Wo das ZDF im Web noch nachbessern sollte
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Wetten dass... | | von Annette Mattgey

Wo das ZDF im Web noch nachbessern sollte

Eifrig beobachtete die Internet-Gemeinde das Geschehen auf dem Second Screen, während im ZDF "Wetten dass..." lief. An einigen Stellen herrscht noch Verbesserungspotenzial. So wie es am Samstag lief, überwog die Enttäuschung bei den professionellen Beobachtern. Mit dem iPad vor sich verfolgte etwa Florian Kerkau, Geschäftsführer von Goldmedia Custom Research, die Sendung. Ebenfalls online war Guido Bülow (Bild), Distributionsmanager beim SWR, wo er das Social Media Team in der HA SWR.Online leitet und die Social Media Aktivitäten verantwortet.

Hier lässt sich noch nachbessern:

Anmeldung:

Seine Schwierigkeiten, an die gewünschten Informationen zu kommen, schildert Kerkau: "Nach erfolgloser Suche im Apple App-Store  bin ich nach meinen Google-Recherchen darauf gestoßen, dass es sich um eine reine Web-Anwendung handelt, mit der das ZDF den „Second-Screen“ bespielt.  Etwas enttäuscht habe ich dann mittels iPad die Website geöffnet und nach fehlgeschlagenem Login per Facebook versucht einen Account anzulegen. Nach weiteren fünf Fehlversuchen mit einem widerspenstigen Formular bin ich auf die Variante Anmeldung via Twitter ausgewichen, die dann glücklicherweise sofort funktioniert hat."

Auswahl:

Die Web-App bietet einen zweigeteilten Screen mit Nutzerkommentaren von Twitterusen und einer Rubrik „Alle“ sowie einem Content-Teil mit zusätzlichen Videos und Abstimmungsfunktionen zu den Wetten. Um sich nicht durch zu viele Kommentare durchwühlen zu müssen, lässt sich der Stream filtern. Bülow: "Gut fand ich die Freunde-Funktion, mit deren Hilfe man den allgemeinen Nachrichtenstrom begrenzen konnte." Kerkau: "Das Streamen von Twitter oder Facebookmeldungen kann man wohl heute als Standardfunktionen von Social-TV-Programmen ansehen.  Die Filterung hat auch insoweit funktioniert, dass keine falschen und themenfremden Tweets aufgelaufen sind, so wie dies z.B. bei der App „RTL Insight“ häufig passiert."

Technische Stabilität:

Ob einen die Anfangspannen stören oder nicht, liegt wohl auch am Gemüt des Kritikers. SWR-Mann Bülow hatte eher Verständnis, während sich Kerkau über den einstündigen Stillstand bei den Kommentaren mokierte: "Was das ZDF offensichtlich unterschätzt hatte, war die große Menge an Meldungen, die im Social-Universum verfasst wurden und hier auf die Nutzer niedergeprasselt wären, wenn diese Menge nicht den gesamten Stream zum „fast“-erliegen gebracht hätte. Unter der Rubrik „Alle“ fror das Bild just in dem  Moment über Stunden ein, in dem der Nutzer iMichi gerade postete: 'Das war schon mal nix.'“ Anstrengend fand nicht nur Sabine Haas, Geschäftsführerin der Markt- und Medienforscher von Result, das ständige manuelle Nachladen. Auch Kerkau bemängelt es: "Da die Tweets sich nicht automatisch aktualisierten, war das System offensichtlich permanent mit dem Nachladen beschäftigt, was die Nutzung über lange Strecken unmöglich machte."

Videos:

Bewegtbilder sind offensichtlich keine geeignete Beigabe auf dem Second Screen. Das überfordert die Zuschauer: "Bei dem Versuch, Videos während dem Fernsehen anzuschauen, musste ich aber schnell aufgeben- beides geht nicht", so Kerkau.

Mitmachen:

Ungeteilte Freude machte Bülow und Kerkau die Interaktion. "Wie immer waren es am Ende die interaktiven Elemente, die Spaß gemacht haben. Das „mitwetten“ war schön aufbereitet und führte zu mehr Involvement auf der Zuschauerseite", meinte Kerkau. Bülow ergänzt: "Folgende Features machten Lust auf mehr: Abstimmungen zu Wetten und Wettkönig, live Hintergrundinformationen aus der Sendung und Live-Interaktion."

Einbindung in die Show:

Hier liegt noch ein Riesen-Manko, so Social Media-Experte Bülow:"Letztendlich aber war das aus meiner Sicht alles vergebene Liebesmüh, da im linearen Programm nicht einmal Bezug auf das genommen wurde, was dort draußen im Netz los war. Was ich vermisst habe, ist der Link zwischen der Web-App und dem laufenden Programm. Warum soll ich abstimmen, wenn es niemanden im TV interessiert? Selbst beim Voting des Wettkönigs, bei dem die Onlinestimmen zu den Telefonanrufen hinzuaddiert wurden, gab es keinen Hinweis. Kerkau wünscht sich in Bezug auf die Social Web-Beteiligung, "dass das ZDF mehr solche Element anbietet- also starken Bezug zu den eigenen Inhalten nimmt. Konsequent wäre es dann auch, diese Elemente in die Sendung einzubauen. So könnte doch auch die gesammelte Zuschauerschaft eine Stimme auf dem „Sofa“ bekommen. Insofern  hoffe ich, dass das ZDF sich mit diesen Erfahrungen an die Weiterentwicklung wagt- die Richtung ist gut, aber der Weg ist noch weit."

Fazit:

Bei SWR-Mann Bülow halten sich Lob und Tadel die Waage: "Die Hintergrundinformationen waren gut und abwechslungsreich, wirkten nie überladen, die Abstimmungen machten Spaß und die Integration des Chats und der Tweets von Twitter funktionierte problemlos. Das ZDF und Wetten Dass..? haben ihre Chance jedoch nicht ausreichend genutzt, was ich sehr schade finde. Die Webapp bietet eine Menge Potential und Anknüpfungspunkte für die zukünftigen Sendungen. Insgeheim bin ich mir aber sicher, dass Lanz & Co. sich erstmal eingrooven wollten und das Online-Tool zukünftig mit in die Show integrieren."

Kerkau schaut zugleich auf die Konkurrenz bei RTL und Social TV-angeboten wie Couchfunk: "Interessant war aber auch der Vergleich mit anderen Anbietern von Social TV Angeboten wie z.B. Couchfunk. Hier wurde von vielen Nutzern dann auch öfter mal zu RTL umgeschaltet und in den Statements  ein direkter Vergleich gezogen, was ich als sehr spaßigen Zusatznutzen empfunden habe. Dass Kommentare zu min. 60 Prozent negativ sind, scheint sich immer weiter zu bestätigen- einem Erfolg tut dies jedoch keinen Abbruch."

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