Svenja Teichmann | | von Svenja Teichmann

Schluss mit der Social Media-Party

Zum Jahreswechsel gab es unzählige Artikel zu Trends, „the next big thing“, was sollte man für 2014 unbedingt auf dem Radar haben und - nicht zu vergessen - die wichtigen Top 10 bis Top 100-Listen „Köpfe, Tools, Kampagnen, whatever“.

Mal ehrlich: Weiß man bei der Vielfalt der Ideen noch, wohin die Reise geht und was man anpacken sollte? Nein, keine Idee? Ich hätte da eine: Holt die Social Media Party nach Hause! Und das heißt nicht, dass man seine Facebook-Seite abschalten soll.

Bei vielem, was ich lese, höre und beobachte stelle ich fest, dass zwar viele Unternehmen mittlerweile Social Media betreiben, es aber nicht begriffen haben.

Aktuell geht eine Ernüchterungswelle durch die Gemüter der Experten und Agentur-Chefs „Überleben in der Kommentar-Hölle: Marken im Social Web“.

Facebook ist eine wacklige Basis fürs Marketing

Es werden Facebook-Seiten betrieben, immer größere Summen in Kampagnen, Facebook-Werbung und 5-stufige Gewinnspiel-Apps gesteckt. Man investiert in eine Plattform ohne die Sicherheit, ob es diese morgen noch gibt. Man weiß nicht einmal, wie die Nutzerbedingungen genau sind, geschweige denn, wie sie sich entwickeln werden. Außerdem hat man keinen wirklichen Vertrag mit dem Plattform-Anbieter und ist von Funktion und Willkür zu 100 Prozent abhängig. Würden Firmen unter den eben genannten Bedingungen auch nur einen Cent Budget freigeben?

Dennoch gibt es irgendwo immer eine Führungskraft, die unbedingt 50.000 (Zahl je nach Branche bzw. Lieblingszahl einsetzen) Fans am Ende des Jahres haben möchte. Dafür ist Budget da, während sich mit Maßnahmen für langfristige Ziele oft schwer getan wird. Leider hat ihr niemand den Edge Rank erklärt und auch nicht, dass nur 10 Prozent der Fans die Beiträge überhaupt sehen. Wenn das Fan-Wachstum künstlich angekurbelt wurde, können es sogar noch weniger sein. Nein, alle sind happy und ganz groß dabei beim Thema Social Media. Dabei macht man nichts anderes als Kampagnen nun auch auf Social Media durchzuführen. Da spricht nichts gegen  - nur ist es eben lediglich eine Facette digitalen Marketings.

Worauf will ich hinaus? Es wird Zeit, dass wir den Social Media-Hype hinter uns lassen und anfangen, unsere Online-Aktivitäten strategisch sowie ganzheitlich zu betrachten.

Im Fokus der Betrachtung sollte die eigene Webseite/Shop/Plattform stehen. Nur dort findet die Conversion statt. Entweder in Form von Kauf, Anmeldung auf einem Kontaktformular oder aber, je nach Branche, die Vertiefung der Informationen für die zukünftige Kaufentscheidung. Je mehr Besucher meiner Zielgruppe auf der eigenen Webseite sind, desto höher die Chance der Conversion und letztendlich des Umsatzes. Dazwischen gibt es natürlich Ziele wie höhere Bekanntheit, besseres/innovatives Image, besserer Kundendialog zur Zufriedenheit etc. Ihr kennt das alles.

Was macht mich interessant?

Folglich sollte es mein Ziel als Marketeer sein, Maßnahmen zu initialisieren, um Interessenten/ Kunden für mich und mein Produkt/Dienstleistung zu interessieren. Das kann von Google Adwords, Email-Marketing über Social Media uvm. reichen. Die Frage, die ich mir stellen sollte, ist: Welcher Content ist relevant für meine Zielgruppe, damit ich sie damit erreiche und sie auf meine Webseite führe? Also all das, was das Thema Content-Marketing betrifft. Dabei spielt natürlich auch die Suchmaschinenoptimierung eine wichtige Rolle. Die Frage der Fragen „Wie komme ich auf die verdammte erste Seite bei Google?“ kann auch mit Content-Marketing und ebenfalls Social Media beantwortet werden.

Da sind wir auch beim Knackpunkt. Für das Thema Suchmaschinenoptimierung kann es  viel sinnvoller sein, Social Media Elemente wie z.B. Blog, Forum, oder Kundenservice-Plattform auf der eigenen Seite zu betreiben. Die Fragen sollten sein: welche spannenden Inhalte habe ich auf meiner Webseite? Wie kann ich über diese relevanten Themen über Social Elemente wie einen Blog oder Kundensupport in einem Forum in Interaktion mit meinen Kunden treten und wie nutze ich fremde Social Media Plattformen (Facebook, Twitter & Co.), um meine eigenen Kanäle bekannter zu machen?

Natürlich sind die Antworten auf solche Fragen nicht gerade günstig hinsichtlich monetärer und zeitlicher Ressourcen. Aber auch hier wird mir häufig zu kurz gedacht. Wenn ein immer noch steigender Anteil des Kaufinformationsprozess sowie des Kaufs selbst im Internet stattfindet, ist Google ein wichtiger Teil des ganzen Prozesses und alles, was mir nachhaltig hilft, weiter oben aufzutauchen, ohne dass ich Adwords buchen muss, sollte mich interessieren.

Facebook ist aufgrund seiner Größe und Reichweite natürlich ein wichtiger Teil des Ganzen und deshalb nicht unwichtig. Wer aber die Frage „Wie nutze ich Fans und deren Engagement für meine Ziele?“ nicht beantworten kann, benutzt Facebook nicht richtig. Erfolg ist also nicht der x-te-Facebook-Fan. Erfolg ist, wenn ich durch Facebook neue Zielgruppen erschließe oder die Reichweite meiner Webseite und damit die Bekanntheit meiner Marke erhöhe. Die Frage, die sich jeder beantworten sollte ist: Welche Rolle spielt Facebook im Marketing-Mix?

Es hapert am Basiswissen

Der eingeengte Social Media-Blick von Unternehmen mit „Beginner-Status“ führt dazu, dass hier Ressourcen in den Betrieb von Social Media-Profilen investiert werden, allerdings einige Basisanforderungen wie Webseite, Suchmaschinenoptimierung oder Email-Marketing nicht existent oder fünf bis zehn Jahre alt sind.

Was kann Social Media außer uns Reichweite zu bringen? Social Media macht nicht halt in Marketingabteilungen, sondern kann einen Veränderungsprozess in Unternehmen lostreten. Das bedeutet, intern transparenter und abteilungsübergreifend zusammenzuarbeiten – sogenannte Abteilungs-Silos einzureißen. Extern mit den Kunden kann es helfen, das Unternehmen näher an Kundenbedarf und –wunsch zu bringen. Ja, sogar Dialog auf Augenhöhe ist möglich. In der Produktentwicklung bietet es die Chance, Innovationen und time-to-market vorantreiben. Um nur einige Punkte zu nennen.

Spätestens jetzt sollte deutlich werden, wie umfangreich und weitreichend der Einsatz von Social Media sein kann und dass dazu Entscheider bis zur Geschäftsführung involviert werden müssen. Die Beobachtung der letzten Jahre zeigt: Je eher und weitreichender die Unternehmensführung bei Social Media involviert ist und es sogar vorantreibt, desto erfolgreicher ist der Nutzen für ein Unternehmen.

Svenja Teichmann ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ab sofort ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreiten. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Schluss mit der Social Media-Party

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