Markus Sekulla | | von Markus Sekulla

Was mir am Blogger-Kodex noch fehlt

Die Hamburger Agentur Achtung beschreibt in ihrem kürzlich veröffentlichten Blogger-Kodex die zunehmende Wichtigkeit von Bloggern als Multiplikatoren für ihre Kunden. Ich habe generell immer ein ungutes Gefühl, wenn jemand mit einem "Kodex" um die Ecke kommt, das klingt für mich immer so wissend.

Ich hätte es also anders benannt, aber vorschnell über die Qualität des Inhalts urteilen möchte ich auch nicht. Schauen wir uns den Knigge für Blogger genauer an. Ich möchte hier nicht den gesamten Kodex Punkt für Punkt durchgehen, aber ein paar Anmerkungen aus Blogger-Sicht habe ich.

Vielleicht schon mal so viel vorweg, ich finde es generell erst mal gut, wenn sich eine Agentur proaktiv an Blogger wendet und ihnen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit aufzeigt. Dies bringt für mich als Blogbetreiber auf jeden Fall das Gefühl, dass sich die Agentur schon länger mit dem Thema Blogger-Relations beschäftigt und nicht mit einem Standardschreiben à la "Hallo Markus, ich bin bei meiner Recherche zum Thema Technologie auf euer wirklich tolles Blog gestoßen..." an mich wendet. Ich glaube, das kennen wir alle. Lieben tut es keiner.

Blogs wirken zwar mit einer meist relativ kleinen Reichweite nicht attraktiv, können aber durch eine sehr spitze Zielgruppe und durch Interaktion mit dieser punkten. Das hat Achtung hier gut angesprochen und auch mit der Abgrenzung von Blogger und Nichtblogger ziemlich genau meine Meinung getroffen.

Verrisse eher unwahrscheinlich

Ein Wort zum Thema "Blogger haben ihren eigenen Kopf..." Klar haben sie das. Doch die Erfahrungen, die ich gemacht habe, deuten darauf hin, dass Blogger die für sie bereitgestellten Testgeräte/-produkte eher nicht verreißen. Gründe? Wer will schon im nächsten Produkt-Durchgang von der Firma nicht als Tester berücksichtigt werden? Das stelle ich zur Diskussion, ist aber imho in vielen/den meisten Fällen zutreffend. Daher ist der vielbeschriebene Kontrollverlust für Unternehmen also nicht ganz so groß wie er immer befürchtet wird.

Wenig Phantasie bei Kooperationen

Ebenfalls gut beschrieben hat Achtung die möglichen Kooperationen für Blogs. Was wir als Blog machen (bei den Mobilegeeks) geht darüber hinaus. Anmerkung: Betreibt man ein großes Tech-Blog, so wird man sich irgendwann wundern, was es alles für Kooperationsmöglichkeiten gibt. Trotzdem, besonders spannend sind die Vorschläge in der Regel nicht. Weder für Blog noch Firma.

Nicht nur das reine Blogsponsoring ist ein Thema bei uns, oft werden Messeaufenthalte unserer Blogger von Firmen gesponsert, um von dort zu berichten, natürlich nicht exklusiv über die Produkte des Sponsors. Auch mit Video- oder Messesponsorships gibt es Möglichkeiten, uns kurzzeitig zu unterstützen.  Sprich Sponsoring ist bei uns eher eine Anlass- oder Formatbezogene Sache. Monatliche Rechnungen gibt es nicht.

Unbezahlbar: Street Credibility

Der wichtigste Punkt in der Blogger Relations-Frage ist Transparenz, da gebe ich Achtung auf jeden Fall recht. Um Black-Knight Deals sollte man als Blogger und auch als Agentur einen weiten Bogen machen. Was ein Blog besser macht als das nächste, ist die über Jahre aufgebaute Street-Cred, die Glaubwürdigkeit des Bloggers für die Leserschaft. Diese muss jedes Blog als höchstes Gut aufbauen und wahren, sonst wird es schwer, die Leserschaft zu halten. Wer hier nun die Guten sind oder nicht, das lasse ich mal dahingestellt, fest steht, da gibt es einige engagierte Agenturen in Deutschland. Und, das darf man hier auch nicht vergessen, auch Unternehmen, die das Thema Blogger hervorragend ohne Agentur meistern.

Aufgabe für Agenturen: Kontaktmöglichkeiten schaffen

Schön, dass Achtung hier die eigenen Qualitätsansprüche artikuliert und damit offen umgeht. Platz für Verbesserungen gibt es natürlich immer (übrigens auch bei allen Bloggern). Einen Punkt möchte ich noch anbringen, wie man als Agentur noch besser auf Blogger zugehen könnte. Zum Beispiel eine Agentur-Webseite mit Kundenvorstellung und der Möglichkeit für Blogger, Ideen für diese Kunden einzusenden. So könnte man es Bloggern und Agentur leichter machen, eine noch nicht bestehende Verbindung zu knüpfen. Ein anderes Beispiel wäre das Positionieren eines Mitarbeiters der Agentur als erster Blog-Ansprechpartner. Aber dann ist die Hoffnung natürlich groß, dass man diesen möglichst lange in der Agentur hält.

Fazit:

Ich finde den Vorstoß von Achtung, einen Blogger-Kodex zu formulieren, gelungen. Mal davon abgesehen, dass ich ihn anders benannt hätte, zeigt er wichtige Punkte im Zusammenspiel zwischen Blogs und Unternehmen auf. Mir springt er in dem Punkt noch zu kurz, als dass man es den Bloggern noch leichter machen sollte, mit Unternehmen in Kontakt zu treten.

Markus Sekulla ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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