Warum nicht jede Marke zum Medienhaus werden muss
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Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Warum nicht jede Marke zum Medienhaus werden muss

Influener Marketing ist derzeit DAS große Thema. Influencer-Agenturen sprießen wie Pilze aus dem Boden, die besten Youtuber feiern sich im August bei den Videos Days. Instagram wächst und wächst und wächst. Es gibt kaum bekannten Consumermarken, die nicht auf ausgewählte Influencer und deren verschiedene Social-Media-Kanäle setzen. Der Vorteil – so lesen wir regelmäßig – sei eine unabhängige Beurteilung von Produkten und Marken, die daher hohe Glaubwürdigkeit genießt.

Und nun sagt Mirko Kaminski, Chef der Agentur Achtung!: Marken sollten sich zum Medienhaus weiterentwickeln. Sie sollten ihre Influencer inhouse haben. Braucht es dann überhaupt noch Influencer und Influencer Agenturen? Und wie steht es mit der Glaubwürdigkeit?

Medienhaus werden?

Mal kurz nachdenken:  Die Forderung, ein Medienhaus zu werden, ist ja ganz hohe Schule. Denn Medienhaus werden bedeutet, neben seinem Kerngeschäft ein neues "Geschäft" aufzubauen. Und es gibt nur wenige Beispiele, die das geschafft haben. Media-Saturn wäre ein kleines Beispiel, Red Bull ein großes. Aber nicht einmal Marken wie Samsung haben es geschafft - obwohl sie eng mit vielen Influencern und Bloggern kooperieren und ihre große Produktpalette den Weg zum Medienhaus durchaus eben würde. Die Supermarktkette Rewe, die beim Thema Lebensmittel sicher einiges zu erzählen hätte, setzt ebenfalls lieber auf Kooperationen, z.B. mit kochbar.de statt selbst zum Medienhaus zu werden. Schließlich ist es günstiger, mit Portalen, die schon relevanten Content besitzen, anzubandeln als selbst eigenen Content zu entwickeln – wenn der bestehende Content genauso gut, wenn nicht sogar besser auf die Unternehmensziele – in diesem Fall  den Abverkauf von Lebensmitteln – einzahlt.

Die richtige Influencer-Strategie

Wer also überlegt, wie er Influencer in seine Firmenstrategie integriert, muss erst einmal darüber nachdenken, welche Ziele die Influencer-Bemühungen erfüllen sollen? Um den Brand zu pushen? Dann ist Red Bull ein Erfolgsbeispiel. Aber das funktioniert vor allem, weil die Marke eine klare Botschaft hat "…verleiht Flügel." Wie viele Unternehmen können denn so eine klare Aussage überhaupt treffen? Um den Abverkauf zu stärken? Da helfen Contentgeschichten wie das Media Magazin oder Tech-Nik. Kann man machen, muss man aber nicht.

Im Consumerbereich ist Mirko Kaminskis Idee daher nicht unbedingt vernünftig.  Anders im B2B-Bereich, der ja ganz stark von komplexen Gesprächen und oft langwierigen Verhandlungen geprägt ist. Hier könnte ein Firmengesicht, ein Presenter wie Mirko Kaminski es nennt, das Profil der Firma nach außen hin stärken. Doch diese Form des Marketings kostet Zeit, das lässt sich nicht mal so nebenbei machen. Und ein Medienhaus ist man dann noch lange nicht.

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