Christina Hütten | | von Christina Hütten

LeFloid vs. Merkel: Was jetzt daraus folgen muss

Der erfolgreiche Youtuber LeFloid hat die Bundeskanzlerin Angela Merkel interviewt. Sein Video dazu wurde innerhalb von 15 Stunden 926.000-mal gesehen.

Unter dem Hashtag #NetzfragtMerkel wurden im Vorfeld Fragen gesammelt, die Florian Mundt (LeFloid) der Kanzlerin stellen soll. Am Ende ging es um Themen wie das Freihandelsabkommen, der Einfluss persönlicher Befindlichkeiten auf politische Entscheidung, eingetragene Partnerschaften und darum, was ein gutes Leben ausmacht.

Der Hauptkritikpunkt der klassischen Medien am Interview und seinem Verlauf scheint zu sein, dass LeFloid keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse liefern konnte und nur Standardantworten bekommen hat. Investigativ war es keine Meisterleistung. Das war allerdings auch nicht anders zu erwarten, wie BR-Journalist Marcus Schuler in seiner Analyse festhält. Dem stimme ich zwar durchaus zu, möchte allerdings zu bedenken geben, dass das auch in anderen Interviews von Journalisten nicht der Fall ist. Keiner hätte bei einem 30 Minuten Interview die Bundeskanzlerin derart in die Enge treiben können, dass sie sich dazu hätte hinreißen lassen, irgendwelche nicht vorher durchdachten Äußerungen abzugeben.

Natürlich ist es einfach, gegen den Youtuber zu wettern. Er trägt legere Kleidung und Kappe, rutscht etwas nervös auf dem Stuhl herum. Das ist sicher nicht das Bild, das ein erfahrener Journalist abgeben würde. Allerdings geht es nicht darum, wie die Generation Ü40 das Interview bewertet. Es geht darum, das Thema Politik überhaupt erst wieder in den Lebensalltag der Jugendlichen zu bringen. Und das hat LeFloid ohne Frage geschafft. Und genau da liegt auch gleichzeitig wieder das Problem der ewigen Rivalität zwischen Klassik und Digital. Die althergebrachten Regeln der journalistischen Schule lassen sich auf Formate wie Youtube nicht anwenden. Das beginnt schon bei der Sprache. Komplexe Sachverhalte müssen auf einfache Beispiele reduziert werden, um die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu behalten. Auch interessieren die jungen Wähler ganz andere Themen, als die aktuellen Parteispitzen vermuten.

Es braucht neue Ansätze, neue Umgangsformen. Das ist nicht unbedingt einfach, besonders wenn man schon seit 20 Jahren das gleiche tut. Andererseits hat aber dieses Verhalten genau dahin geführt, wo wir jetzt stehen. Viele junge Menschen interessieren sich nicht für Nachrichten und Politik. Sie fühlen sich nicht abgeholt. Sie brauchen jemanden, der die komplexen Sachverhalte in ihren Alltag bringt.

Genau diese neue Art des Umgang mit den Medien verursacht anscheinend viel Unverständnis, dass teilweise sogar in Respektlosigkeit ausufert. Dabei wäre es im Grunde recht einfach, sich auf neue Formate einzulassen. Sicher erfordert das Initiative und unter Umständen auch durchaus Mut, aber es kann sich lohnen.

Der erste und wichtigste Schritt ist, sich anzuschauen, wo man die Menschen findet, die man erreichen möchte. Egal wie gut und spannend der eigene Content ist, er wird nicht wahrgenommen, wenn er sich auf Plattformen abspielt, die nicht von der Zielgruppe genutzt werden.

Die oberste Regel: Der Content muss zum User, nicht umgekehrt. Wenn du es baust, werden sie kommen - mag für Baseball-Plätze in Kornfeldern gelten, aber nicht für Beiträge und Interviews. Des weiteren muss die Ansprache überdacht werden. Niemand verlangt, dass klassische Medien plötzlich anfangen, den Duden für Jugendsprache zu nutzen. Dennoch sollten Themen zielgruppengerecht verpackt sein. Dazu gehören nicht nur Beispiele aus dem Alltag der Jugendlichen, sondern auch die richtigen Umgangsformen.

LeFloid ist kein Journalist. Das hat er nie behauptet und hat auch nie diesen Anspruch geäußert. Er springt nur als Sprachrohr zwischen Jugend und Bundesregierung ein und übernimmt die extrem schwere Rolle, die Interessen und Fragen seiner Zielgruppe bei der Kanzlerin zu platzieren. Das es hierbei keine bahnbrechenden Erkenntnisse geben kann, ist eigentlich klar. Es geht um etwas ganz anderes und viel bedeutenderes: Den Sorgen und Fragen der Jugend eine Plattform zu geben. Damit erreicht er das, was den Medien schon seit Jahren nicht mehr gelingt.

Alles in allem hat Florian einen guten Job gemacht. Es war ein ehrliches und offenes Interview, bei dem sich beide Seiten Mühe gegeben haben. Er ist der Kanzlerin respektvoll begegnet, hat bei einigen Antworten nachgehakt und ein ausgeglichenes Gespräch mit ihr geführt. Frau Merkel wiederum hat versucht, sich in dem für die Bundesregierung doch relativ neuen Umfeld von Youtube und digitalen Medien zurechtzufinden. Es liegt sicher noch einige Arbeit vor beiden Seiten, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, aber ein erster Schritt ist getan.

Christina Hütten ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.  

 

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