Mehr Geld soll Autorenschwund bei Wikipedia stoppen
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Wikimedia Foundation | | von Annette Mattgey

Mehr Geld soll Autorenschwund bei Wikipedia stoppen

Kaum eine Website ist weltweit so beliebt: 492 Millionen Nutzer schlugen im Mai das Internet-Lexikon Wikipedia auf. Ein Defizit hat Wikipedia jedoch: Es fehlen Autoren. Es sei die «wichtigste strategische Aufgabe, diesen Trend umzukehren», erklärt der Trägerverein, die Wikimedia Foundation, nun in ihrem Jahresbericht. Um das zu beheben, will die US-Stiftung jetzt richtig Geld in die Hand nehmen, schreibt Christof Kerkmann (dpa). Die Belegschaft soll im laufenden Geschäftsjahr deutlich von 119 auf 174 Mitarbeiter wachsen. Die Ausgaben steigen von 27,2 auf 42,1 Millionen Dollar. Gleichzeitig will das spendenbasierte Projekt seine Einnahmen aber auch um ein Drittel auf 46,1 Millionen Dollar steigern.

Das globale Nachschlagewerk, einst von  Jimmy Wales gegründet, beeindruckt mit seinen aktuellen Zahlen: Im Mai verzeichneten die Seiten der verschiedenen Wikimedia-Projekte 18,1 Milliarden Seitenaufrufe von 492 Millionen Nutzern. Die Zahl der Autoren, die mindestens fünf Mal im Monat aktiv waren, sank dagegen weltweit auf rund 85 000, in Deutschland auf knapp 5000. Sie haben eine  Riesenaufgabe. 22,3 Millionen Artikel in den verschiedenen Wikipedia-Ausgaben wollen aktualisiert, erweitert, bebildert und vor Vandalen geschützt werden. Nicht zu reden von den neuen Texten. Das Ziel, bis 2015 sogar 200 000 Stamm-Mitarbeiter zu aktivieren, liegt in weiter Ferne. Der Wikimedia-Stiftung ist das Problem hinlänglich bekannt, das zeigt der Jahresbericht. Und sie hat mehrere Projekte begonnen, die den Schwund aufhalten sollen. Die Umsetzung dauert allerdings.

Problem Nummer 1: die Technik. Wer einen Artikel anlegen oder bearbeiten will, kann nicht einfach ein Button anklicken und loslegen. Denn die Texte sind in einer Syntax geschrieben, die sich zwar auch ohne Informatik-Studium leicht erlernen lässt, aber viele neue Nutzer abschreckt. Deswegen arbeitet die Wikimedia-Stiftung an einem sogenannten «Visual Editor», also einem Bearbeitungsprogramm, das sich so leicht bedienen lassen soll wie eine herkömmliche Textverarbeitung. Das Prinzip lautet: WYSIWYG (What you see is what you get). Allerdings hinkt Wikimedia dem ursprünglichen Zeitplan hinterher; erst kürzlich stellte die Stiftung  einen Prototypen vor, bis zu einer breiten Einführung dürften noch viele Monate vergehen.

Problem Nummer 2: der Mangel an Vielfalt. Nur knapp 10 Prozent der Mitarbeiter sind weiblich. Und Mitarbeiter aus dem «Süden der Welt» seien ebenfalls unterrepräsentiert, mahnt die Wikimedia-Stiftung. Die Geschlechterkluft will sie indirekt verkleinern, indem sie Schulungen anbietet, in denen mindestens 50 Prozent der Teilnehmer Frauen sind. Und in einigen Entwicklungs- und Schwellenländern kooperiert sie mit Mobilfunk-Anbietern, um Handy-Nutzern einen kostenlosen Zugang zum Lexikon zu ermöglichen («Wikipedia Zero»).

Problem Nummer 3: Das Internet wird mobiler, Wikipedia ist aber auf die Nutzung am PC ausgelegt. Die mobile Website ist mittlerweile überarbeitet worden, zudem gibt es Smartphone-Apps. Künftig sollen Nutzer mit dem mobilen Gerät leichter Fotos hochladen und auf dem Mini-Bildschirm Aufgaben erledigen können.

am/dpa

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