Was aus Google+ noch werden kann
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Klaus Daidrich | | von Annette Mattgey

Was aus Google+ noch werden kann

Klaus Daidrich, Social Media Strategist bei der PR-Agentur Maisberger zieht nach knapp einem Jahr Google+ eine erste Bilanz. Begraben sollte man das neue Netzwerk noch nicht, findet er. Denn es bietet eine Menge B-to-B-Potential.

Von einer großen Werbekampagne begleitet, ist der Google-Konzern seit fast einem Jahr bemüht, seine Social-Media-Plattform Google+ unter die Leute zu bringen. Seit November 2011 haben neben Privatpersonen auch Unternehmen die Möglichkeit, eigene Sites anzulegen, sich auf der Plattform zu präsentieren und die vielfältigen Vorteile zu nutzen. Und doch: Jubelschreie blieben bisher aus. Die scheinbar geringe User-Aktivität regt einige – darunter das renommierte Wall Street Journal -  bereits dazu an, vom Tod des Netzwerks zu sprechen. Aber kann das nur wenige Monate nach dem Startschuss schon mit Fug und Recht behauptet werden? Oder steckt bisher nicht erkanntes Potential in Google+, das nicht unterschätzt werden sollte?

„Nicht noch ein soziales Netzwerk!“ – so oder so ähnlich lautet der Tenor bei vielen Privatpersonen, Unternehmern oder auch Marketingverantwortlichen in Bezug auf Google+. Neben Twitter, Facebook, LinkedIn, Xing, youtube oder Pinterest gibt es nun eine weitere Option, sich im Web zu zeigen und zu vernetzen. Da ist es zunächst nur verständlich, erst einmal die Entwicklung abzuwarten, bevor man sich für die Nutzung eines weiteren Kommunikationskanals entscheidet. Jetzt wird es allerdings höchste Zeit, sich mit dem neuen Netzwerk auseinanderzusetzen und zu analysieren, wie sich dieses wirksam für das eigene Business nutzen lässt. Denn Google+ bietet viel.  

Generell sind Social-Media-Kanäle für Unternehmen heute ein Marketinginstrument, das aus einer integrierten Kommunikationsstrategie nicht mehr wegzudenken ist. Sie ermöglichen es, direkt mit Kunden in Dialog zu treten und damit deren Markenbindung zu stärken. Für diesen Zweck hat sich in den letzten Jahren Facebook als eine der beliebtesten Plattformen etabliert. Mit mehr als 900 Millionen registrierten Nutzern ist wohl so gut wie jede Zielgruppe, die ein Unternehmen haben mag, vertreten. Warum jetzt also noch Google+? Welchen Mehrwert bietet das Netzwerk Unternehmen, die ihre digitale Präsenz noch verstärken bzw. erst etablieren möchten?

Google+ als Expertenportal für die B-to-B-Kommunikation
Entscheidend ist hier, dass Facebook und Google+ per se gar nicht miteinander zu vergleichen sind. Während Facebook in erster Linie eine Plattform ist, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu treten, ist Google+ vielmehr ein Publikationsnetzwerk. Es bietet die Möglichkeit, sich als Experte zu bestimmten Themen zu positionieren – und das ganz gezielt. Über die äußerst praktischen Kreise, die das Haupt-Feature von Google+ sind, können alle Kontakte themenspezifisch in verschiedene Kategorien eingeordnet werden. Interessante Beiträge kann man so direkt der richtigen Zielgruppe zuspielen. Gerade für Unternehmen aus dem B2B-Bereich, die ein exklusives Fachpublikum ansprechen möchten, ist das ein starker Pluspunkt. Google+ dient nicht dazu, platte Markenbotschaften zu posten, sondern die Menschen hinter Produkten und Dienstleistungen sichtbar zu machen. Unter dem Motto „Humanize your brand“ geht es darum, Know-how und Spezialwissen zu vermitteln und sich dadurch als Kompetenzträger zu etablieren.

Bemängelt an Google+ werden aktuell die noch geringen User-Zahlen. Abgesehen davon, dass sich das sicherlich bald ändern wird – Facebook konnte auch nicht von heute auf morgen mehrere hundert Millionen Nutzer verzeichnen – kann das auch ein Vorteil sein: Denn die Menschen, die schon auf Google+ registriert sind, sind in der Regel sehr Social Media-affin und damit optimale Multiplikatoren für die dort veröffentlichten Beiträge. Oft handelt es sich bei ihnen um Spezialisten, die auf der Suche nach Fachinformationen sind und die spannendsten Artikel mit ihren Kontakten teilen. So sorgen sie für eine höhere Reichweite.

Ganz klar entpuppt sich Google+ damit als sehr professionelles Netzwerk, das Raum für niveauvolle und themenorientierte Diskussionen bietet. Da diese unter dem Dach der Kreise, also innerhalb der jeweiligen Zielgruppe, stattfinden, wirkt die Nutzer-Aktivität geringer. Schließlich sieht nicht jeder Kontakt, jeden Post, wie das bei den meist öffentlich zugänglichen Facebook-Profilen der Fall ist. Die Chance allerdings, dass der Output effektiver ist, ist wesentlich höher, da auf einer tiefergehenden und damit nachhaltigeren Ebene kommuniziert wird – ohne dass sogenannter Flausch-Content vom Wesentlichen ablenkt.

Effektives SEO-Tool
Ein unschlagbarerer Vorzug von Google+ für Unternehmen ist dessen Einfluss auf Suchmaschinen. Google+-Posts werden von Google im Vergleich zu Facebook oder Twitter-Beiträgen bevorzugt behandelt. Einbezogen werden dabei die Anzahl der geteilten Artikel, der +1 Bewertungen sowie die Zahl der Einkreisungen. Zudem werden die Beziehung zum Suchenden und die Aktualität des Beitrags berücksichtigt.
Wer also gezielt über seinen Geschäftsbereich oder ein spezielles Thema berichtet, landet bei der Eingabe entsprechender Suchbegriffe weiter oben in den Treffern und erweitert seine Chancen, von einem potentiellen Kunden gefunden zu werden. Zu beachten ist dabei allerdings, dass Beiträge, die in die Websuche kommen sollen, öffentlich und nicht ausschließlich innerhalb einer bestimmten Zielgruppe geteilt werden müssen.
Potential frühzeitig nutzen

Ein Google+ Kanal ist jedoch nicht einfach nebenbei zu betreiben. Wie bei anderen Social-Media-Netzwerken auch müssen die Verantwortlichen eines Unternehmens Zeit und Ressourcen investieren, um dessen Potential voll auszuschöpfen. Das simple Übernehmen von bereits bestehenden Plattformen inklusive derselben Botschaften ist dabei wenig erfolgsversprechend, da die Google+ Gemeinde mit spezifisch für sie zugeschnittenen Themen versorgt werden muss. Zudem verlangt das Google-Netzwerk zunächst vor allem beim gezielten Aufbau der Kreise viel Sorgfalt und Mühe. Keinesfalls sollte man daher unüberlegt ans Werk gehen: Soziale Medien sind Bestandteil der gesamten Kommunikations- und Marketingstrategie und dürfen nicht losgelöst davon betrachtet werden. Es muss genau abgewogen werden, welcher Zweck mit der Nutzung von Social Media verfolgt werden soll und welche Plattform sich am besten anbietet, seine Zielgruppen zu erreichen. Möchte ich Kunden ansprechen oder potentielle Bewerber? Soll die Marke positioniert werden oder möchte ich mich als Thoughtleader in einem bestimmten Bereich aufstellen?  

Erst mit der richtigen Strategie können die geeigneten Kanäle aufgesetzt und zielgerichtet betrieben werden. Google+ muss dann nicht zwangsläufig dazugehören: es von Vornherein auszuschließen dagegen ist der falsche Weg. Denn die Resultate können bei Google+ - gerade im B2B-Bereich - enorm sein. Besonders jetzt in der Anfangsphase haben Unternehmen die einmalige Chance, sich frühzeitig zu positionieren und als Experte in ihrem Bereich aufzutreten. Google+ ist nicht tot – im Gegenteil, es erwacht gerade erst zum Leben.

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