchen ausschließen. Guter und ansprechender Content funktioniert immer und für jedes Unternehmen.

Welche Tipps würdest Du ihnen geben, um erfolgreich unterwegs zu sein?

Instagram hat seine eigenen Regeln und lässt sich auch nicht mit anderen Netzwerken vergleichen. Viele Unternehmen brauchen sehr lange, um diese Lektion zu lernen: Instagram funktioniert ganz anders. Katalogfotos vom letzten Shooting laufen plötzlich überhaupt nicht, während ein lustiger Einblick in den Alltag des Unternehmens plötzlich zum viralen Hit wird. An einer Zielgruppenanalyse kommt man allerdings auch auf Instagram nicht vorbei. Als Unternehmen sollte man sich darüber im Klaren sein, wen man ansprechen möchte und welche Inhalte bei genau dieser Zielgruppe gut ankommen.

Am 16. und 17. September findet in Köln die 7. Dmexco statt. 850 Unternehmen werden ihre Konzepte für die Zukunft der Internetwirtschaft präsentieren. Lead Digital und W&V Online beleuchten in einem Special vorab die wichtigsten Trends, die diese Messe prägen werden.

Instagram-Star Thomas K: "Ansprechender Content funktioniert immer“

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