Hashtags | | von Stefanie Aßmann

Vielseitig einsetzbar: Hashtags in Social Media

Was ein Hashtag ist, braucht man der Twitter-Community nicht zu erklären. Die Schlagwörter zu einem bestimmten Thema, Event oder einem TV-Format in Kombination mit der „Raute“ # gehören bei der Nutzergruppe der Microblogging-Plattform bereits zum Inventar.

Ein Beispiel für den Einsatz von Hashtags bei Events zeigt das Barcamp in Düsseldorf, das vergangenes Wochenende zum ersten Mal stattgefunden hat. Wer nicht vor Ort dabei sein konnte, hatte die Möglichkeit die Inhalte mit Hilfe des Hashtags #BarcampDUS auch bequem von der heimischen Couch live mitzuverfolgen. Aber warum setzt man Hashtags bei Events überhaupt ein? Theoretisch besteht die Möglichkeit, allen Teilnehmern bei Twitter zu folgen und auf diese Weise die Tweets zur Veranstaltung nicht zu verpassen. Der Einsatz eines Hashtags macht die Bündelung der Inhalte, die auch einen Bezug zum Event haben, allerdings viel einfacher. Ein weiterer Vorteil ist, dass man auf diese Weise sehr leicht messen kann, wie viele Personen zum Event getwittert haben.


 
Der zeitgleiche Austausch zu einem bestimmten Thema ist vor einigen Jahren auf das Fernsehprogramm übergeschwappt. In Deutschland war der Tatort die erste Sendung, die parallel zur Ausstrahlung bei Twitter unter dem Hashtag #Tatort diskutiert worden ist. In Amerika längst Standard, finden auch bei deutschen Sendern immer öfters Hashtags den Weg in die verschiedenen Formate. Mittlerweile sind bei zahlreichen TV-Formaten Hashtags im Einsatz. Beim Tatort twittern neben dem Zuschauer u. a. auch Redakteure vom Spiegel oder Stern mit - und wir reden vom Phänomen Social TV.

Das Twittern zu Fernsehformaten ist mittlerweile so populär, dass sogar die Printmedien Inhalte aus Twitter aufgreifen und in einer etwas anderen Sendungskritik – nämlich der Twittritik (z.B. bei Zeit online zur Wetten-dass-Sendung) – aufgreifen.
 
Bei Fernsehformaten ist die Anzahl der Tweets auch um einiges höher, als beim Barcamp Düsseldorf. Die meisten Tweets werden dabei während der Sendung abgesetzt. In der Zeit vor und nach der Sendung ist es auf der Microblogging Plattform ziemlich ruhig. Das zeigt das Tweetaufkommen zu den Formaten "Wetten, dass" (orange), "Fashion Hero" (blau) und "Circus Halli Galli" (grün). Insgesamt beliefen sich die Erwähnungen von "Wetten, dass" auf 18.653, von Fashion Hero" auf 4.682 und von "Halli Galli" auf 12.319.


 
Bei der Darstellung und Auswertung der Inhalte arbeiten viele Sender sehr eng mit Twitter zusammen. Die Kommunikation zwischen Zuschauer und Sender bietet auch Twitter einen wichtigen Mehrwert: Die Microblogging-Plattform hat ein Geschäftsmodell gefunden.

Während sich also viele Zuschauer abends beim TV-Programm mit Hilfe von Hashtags austauschen und Twitter sich immer mehr als die relevante Plattform von Social TV positioniert, meldet sich nun auch Facebook zu Wort. Facebook war bisher immer eine Plattform, auf der sich Freunde in einem nicht öffentlichen Bereich austauschen können. Und es gab Fanpages, die einen Austausch mit Unternehmen oder eben auch Fernsehformaten ermöglicht haben.

Das soziale Netzwerk von Mark Zuckerberg hat im Juni 2013 schließlich ebenfalls Hashtags eingeführt und Twitter den Krieg im Bereich Social TV erklärt. Aktuell hält sich die Nutzung von Hashtags bei den Facebook-Nutzern in Grenzen. Sie ist auch (noch) nicht wirklich komfortabel, da die einzelnen Posts z.B. nicht chronologisch angezeigt werden. Bereits kurz nach der Einführung haben verschiedene Experten Hashtags bei Facebook deshalb für gescheitert erklärt. Aber ist es überhaupt möglich, die Nutzung eines Netzwerkes innerhalb so kurzer Zeit so radikal zu verändern? In einer Studie von aytm  wurden Facebook User zur Nutzung von Hashtags befragt. Nur sechs Prozent der Nutzer haben angeben, dass sie Hashtags regelmäßig einsetzen, 14 Prozent nutzen Hashtags zumindest gelegentlich. Interessant an der Studie sind allerdings vor allem zwei andere Aspekte:

Erstens: Nicht alle Nutzer, die Hashtags verwenden, suchen bei Facebook auch nach Hashtags.

Zweitens: 37 Prozent der Nutzer, die auch auf anderen sozialen Netzwerken vertreten sind, benutzen dort Hashtags. 27 Prozent suchen auf anderen Plattformen nach Hashtags.

Während bei der Twitter Community der Einsatz von Hashtags bereits eine Selbstverständlichkeit ist, bin ich bisher davon ausgegangen, dass sich die „normalen“ Facebook-Nutzer – der Mainstream, erst an die Hashtags gewöhnen müssen. Liegt die geringe Verwendung von Hashtags doch an Facebook und der Darstellungsform?

Zumindest die Optik der Postings ähnelt bei Facebook der Darstellung von Google+. Bei diesem Netzwerk sind Hashtags ebenfalls im Einsatz. Die Suchergebnisse werden hier aber viel übersichtlicher aufbereitet. Die Community bei Google+ kann man aber auch nicht mit Facebook vergleichen, außerdem liegen hier keine vergleichbaren Daten vor.

In den verschiedenen Fernsehsendungen werden Hashtags zudem derzeit meist nur in Kombination mit Twitter genannt. Während beim Tatort-Account auf Twitter fast in jedem Tweet das Hashtag genannt wird, findet er bei dem Profil auf Facebook nur sehr selten eine Erwähnung (siehe Bild links).
 
Aber auch ohne Einsatz von Hashtags wird auf Facebook parallel zum Programm diskutiert. Die Einführung der Hashtags war übrigens nicht die einzige Maßnahme von Facebook bei der Partizipation am Phänomen Social TV. Facebook hat im September angekündigt, die Fernsehsender mit weiteren Insights und einer Schnittstelle zu den Daten auszustatten. Den Fernsehsendern werden – ähnlich wie bei Twitter, sämtliche Beiträge der Nutzer zum Format zur Verfügung gestellt. Nicht öffentliche Beiträge von Nutzern werden anonymisiert in die Auswertung  einfließen. Durch diesen Service können die Sender nun genau ermitteln, wie viele und vor allem welche Zuschauergruppen sich auf Facebook zum Programm äußern und beteiligen. Und das ist mit Sicherheit nicht die letzte Neuerung von Facebook in diesem Bereich.

Zur finalen Episode von Breaking Bad wurden neben der Anzahl der Tweets (600.000 Twitter User haben 1,24 Millionen Tweets in einem Zeitraum von zehn Stunden abgesetzt) und die Aktivitäten auf Facebook (3 Millionen aktive User in einem Zeitraum von 24 Stunden) online kommuniziert. Während wir bei Twitter von Tweets und Retweets sprechen, zählen bei Facebook Likes, Kommentare, Shares und Statusmeldungen dazu. Die Daten der beiden Netzwerke gegenüber zu stellen macht also keinen Sinn.

Welchen Masterplan Facebook genau verfolgt, kann man nur vermuten. Auch wenn ich eher ein Sympathisant von Twitter bin, bei Facebook ist sicher auch zukünftig mit weiteren Überraschungen in diesem Bereich zu rechnen.

Falls Facebook es schafft, den eigenen Usern den Mehrwert von Hashtags zu vermitteln, könnte dieses Schlagwort – das bei der „Netzgemeinde“ so beliebt ist, den Sprung in den Mainstream schaffen. Bei den Diskussionen zum TV-Programm auf Twitter wird meist nur von einer nicht repräsentativen Nische gesprochen. Das könnte sich ändern, wenn wirklich ein Großteil der Facebook-Nutzer Hashtags adaptieren würde.

In Bezug auf die Studie wurde schon angesprochen, dass Hashtags auch in weiteren Netzwerken eingesetzt werden. Ein Beispiel ist hier Instagram, was ja auch zu Facebook gehört. Bei den meisten Bildern wird von den Nutzern ein Hashtag hinzugefügt.
 
Auf Instagram hilft der Hashtag bei der Durchführung von guten, gemeinschaftlichen und partizipatorischen Ideen. So rief zum Beispiel Fee-Jasmin Rompza auf ihrem Blog (http://www.feeistmeinname.de) zum kollektiven ABC-instagrammen auf: Jeden Tag Fotos zu einem Buchstaben des Alphabets. Im Oktober bereits zum zweiten Mal und aktuell mit über 22.000 Beiträgen - alle verbunden und leicht auffindbar durch den Hashtag #abcfee.

Aber auch Produkte von Unternehmen werden bei Instagram mit dem Namen der Firma vertaggt. Ritter Sport bündelt diese seit letzter Woche auch in einer App auf der eigenen Fanpage (siehe Bild oben).
 
Instagram selbst bietet bisher nur eine Suche nach Hashtags innerhalb der mobilen App und nicht in der Webansicht an. Letzteres bieten jedoch Drittanbieter wie Instaview. Neben dem Potential im Bereich Social TV würde sich bei Facebook eine bessere Integration der Bilder im Rahmen von Hashtags ebenfalls anbieten.

Der Einsatz von Hashtags bleibt also vielseitig, ob im Bereich Social TV begleitend zum Fernsehprogramm, als private Initiative von den Nutzern oder mit einem Corporate-Hintergrund von Unternehmen.

Stefanie Aßmann ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ab sofort ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreiten. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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