Social Media Week | | von Annette Mattgey

Warum wir einen Knigge für den Umgang mit Bloggern brauchen

Welche Regeln sollten für die Zusammenarbeit zwischen Bloggern, Agenturen und Unternehmen gelten? Dazu hat  Achtung einen "Blogger-Kodex"  entwickelt, den die Agentur auf der  Social Media Week in Hamburg zur Diskussion stellt. Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Social Media-Stratege bei Achtung, hat an dem Kodex mitgearbeitet. Transparenz ist dabei die oberste Maxime. Die Interessen der Beteiligten müssen klar erkennbar sein. Keine verdeckte Finanzierung ist daher eine der Kernforderungen von Lünenbürger-Reidenbach.

Das sind die Key Facts des Blogger-Kodex von Achtung:

  • Bloggerinnen und Blogger sind für uns wichtige Multiplikatoren
  • Gute Arbeit muss auch gut bezahlt werden – dafür haben wir eine Reihe von Modellen entwickelt.
  • Blogs werden individuell behandelt. Und wir bevorzugen klare Absprachen.
  • Ob wir Honorare zahlen oder beispielsweise Rechte an Artikeln erwerben, hängt von dem konkreten Projekt ab.
  • Wir versuchen langfristige Partnerschaften und Netzwerke aufzubauen, statt auf Web-Clippings zu schielen.

Im LEAD digital-Interview erläutert Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, was Achtung mit dem Blogger-Kodex bezweckt.

Warum dieser Blogger-Kodex und warum gerade jetzt?

In den letzten zwei Jahren haben unsere Kooperationen mit Bloggerinnen und Bloggern immer mehr zugenommen. Und weil wir von denen immer wieder hörten, dass viele Agenturen mit unverschämten und merkwürdigen Fragen auf sie zukommen, haben wir entschieden, unseren Qualitätsanspruch öffentlich zu machen.

Welche Haltung durchzieht das Regelwerk?  

Wir sind die Guten. Wir wollen sowohl für Bloggerinnen und Blogger als auch für unsere Kundinnen und Kunden transparent und klar machen, wie bei uns die Ansprache von Mikro-Zielgruppen funktioniert. Und wo die Grenzen sind. Was wir für ethisch machbar halten und was nicht.

In Pressepublikationen gilt eine strikte Trennung von Redaktion und Anzeigen – zumindest nach den Vorstellungen des Presserats. Ist das bei Blogs überhaupt machbar?

Es gibt ja bei Blogs in der Regel weder eine Redaktion noch eine Anzeigenabteilung. Ein großer Teil der Blogs wird als Hobby geführt. Uns ist wichtig, dass immer transparent ist, wer welche Interessen verfolgt. Verdeckte Finanzierung lehnen wir ab. Wir arbeiten auch nicht mit Bloggerinnen und Bloggern, die eine verdeckte Finanzierung wollen.

Was erwarten die Leser? Wo beginnt die Lesertäuschung?

Ich arbeite jetzt seit zehn Jahren für Kundinnen und Kunden mit Blogs zusammen. Schon das allererste Blogsponsoring (Immobilienscout für ein Umzugsblog von Nico Lumma) habe ich entwickelt. Ich denke, dass mein Team und ich sehr gut einschätzen können durch die lange Erfahrung, was geht und was nicht. Und wie wir Bloggerinnen und Blogger schützen und fördern können.

Der vollständige Kodex für die Zusammenarbeit von Bloggerinnen und Blogger ist bei Slideshare hinterlegt.

Warum wir einen Knigge für den Umgang mit Bloggern brauchen

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Was mir am Blogger-Kodex noch fehlt

von Markus Sekulla

Die Hamburger Agentur Achtung beschreibt in ihrem kürzlich veröffentlichten Blogger-Kodex die zunehmende Wichtigkeit von Bloggern als Multiplikatoren für ihre Kunden. Ich habe generell immer ein ungutes Gefühl, wenn jemand mit einem "Kodex" um die Ecke kommt, das klingt für mich immer so wissend.

Ich hätte es also anders benannt, aber vorschnell über die Qualität des Inhalts urteilen möchte ich auch nicht. Schauen wir uns den Knigge für Blogger genauer an. Ich möchte hier nicht den gesamten Kodex Punkt für Punkt durchgehen, aber ein paar Anmerkungen aus Blogger-Sicht habe ich.

Vielleicht schon mal so viel vorweg, ich finde es generell erst mal gut, wenn sich eine Agentur proaktiv an Blogger wendet und ihnen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit aufzeigt. Dies bringt für mich als Blogbetreiber auf jeden Fall das Gefühl, dass sich die Agentur schon länger mit dem Thema Blogger-Relations beschäftigt und nicht mit einem Standardschreiben à la "Hallo Markus, ich bin bei meiner Recherche zum Thema Technologie auf euer wirklich tolles Blog gestoßen..." an mich wendet. Ich glaube, das kennen wir alle. Lieben tut es keiner.

Blogs wirken zwar mit einer meist relativ kleinen Reichweite nicht attraktiv, können aber durch eine sehr spitze Zielgruppe und durch Interaktion mit dieser punkten. Das hat Achtung hier gut angesprochen und auch mit der Abgrenzung von Blogger und Nichtblogger ziemlich genau meine Meinung getroffen.

Verrisse eher unwahrscheinlich

Ein Wort zum Thema "Blogger haben ihren eigenen Kopf..." Klar haben sie das. Doch die Erfahrungen, die ich gemacht habe, deuten darauf hin, dass Blogger die für sie bereitgestellten Testgeräte/-produkte eher nicht verreißen. Gründe? Wer will schon im nächsten Produkt-Durchgang von der Firma nicht als Tester berücksichtigt werden? Das stelle ich zur Diskussion, ist aber imho in vielen/den meisten Fällen zutreffend. Daher ist der vielbeschriebene Kontrollverlust für Unternehmen also nicht ganz so groß wie er immer befürchtet wird.

Wenig Phantasie bei Kooperationen

Ebenfalls gut beschrieben hat Achtung die möglichen Kooperationen für Blogs. Was wir als Blog machen (bei den Mobilegeeks) geht darüber hinaus. Anmerkung: Betreibt man ein großes Tech-Blog, so wird man sich irgendwann wundern, was es alles für Kooperationsmöglichkeiten gibt. Trotzdem, besonders spannend sind die Vorschläge in der Regel nicht. Weder für Blog noch Firma.

Nicht nur das reine Blogsponsoring ist ein Thema bei uns, oft werden Messeaufenthalte unserer Blogger von Firmen gesponsert, um von dort zu berichten, natürlich nicht exklusiv über die Produkte des Sponsors. Auch mit Video- oder Messesponsorships gibt es Möglichkeiten, uns kurzzeitig zu unterstützen.  Sprich Sponsoring ist bei uns eher eine Anlass- oder Formatbezogene Sache. Monatliche Rechnungen gibt es nicht.

Unbezahlbar: Street Credibility

Der wichtigste Punkt in der Blogger Relations-Frage ist Transparenz, da gebe ich Achtung auf jeden Fall recht. Um Black-Knight Deals sollte man als Blogger und auch als Agentur einen weiten Bogen machen. Was ein Blog besser macht als das nächste, ist die über Jahre aufgebaute Street-Cred, die Glaubwürdigkeit des Bloggers für die Leserschaft. Diese muss jedes Blog als höchstes Gut aufbauen und wahren, sonst wird es schwer, die Leserschaft zu halten. Wer hier nun die Guten sind oder nicht, das lasse ich mal dahingestellt, fest steht, da gibt es einige engagierte Agenturen in Deutschland. Und, das darf man hier auch nicht vergessen, auch Unternehmen, die das Thema Blogger hervorragend ohne Agentur meistern.

Aufgabe für Agenturen: Kontaktmöglichkeiten schaffen

Schön, dass Achtung hier die eigenen Qualitätsansprüche artikuliert und damit offen umgeht. Platz für Verbesserungen gibt es natürlich immer (übrigens auch bei allen Bloggern). Einen Punkt möchte ich noch anbringen, wie man als Agentur noch besser auf Blogger zugehen könnte. Zum Beispiel eine Agentur-Webseite mit Kundenvorstellung und der Möglichkeit für Blogger, Ideen für diese Kunden einzusenden. So könnte man es Bloggern und Agentur leichter machen, eine noch nicht bestehende Verbindung zu knüpfen. Ein anderes Beispiel wäre das Positionieren eines Mitarbeiters der Agentur als erster Blog-Ansprechpartner. Aber dann ist die Hoffnung natürlich groß, dass man diesen möglichst lange in der Agentur hält.

Fazit:

Ich finde den Vorstoß von Achtung, einen Blogger-Kodex zu formulieren, gelungen. Mal davon abgesehen, dass ich ihn anders benannt hätte, zeigt er wichtige Punkte im Zusammenspiel zwischen Blogs und Unternehmen auf. Mir springt er in dem Punkt noch zu kurz, als dass man es den Bloggern noch leichter machen sollte, mit Unternehmen in Kontakt zu treten.

Markus Sekulla ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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Print-Neustart "I like Blogs": Burda kauft Bloggern Inhalte ab

von Petra Schwegler

Es sind Blog-Perlen, die den Magazin-Neustart "I like Blogs" aus dem Hause Burda füllen. Ab sofort liegt zum Test ein Titel im Zeitschriftenhandel, der dem Verlag zufolge "in seiner Form bislang absolut einzigartig ist". "I like Blogs" habe echte Perlen aus dem Netz gefischt und in einem "ganz besonderen Blogmagazin" vereint, heißt es. Immerhin: Laut Burda besteht das Heft zu 99 Prozent aus Blog-Inhalten.

"I like Blogs" richte sich in erster Linie an Frauen, sei urban und international, modern und neugierig, heißt es. Das Besondere für die Lieferanten des Contents, die sonst im Netz oft für lau veröffentlichen: "Die Blogger sind sozusagen als freie Autoren Teil der Redaktion und jeder erhält für seinen Beitrag ein entsprechendes Honorar", versichert Burda. Wie hoch die Honorare ausfallen – darüber schweigt sich der Verlag aus. Von Blogs inspirierte Hefte gibt es bereits im deutschen Markt.

Redaktionsleiterin ist Marion Winnen-Martin, die mit einem kleinen Team "I like Blogs" realisiert hat. Das Heft hat 148 Seiten, erscheint in hochwertiger Ausstattung und liegt zum Copypreis von 4,80 Euro in einer Druckauflage von 50.000 Exemplaren am Kiosk. Es kann zudem online unter ilikeblogs.de bestellt werden. Hinzu kommt eine Facebook-Seite.

Redaktionelle Heimat im Verlag ist der Bereich BurdaLife, in dem Titel wie "Freizeit Revue", "Lisa", "Mein schöner Garten" oder "Neue Woche" angesiedelt sind. Wie so oft bei Burda dürfte die Performance des Testballons am Büdchen darüber entscheiden, ob es mit "I like Blogs" nach der Premiere weitergeht.

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben