Meike Leopold, Start Talking, hat bei anderen Bloggern nachgefragt: "Brauche ich ein eigenes Blog oder nicht?"
Meike Leopold, Start Talking, hat bei anderen Bloggern nachgefragt: "Brauche ich ein eigenes Blog oder nicht?" © Foto:Dorothee Elfring

Meike Leopold | | von Meike Leopold

Social-Media-Bloggen ist wie ein One-Night-Stand

Ich bin Bloggerin mit Leib und Seele. In eine Blog-bezogene Sinnkrise komme ich nur, wenn mein Wordpress schlappmacht und ich vor dem Rechner verzweifle. Wenn Freddy, meine geliebte WP-Feuerwehr, nicht sofort zur Hilfe eilt. Und ich gefühlte Stunden "im Backend" rumschraube und "Widgets update", bis alles wieder flutscht.

Am liebsten würde ich dann fremdgehen. Kein Wunder! "Nimm mich", säuseln mir neuerdings alle möglichen publizistischen Verführer zu. Medium, Facebook Notes, Linkedin Pulse oder Tumblr machen mir schöne Augen. Ganz hingeben mag ich mich ihnen aber nicht. Gegessen wird schließlich zuhause! Was wird aus unseren schönen Blogs, wenn diese kinderleicht bedienbaren "Instant Blogs" "in einem Design mit dem Charme eines Hundekackbeutelautomaten" uns flachlegen?

30 Shades of Blogging

Wie groß ist die neue Versuchung wirklich? Frag doch einfach die anderen, dachte ich und startete die Blogparade "Erfolgreich bloggen ohne eigenes Blog?". Bei einer Blogparade gibt ein Blogger das Thema vor und alle, die Lust haben, schreiben einen Beitrag dazu. Rund 30 Autoren haben bei mir mitgemacht – größtenteils auf ihrem eigenen Blog, also aus der heimischen Deckung heraus. Ich bin begeistert!

Aber wie gewohnt waren die geäußerten Ansichten so vielfältig wie die Blogosphäre selbst. Wohl wissend, dass ich beinahe sträflich vereinfache, habe ich drei Fraktionen herauskristallisiert. Ich nenne sie mal: die Treuen, die Flirter und die Fremdgeher.

Die Treuen: Erst wenn ihr die letzte Webseite geschlossen habt

Knut Pankrath fühlt sich von den neuen Möglichkeiten keineswegs angemacht. "Blog oder Fremdplattform" hätten "etwas mit Bequemlichkeit" zu tun. "Würdet ihr die ebenfalls mühevolle Demokratie abschaffen, weil eine Diktatur so prima bequem ist? Nämlich Schnauze halten und alle schön im Gleichschritt Marsch?"

Ebenfalls spröde gibt sich Markus Pflugbeil: "Erst wenn ihr die letzte Webseite geschlossen habt, werdet ihr merken, dass Facebook nur euer bestes will: eure Inhalte." Seine düstere Prognose: "Außerdem könnt ihr natürlich bezahlen dafür, dass eure Inhalte in den Timelines angezeigt werden."

Die Flirter: Probieren ist okay, aber zuhause schmeckt's am besten!

Die Mehrheit der Blogparadisten gehört zur Flirter-Fraktion – man ist zwar verheiratet aber man darf ja noch Augen im Kopf haben. Etliche führen sehr nützliche Pro-und-Contra-Listen für bloggerische Seitensprünge oder bringen Praxisbeispiele (nicht was Sie jetzt denken!), zum Beispiel Harald Schirmer, Jörg Wassink oder Claudia Dieterle.

Fast alle plädieren für Mut zum Experimentieren mit dem "Social Media Blogging", wie Johannes Lenz es nennt und empfehlen wie Blog-Fan Tina Gallinaro die neuen Plattformen als Übungsfeld für Blog-Neulinge. Zu weit aus dem Fenster lehnen soll man sich allerdings auch nicht. Viele votieren klar für eine eigene Web-Präsenz als Zentrale der eigenen Online-Marke. Das sei für Unternehmen besonders wichtig.

Sven Lennartz rät: "Behalte die Kontrolle und baue dir deine eigenen vier Wände! Du brauchst ein Hauptquartier." "Wir können erfolgreich bloggen ohne Blog. Eine Basis für unsere Inhalte in eigener Verantwortung sollten wir darüber nicht vergessen", mahnt Doris Schuppe.

Beate Mader wagt gar einen romantischen Blick in die Sterne: "Das Blog/die Website ist die Sonne im Universum. Auf den verschiedenen Plattformen teile ich dann meine Texte mit einem Teaser, wie Sternschnuppen oder Trabanten. Ziehe aber immer wieder den Blick auf die Sonne."

Diese Sichtweise allein ist allerdings zu monogam, warnt Klaus Eck: "Wenn die Informationen auf den Social-Media-Plattformen nur noch in deren jeweiligem Umfeld wahrgenommen und die Links nicht mehr aktiv genutzt werden, müssen Content Marketiers darauf reagieren und sollten nicht darauf hoffen, irgendwie die Onliner auf ihre (Web-)Seite ziehen zu können." Es sei sinnvoll, dass "Corporate Blogger darauf achten, auch außerhalb ihres Business-Auftritts wahrgenommen zu werden".

Die Fremdgeher: Bloggen ohne Blog? Besser als nix!

Erich Schwarz findet das alles viel zu spießig. "Wir sind jung und publizieren!" ruft er auf Linkedin. "'Die Blogger' gibt es nicht mehr. Wir haben es uns in der eigenen Kommune gemütlich gemacht. Aber draußen gibt es noch manch andere und viele werden noch kommen. Dabei haben sie die gleiche Lust wie wir: Sie wollen sich mit ihren Inhalten mit anderen verknüpfen."

Auch Lars Hahn plädiert trotz aller Liebe zum Bloggen ganz offen für Freizügigkeit: "Falls Sie gelegentlich etwas im Web publizieren wollen, dann veröffentlichen Sie eben auf einer der mittlerweile etablierten Publishing-Plattformen. Bloggen ohne Blog. Bloggen für Nicht-Blogger. Besser als nix!"

Brauche ich ein eigenes Blog oder nicht? Diese Frage treibt Nicole Babic schon lange um. Nun findet sie auf Facebook eine Antwort: "Dieser Blogpost ist mein Kickoff zum 'Fremdbloggen'. Ob ich Erfolg haben werde, weiß ich nicht. Ich probiere es heute einfach aus!"

Mein Fazit: Für mehr als einen One-Night-Stand reicht es noch nicht

Bei so viel Offenherzigkeit kann ich's ja zugeben: Auch ich gehe beim Bloggen fremd – zumindest ab und zu. Es hat seine Reize. Und ich freue mich über die vielen Streicheleinheiten bei Linkedin. Aber angesichts meiner soliden Beziehung (zu meinem Blog) ist mir dieses "Quick and Dirty" Publizieren auf sozialen Netzwerken trotzdem nicht ganz geheuer.

Für den Moment halte ich es daher mit Sven: "Was ist das Bloggen bei Medium oder Facebook? Ich würde sagen ein Hotelzimmer. Es ist nichts für länger. Für den bloggerischen One-Night-Stand kann man sich das mal gönnen."

Meike Leopold ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Social-Media-Bloggen ist wie ein One-Night-Stand

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