Ring Frei: Die T-Online-Chefredaktion hat sich dem Kampf gegen die Trolle gestellt.
Ring Frei: Die T-Online-Chefredaktion hat sich dem Kampf gegen die Trolle gestellt. © Foto:Screenshot, medium.com, Lukas Martin

Lesetipp | | von Sebastian Blum

Wie T-Online den Dialog mit Trollen führt und gewinnt

Zugegeben: Die Kommentar-Funktion ist für Nachrichtenportale wichtig und unverzichtbar. Sie dient nicht nur als Instrument für den demokratischen Austausch in unserer Gesellschaft, sondern ist oftmals auch für Journalisten hilfreich. Denn handwerkliche Fehler und mangelnde Recherche bleiben im Netz selten unentdeckt - Leserkommentare haben hier eine wichtige Kontrollfunktion. Trolle dagegen verkörpern meist die hässliche Seite der Webkultur: Ihre wüsten Beschimpfungen verschrecken zunehmend Reporter wie den "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, antisemitische Hetze lässt die Meinungsfreiheit wie etwa im Fall der Online-Zeitung "Tablet" zu purem Hohn verkommen. Kurzum: Trolle sind nicht nur ein Ärgernis, sondern mitunter auch eine Gefahr.

Auch T-Online hat nach eigenen Angaben ein Trollproblem. Anders als manch andere Redaktion hat das Nachrichtenportal jedoch den Dialog mit seinen streitbaren Lesern gesucht: Anfang März diskutierten die Redakteure Sascha Hornung, Axel Schrüfer, Julian Moering und Lukas Martin mit den Nutzern über den zukünftigen Umgang mit den Leserkommentaren. Martins Bericht über die Live-Debatte bei T-Online auf medium.com ist unser Lesetipp.

Für Martin steht das Ergebnis dabei fest: T-Online ist der klare Gewinner. Dafür sprechen laut Martin nicht nur die Zahlen von 21.000 Lesern, 1800 Kommentaren, über 6000 Voting-Teilnehmern und fast zwölf Minuten Verweildauer pro Leser, sondern auch, dass man die "Kommentatoren noch besser kennengelernt" habe. Zudem wisse die Redaktion von T-Online jetzt, "wie die Leser das Trollproblem lösen würden," und arbeite deshalb an der Regelung für die Kommentare der Seite.  

Für die Redakteure, die zuvor gezwungen waren, viele Kommentare zu ihren Artikeln zu löschen, bot die Live-Debatte jedoch vor allem eine Möglichkeit. Sie konnten die Argumente der Trolle kontern:

 

Dabei gab es für die Redakteure von Seiten der Leser auch konstruktive Kritik und Zuspruch:

 

 

Bei allen unterschiedlichen Auffassungen herrschte bei der Frage nach dem Umgang mit Troll-Kommentaren bei den Lesern Einigkeit: Nur vier Prozent der Nutzer sprechen sich für Debatten unter der Moderation der Redaktion aus. Ebenso wenig Zustimmung finden die Vorschläge, nur einzelne Artikel für Kommentare freizugeben oder die Kommentarfunktion ganz zu schließen. Mehr als ein Drittel will dagegen alles beim Alten belassen, während eine Mehrheit von 44 Prozent für die Anmeldung mit dem Klarnamen ist. Die Redaktion von T-Online überlegt sich jetzt, wie sie die Anregungen ihrer Nutzer aufgreifen soll.

Was T-Online die Live-Debatte noch gebracht hat, können sie in Lukas Martins Blog auf medium.com lesen.  

  

Wie T-Online den Dialog mit Trollen führt und gewinnt

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