Schlechte Videos und miese Apple-PR
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Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Schlechte Videos und miese Apple-PR

Wer Geld im Netz verdienen will, sollte auf die Nische setzten. Wie beispielswiese das  Startup Jukin Media. Die Mitarbeiter der Firma suchen Restposten-Videos im Netz, die keiner sehen will und kaufen die Rechte daran. Dann werden die Kitsch-Videos auf den eigenen Kanälen gesendet – mit bis zu einer Milliarde Aufrufe. Sobald sie auch noch viral geteilt werden, klingelt die Kasse. Billig einkaufen, Werbeplätze teuer verkaufen, reich werden – warum nicht?

Werbeplätze verkaufen lautet ja auch die Strategie von Twitter. Genauer gesagt: mehr Werbeplätze verkaufen. Das Problem: User kehren Twitter den Rücken - binnen drei Monaten haben sich zwei Millionen Nutzer verabschiedet. Vermutlich ist ein Aktionismus a la "wir erhöhen auf 10.000 Zeichen" einfach nicht das Mittel der Wahl, um User zu halten. Denn der Kern der Marke lautet 140. Warum sich nicht in einer Nische positionieren und so wie bisher die Möglichkeit bieten, Marketern, Politikern oder Stars und Sternchen in Echtzeit zu folgen? Denn Nischen leben länger und punkten mit spitzeren Zielgruppen (z.B. Entscheider und Influencer, die wissen wollen, was andere Influencer denken). Und dann geht auch die Rechnung mit mehr Werbung auf. Mit Pre-Roll-Werbung und Conversational Ads hat Twitter das jetzt schon gezeigt. Aus der Not eine Tugend machen nennt man das wohl umgangssprachlich.

Apple hat genau das versemmelt – Stichwort Super Bowl. Erkenntnis: Apple kann kein Social Media. Der Dialog mit Apple geht nur in eine Richtung – von Apple zu seinen Jüngern. Und die müssen glauben. Und wenn etwas nicht so ist, wie es der perfekte Konzern duldet, wird es schön geredet oder aus dem Netz gelöscht – wie das verwackelte Super-Bowl-Bild von Tim Cook. Aber ist so ein Gebaren wie ein Sultan noch zeitgemäß?

Ach ja, zeitgemäß... MySpace, 2007 noch größtes Social Network der Welt, ist jetzt nur noch die Mail-Adressen seiner Nutzer wert. Ok, das sind immerhin noch 50 Millionen Nutzer (wie viele Kunden zählt Apple?), deren Daten sich Time Inc. mit dem Kauf der Viant (ehemals Specific Media) und seiner Advertising Cloud als Zugabe gesichert hat. Da stellt sich die Frage: Welchen Wert hat ein Unternehmen? Kann man wirklich in User-Daten rechnen? Oder muss man einen guten Ruf in den Unternehmenswert mit hineinmultiplizieren? Restposten- und Looser-Videos beweisen: Ein guter Ruf hilft, ist aber nicht zwingend.

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