Blogfamilia | | von Annette Mattgey

Zwischen Pampers und Politik: Das bewegt Eltern-Blogs

Familien-Blogs werden oft als Windel- und Bastelcontent belächelt, gleichzeitig nehmen sie im öffentlichen Diskurs und im Marketingmix von Unternehmen eine immer größere Rolle ein. Eine Umfrage klärt: Was sind die herrschenden Themen und wie halten es die Blogger mit dem Geld verdienen? Diese Fragen stellte Blogfamilia, die erste firmenunabhängige Konferenz speziell für Elternblogger. 

Mehr Generalisten als Spezialisten

Etwa ein Drittel der Befragten haben ihren Blog innerhalb der letzten zwölf Monate ins Leben gerufen. Somit sind knapp zwei Drittel aller befragten Blogs älter als ein Jahr. Jedes dritte Blog hat sogar über drei Jahre hinter sich (26,3 Prozent).

Mit 83 Prozent sind Alltagserlebnisse der inhaltliche rote Faden der Bloggerszene. Dazu passt, dass das Bloggen für zwei Drittel der Befragten ein Hobby ist (66 Prozent). Heile, heile Welt? Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich: Neben allgemeine Blogs reihen sich auch Spezialisierte wie beispielsweise pädagogische Erziehungsratgeber (41,3 Prozent) und DIY-Themen (31,5 Prozent). Nur 23 Prozent der Befragten betrachten sich als reine Ratgeberportale. Die meisten Blogger sind offensichtlich keine Experten, die anderen Ratschläge erteilen. Monothematische Blogs zu Themen Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Familienpolitik gibt es nur in Ausnahmefällen. Das gilt auch für die Bereiche Medizin, Fashion, Reise und Elternberatung.

Unter Eltern – Kooperation statt Konkurrenz

Bloggende Eltern suchen den Austausch über ihre Lebenssituation: sie wollen Gleichgesinnte finden (64 Prozent) und Einblicke in ihr Familienleben gewähren (59 Prozent). Familienblogger sind bereits gut miteinander vernetzt; Facebook spielt dabei die wichtigste Rolle, aber auch Twitter hat einen erstaunlich hohen Verbreitungsgrad (65 Prozent). Jeder vierte nutzt Messenger-Services wie Whatsapp oder SMS. Trotz des guten Drahts untereinander wünschen sich 94 Prozent der Befragten ein noch stärkeres Zusammenrücken. Familien-Blogger haben jedoch konkrete Vorstellungen darüber, mit wem sie sich austauschen wollen: Rund 52 Prozent gaben an, sich nicht mit jedem beliebigen Blogger vernetzen zu wollen. Das zeigt, wie heterogen auch diese Bloggerszene ist.

Der Wille zur Vernetzung hat vor allem ein Ziel: Gegenseitige Unterstützung und Nutzung der Schwarmintelligenz. 94 Prozent der Befragten brauchen gezielten Support und vertiefende Weiterbildungen in diversen Themenfeldern.

Bloggerkooperation: die ewige Frage nach Umfang und Preisen

Fast die Hälfte der Befragten will auch Geld mit Bloggen verdienen (44,8 Prozent) – erstaunlich: trotzdem beabsichtige nicht einmal jeder vierte Blogger die Aufmerksamkeit von Unternehmen auf sich ziehen (23 Prozent). Familien-Blogger werden lieber selber aktiv: knapp 60 Prozent aller Befragten haben bereits mit Unternehmen zusammengearbeitet. Genau 50 Prozent sind bereits mit Ideen an Unternehmen herangetreten. Das zeigt, dass schreibende Familienoberhäupter durchaus aktiv auf Unternehmen zugehen und Ideen verkaufen.

Umso interessanter wird es, wenn es zum Thema Honorierung bei Kooperationen/Anzeigen kommt: Jeder dritte Blogger lässt sich in Warenwert bezahlen. Oftmals wird genau dieser Umstand von Bloggerkollegen kritisiert. Denn 25 Prozent rechnen – je nach Reichweite und Interaktionsquote – über 100 Euro ab, jeder Fünfte gar über 200 Euro.

Blogs, die Unternehmensofferten offen stehen, bevorzugen Produkttests (70 Prozent) als Kooperationsform. Sponsored Posts oder Native Advertising liegen mit 55 Prozent auf Platz zwei. Der Klassiker Gewinnspiel liegt mit 48,2 Prozent ebenfalls vorn in der Bloggergunst.

"Die Ergebnisse unserer Umfrage machen deutlich, dass Elternblogger viel mehr sind als 'nur' Wickelratgeber. Der hohe Vernetzungsgrad bietet enormes Potenzial für Weiterbildungen und unternehmerische Entwicklung. Hier ist die Reise noch längst nicht zu Ende", betont Janni Orfanidis von Dr. Guntermann, die die Umfrage für Blogfamilia durchgeführt hat.

"Die Umfrage hat uns geholfen, unsere Community besser zu verstehen. Blogfamilia wird auf die Bedürfnisse eingehen, die in der Umfrage deutlich geworden sind und in seinen Konferenzen wichtige neue Impulse geben."

Eltern-Blogger unterscheiden sich stark untereinander. Während sich viele Blogger als Generalisten verstehen, die über Alltagsgeschichten bloggen, gibt es wiederum andere, die bereits erfolgreiche Erfahrungen in der Vermarktung ihres Blogs gemacht haben. Was alle eint: Eine starker Wille nach Vernetzung und Weiterbildung.

Obwohl bei fast jedem zweiten Blogger die monetäre Komponente eine Rolle spielt, haben lediglich 20 Prozent Kooperationsrichtlinien auf ihren Blogs veröffentlicht (Preise, Inhalt der Kooperation, Visits). Viele Eltern-Blogger sind Amateure, auf dem Weg zur Professionalisierung. Sie probieren viel aus und wollen täglich dazulernen. Sie gehen äußerst vorsichtig mit Anfragen um, weil sie wenig über Preise, Umfang und den Wert ihres eigenen Blogs wissen. Es geht auch um die Authentizität: Gerade beim Themenbereich Familie kommt es auf Glaubwürdigkeit an. Leser vertrauen "ihren" Familienbloggern mehr als (anzeigengetriebenen) Zeitschriften und genau das wollen die meisten Blogger nicht aufs Spiel setzen. Hier liegt auch die Schwierigkeit für Unternehmen und Agenturen. Diese müssen jeden Blogger dort abholen, wo er sich gerade befindet. Dabei sollten sie Blogger nicht unterschätzen: durch die starke Vernetzung werden unseriöse Anfragen schnell entlarvt.

Hinter Blogfamilia stehen Susanne Mierau (Blog "Geborgen wachsen"), Anne-Luise "Alu” Kitzerow (Blog "Grosseköpfe") und die Kommunikationsagentur Dr. Guntermann. Blogfamilia versteht sich als Netzwerk von, mit und für Blogger.

 

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