Ausblick | | von Franziska Mozart

Was Digitalexperten für 2015 erwarten

Die Trends des zu Ende gehenden Jahres werden sich auch 2015 fortsetzen. Allen voran wird Facebook eine gleichbleibend große Rolle spielen. Aber auch von Content Marketing, Beacons und 3D-Druckern wird viel erwartet:

Facebook

André Gebel, Vorstand Beratung & Strategie, Coma AG
Klassische Facebook Apps gehören bald der Vergangenheit an! Nachdem man in den letzten Jahren das Gefühl hatte, Social Media würde Marken-Websites gänzlich überflüssig machen, steigt aktuell die Chance einer Renaissance im großen Stil. Denn seit Facebook immer mehr Spaß an der neuen Wirtschaftlichkeit findet, werden Facebook Apps sicher bald ausgedient haben, da sich damit kein Geld verdienen lässt. Also wohin mit alle den Gewinnspielen, Games und Kampagnen? Richtig. Ab zurück auf die Website. Aber "responsive" versteht sich!

Matthias Berger, Managing Partner, Berger Baader Hermes
Die Rolle von Social Media und insbesondere Facebook wird in 2015 an Bedeutung verlieren. Facebook ist derzeit der effizienteste Reichweitenkanal, verbunden mit einem immensen Aufwand bei der Content Erstellung. Zudem kommen auf Kundenseite Mediainvestments hinzu. Marketesr müssen für sich beurteilen, ob sie dies dauerhaft leisten und weiterhin Budgets in Social Media Kanäle und Ressourcen shiften wollen und können. Und einige werden sich mit dem Kanal nicht mehr so intensiv beschäftigen obwohl man digital nirgends näher an seiner Zielgruppe sein kann. Schade.

Ben Prause, COO, Eprofessional
Online-Marketer sollten 2015 unbedingt Testbudgets für Facebook einplanen. Facebook Advertising skaliert und schließt einige Lücken im oberen Teil des Conversion-Funnels, z.B. durch Cross-Device Targeting (Desktop & Mobile Facebook ID sind identisch) sowie die Verbindung von Advertising und Onsite Data (WCA).

Manuel Leschik, Geschäftsführer, Rabbit Performance
Das Atlas-Netzwerk von Facebook wird einen deutlichen Sprung nach vorn machen. Die Zeit ist reif für einen Google-Konkurrenten, der auf Augenhöhe agiert, und Atlas ist die Chance dazu. Dadurch dass Atlas über Facebook viele Interessen der User kennt und die Customer Journey ohne die Nutzung von Cookies und über viele Kanäle abbilden kann, entsteht hier ein extrem leistungsfähiges Ad-Netzwerk.

3D-Drucker

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Achtung
Google Glass war der größte Flop des Jahres 2014. Im kommenden Jahr wird der gesamte Bereich der Wearables durch sein. Zwar werden immer mehr Elemente unserer Kleidung und unserer "Körperperipherie" miteinander digital kommunizieren – aber die Hoffnung auf neue Userinterfaces mit dem Netz, die eine Erweiterung  des Körpers darstellen, trügt. Es ist kein Zufall, dass die Wearables wie die Inkarnation von Science Fiction Visionen der 60er wirken. Und darum auch kein Zufall, dass sie jetzt, wo es geht, ausprobiert wurden. Sie werden aber floppen.

Die Kommunikation ist gut beraten, statt auf Spielkram und Wearables zu setzen, den Trend zu umarmen, dass 2015 3D-Drucker den Massenmarkt erreichen. Noch lange bevor sie wirtschaftlich produktiv sind, bieten sie schon jetzt spannende Ideen für Kommunikation und Interaktion von Menschen mit Marken und Produkten.

Content Marketing

Mathias Sinn, Managing Director, Hi-ReS
Ein Thema, das 2015 für uns als digitale Kreativagentur sicherlich noch weiter an Bedeutung gewinnen wird: Content-Marketing. Aber nicht wie es viele bislang verstehen und nun statt 30sekündigen TV-Spots supergeile Viral-Filme kreieren. Für uns bedeutet Content-Marketing den Nutzern und Zielgruppen ein integriertes Markenerlebnis mit relevanten – am besten personalisierten - Inhalten zu bieten. Und zwar über alle Touchpoints und Kanäle hinweg, im besten Fall optimiert für die jeweilige individuelle Nutzungssituation am Touchpoint – vom Smartphone bis Desktop, von unterwegs bis auf der Couch im Wohnzimmer. Ideen und Content, die nur auf einen Kanal ausgerichtet sind, fast nur dort optimal funktionieren und danach nur "verlängert" werden, verpuffen künftig immer mehr.

Data-Mining

Volker Wiewer, Vice President International Teradata Applications
Die digitale Transformation kommt langsam aber sicher richtig in Gang. Die Investitionen in Technologien und digitale Projekte werden weiter steigen. Was für Unternehmen bislang eine Option war, wird aufgrund des grundlegend veränderten Konsumentenverhaltens und der Vielzahl an Kanälen zur Pflicht, um im digitalen Marketing wettbewerbsfähig zu bleiben. Ganz vorne in 2015 dabei sein werden: Mobile, Social, Real-Time und die Cloud.

Simon Umbreit, Geschäftsführer von Weitclick
Data Intelligence ist und bleibt sicherlich ein wichtiges Thema in 2015. Die zentrale Frage dabei: Wie lassen sich die Datenberge und die daraus resultierenden vielfältigen Möglichkeiten für unsere Gesellschaft sinnvoll nutzen. Und: Mobile rast in 2015 mit Sicherheit an Desktop vorbei.

Multichannel

Andreas Schauer, Geschäftsführer von CODE64
 In 2015 wird sich die digitale Wirtschaft verstärkt mit Continuity Marketing auseinandersetzen müssen: Mobile als Begriff löst sich auf und Kommunikation wird endlich als kontinuierlicher, ortsunabhängiger Prozess verstanden. Additive Technologien wie Wearables werden diesen Prozess beschleunigen. Es wird die Aufgabe für Digitalagenturen und Kunden sein, Marken kanalübergreifend zu inszenieren und eine Continuity-Strategie zu entwickeln.

Oliver Hülse, Geschäftsführer Rocket Fuel
In 2015 werden Vermarkter über die Grenzen limitierter Basis-Attribution-Modelle hinausgehen und sich in Richtung Multi-Touch-Attribution weiterentwickeln. Marketer gewinnen so einen Überblick über den gesamten Marketing-Mix und können nachvollziehen, wie User mit verschiedenen Medien interagieren und wie sie daraufhin handeln. Zudem sieht man, wie unterschiedlich die verschiedenen Marketing-Kanäle sich gegenseitig beeinflussen und wie man Verkaufsprovisionen fair gewichten kann. Es wird also der gesamte Prozess betrachtet. In 2015 werden Marketer die Vorteile dieses ganzheitlichen Ansatzes zunehmend nutzen.

Olaf Brandt, Director Product Management, Etracker
Generell wird Omni-Channel im Marketing Top-Thema sein. Natürlich spielt auch das Thema Verknüpfung von Online und Offline eine Rolle. Gemeint ist hierbei aber zunächst einerseits die Verknüpfung der Marketing-Kanäle untereinander durch ein übergreifendes kundenbezogenes Kampagnen-Management sowie andererseits die Verknüpfung von Onsite- und Offsite-Maßnahmen. Auf Basis der individuellen Customer Jouney und Customer Lifetime gilt es bspw. E-Mail und Display sowie das Targeting auf der Website abzustimmen. Damit setzt sich auch der Trend fort, mehr Gewicht im Marketing auf Personalisierung, Kundenbindung und Lifetime-Management zu setzen. Spannend in 2015 wird sicherlich der Kampf der Giganten Google, Facebook und Amazon mit ihren jeweiligen Werbe-Plattformen.

Ephemeral Media

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Achtung:
Die mit großem Abstand spannendsten neuen Interaktionskonzepte sind in den letzten Jahren im Bereich von Ephemeral Media (flüchtige Medien) entstanden. Yo und Snapchat haben massiv in Funktionen investiert und bilden ein neues Ökosystem für die Kommunikation mit jungen, mobilen Zielgruppen. Musik, Informationen, Lokalisierungsdienste – all das kombiniert mit der Flüchtigkeit der Äußerungen stellt die Kommunikation vor neue Herausforderungen. Gerade der Schritt von Snapchat in Bezahlfunktionen, Musikservices und Co zeigt, wo das Potenzial von nicht in der Suchmaschine indizierten  Inhalten liegen kann.

Mit Ephemeral Media entsteht nach dem Such-Web und dem Facebook-Web der dritte Kosmos digitaler Onlinekommunikation. Wer in Ephemeral Media 2015 punktet, ist innovativ und vorne dabei. Darum werden sich Agenturen überschlagen mit kreativen und abgedrehten Ideen für dieses neue Spielfeld.

Sicherheit

Alexander Dix, Geschäftsführer der Wunder Media Production
Wir werden auch 2015 wieder regelmäßig Nachrichten lesen, in den von gehackten Servern und Datenmissbrauch die Rede ist. Der Komponente "IT-Sicherheit" kann nicht genug Bedeutung beigemessen werden. Und das nicht nur, um sich vor Wirtschaftsspionage oder Datenmissbrauch zu schützen, sondern auch um direkten wirtschaftlichen Schaden durch Schadsoftware jeglicher Art zu vermeiden.

Beacons

Ray Velez, Global Chief Technology Officer, Razorfish  und Sascha Martini, CEO Razorfish Deutschland
Diese Technologien machen es erstmals möglich zu erkennen, wer die Menschen sind, die die Schwelle des Geschäfts überschreiten und sich darin aufhalten: ob Supermarkt, Modeladen oder Autohändler. So kann ein Auto seinem Interessenten per Scheinwerfer ‚zuzwinkern‘ oder ein TV-Bildschirm dem Kunden eine spezielle Nachricht anzeigen. Das Ziel ist, damit auf die persönlichen Vorlieben des Kunden einzugehen, anstatt ihn mit Werbung zu stören. Beacons und BLE können zudem mit Produktinnovationen wie der iBag interagieren. Die programmierbare Handtasche hilft dem Kunden dabei, seine Ausgaben im Rahmen zu halten und unbezahlte Kreditkartenrechnungen zu vermeiden.

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