Klaus Eck über Social-Media-Angst: "In Deutschland traut man sich ja gar nichts zu sagen"
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Interview | | von Linda Ross

Klaus Eck über Social-Media-Angst: "In Deutschland traut man sich ja gar nichts zu sagen"

Nur etwa ein Drittel der Deutschen nutzen soziale Netzwerke, belegt eine Studie. Im internationalem Vergleich ist das eine ziemlich schwache Quote. LEAD Digital hat bei Social-Media-Guru Klaus Eck nachgefragt, warum die Deutschen im Web immer noch so zurückhaltend sind.

Warum nutzt immer noch nur die Minderheit der Deutschen soziale Netzwerke?

Sie haben einfach pure Angst. In Deutschland frägt man sich immer "was kann ich falsch machen, wie kann ich mich am besten zurücknehmen“. Aus diesem Grund neigt man nicht dazu, sich in die Arme der Datenkraken der Welt zu werfen, sondern man sagt sich "dann mach ich lieber gar nichts, bevor ich etwas falsch machen kann“. In anderen Ländern steht "Just do it“ im Vordergrund, das heißt, die Menschen probieren es einfach mal aus. Das ist der amerikanische Way-of-Life. Das funktioniert aber auch in anderen Ländern ganz gut. Auch in Russland, Indien und China sind Netzwerke mehr verbreitet als bei uns. Gerade in China ist das verwunderlich, weil da geht es stark darum sein Gesicht zu wahren. Die Chinesen haben eine noch begrenztere Kommunikation als wir hierzulande: Sie sagen nicht "ja“, sie sagen nicht "nein“, die sagen "jein“. Aber in Deutschland traut man sich ja gar nichts zu sagen.

Also der Mut fehlt?

Ja. Das können Sie auch ablesen an der prozentualen Zahl der Selbstständigen, die es in Deutschland gibt. Hier zeigt sich auch ganz deutlich, dass wir hierzulande weniger Menschen haben, die sich selbstständig machen und mehr Beamte. Das liegt einfach daran, dass es in Deutschland ein Kultur des "Sich Nicht Trauens“ gibt. Ich glaube, wir sind in Deutschland gut, wenn es um Expertise geht und darum sich in etwas tief rein zuarbeiten kann. Aber wir sind halt relativ schlecht im Verkaufen unserer Produkte und Leidenschaften. Wir haben viele gute Produkte, aber wir reden nicht darüber. Und wer online nicht darüber redet, der findet nicht statt. Und wenn ich als Person nicht in diese sozialen Netzwerke reingehe, dann kann ich halt auch nicht für mich als Person oder Unternehmen werben und das macht sich dann in diesen Statistiken bemerkbar.

Hinzu kommt noch: In Deutschland gibt es diesen Satz "Spiel Dich nicht in den Vordergrund“. Den haben leider sehr viele Menschen beherzigt und das führt dazu, dass jetzt keiner in soziale Netzwerke rein will. In anderen Ländern heißt es hingegen, präsentiere Dich gut. Das ist eben eine kulturelle Frage. Ich glaube, aber da bewegt sich etwas, gerade bei den Jüngeren. Da bin ich zuversichtlich.

Spielt denn auch der Faktor mit rein, dass Deutschland eher eine überalterte Gesellschaft ist?

Nein, das glaube ich nicht. Denn die chinesische Gesellschaft ist ja zum Beispiel auch keine junge Gesellschaft. Aufgrund der Ein-Kind-Politik sind sie ja ähnlich wie Deutschland aufgestellt. Und trotzdem haben sie prozentual eine höhere Bereitschaft in soziale Netzwerke hineinzugehen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass in Russland oder Indien oder China Social Media generell eine andere Rolle spielt, weil da auch Medieninhalte wichtig sind. Es gibt dort die freien Medien eher in sozialen Netzwerken als außerhalb. Und das führt, glaube ich, auch zu einer höheren Bereitschaft, dort aktiv zu sein. Während wir hierzulande, auch im Vergleich zu Amerika, eine sehr ausdifferenzierte Medienlandschaft haben.

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