Nina Diercks | | von Nina Diercks

Heftig.co: Warum die Geschäftsführer Kopf und Kragen riskieren

Heftig.co. Geliebt. Gehypt. Geneidet. Gehasst. So ungefähr lässt sich der Erfolg der Seite wohl beschreiben,  die mit Headlines à la "Ein Mann hat 7 Tage lang den Himmel auf Teneriffa gefilmt. Was er sah, nimmt Dir den Atem" auf das Klickvieh da draußen (also uns alle) abzielt. Zu den total heißen Inhalten (latente Ironie mag hier vorhanden sein) kam noch eine Prise "Geheimnis", denn niemand wusste, wer hinter der Plattform stand, und - voilà – fertig war das Erfolgsrezept für beinahe 800.000 Facebook-Fans sowie Klickzahlen, von denen andere Seiten-Manager wohl nur träumen.  

Die Macher von heftig.co würden es vermutlich so ausdrücken: Du glaubst nicht, was für eine super einfache Idee wir hatten und jetzt verdienen wir damit sogar Geld!

Und tatsächlich, die Idee ist einfach. Man klaube sich allmöglichen Content aus dem Netz zusammen, lade ihn neu hoch oder embedde ihn jedenfalls, versehe diesen Inhalt mit Überschriften wie oben dargetan, pushe ihn über soziale Netzwerke und vertraue darauf, dass die Crowd auch auf die bescheuertste Headline klicken wird. Dann schalte Werbung. Google Ads tun es auch. Denn wer auf die Headlines klickt, der klickt auch auf Werbung.

Ob eine solche Geschäfts-Idee aber auch einfach gut ist? Nun, das kommt wohl darauf an… wie hartgesotten man als Geschäftsführer ist. Aber im Einzelnen:

Die urheberrechtliche Seit von heftig.co

Die PR-Agentur von heftig.co behauptet in ihrer Stellungnahme zu einer Anfrage der Rhein-Zeitung, wie es die Macher von heftig.co denn mit dem Urheberrecht hielten, an den auf heftig.co gestellten Inhalten bestehe wohl kaum ein urheberrechtliches Verwertungsinteresse, da die Inhalte sonst von den Rechteinhaber mit Disclaimern oder digitalen Wasserzeichen gekennzeichnet wären. Aha. Darüber hinaus sei heftig.co gar kein journalistisches Angebot, da gälten andere Spielregeln. So, so.

Ich will es hier nicht allen Einzelheiten aufdröseln, aber die Stellungnahme von heftic.co ist natürlich juristisch betrachtet schlichtweg Unsinn. Zunächst einmal ist es völlig gleichgültig, ob ein journalistisches Angebot vorliegt oder nicht. Das Urheberrecht gilt für jeden Rechteinhaber gegen jeden Rechtsverletzer – ob Journalist mit journalistisches Angebot oder Unternehmen mit Werbeanzeige. Ob Inhalte – wie etwa dieser Text hier bei Lead digital – urheberrechtlich geschützt sind, liegt einzig und allein daran, ob es sich um persönlich geistige Schöpfung mit hinreichender Schöpfungshöhe handelt (ist dieser Text nach dem Urheberrecht – egal ob Sie ihn gut finden oder nicht ;-) ) und nicht daran, ob ein Wasserzeichen oder ein sonstiger Schutzmechanismus hinterlegt ist.

Weiter könnte man bei diesem Text konkret noch überlegen, ob der Verlag ein sogenanntes einfaches Nutzungsrecht eingeräumt bekommen hat und damit, ob die Autorin weiterhin gefragt werden muss, wenn der Text kopiert werden soll oder aber ob nicht die ausschließlichen Nutzungsrechte an den Verlag übertragen wurden und damit ausschließlich der Verlag zu befragen wäre.

Fragen müssten Sie aber, wenn Sie den Text verwenden wollen würden. Entweder mich als Autorin oder den Verlag. Ich als Urheber oder der Verlag als exklusiver Nutzungsrechteinhaber könnten dann darüber bestimmen, was, wie, wann und wo mit dem Text passieren können sollte.

Das Urheberrecht ist nämlich ein Bestimmerrecht. Und wer das mit dem Urheberrecht ganz genau wissen möchte, der möge doch bitte einen Blick in meinen Blog in den Artikel "Was soll eigentlich dieses Urheberrecht Teil 3 – Dieses Mal mit dabei: heftig.co und die Grundlagen des Urheberrechts" werfen.

Fakt ist, würde keiner (oder der oder die Falsche) gefragt, so könnte der Urheber (bzw. Rechteinhaber) gegen die Verwendung des Textes vorgehen. Der Urheber oder Rechteinhaber könnte eine hübsche kleine Abmahnung versenden, Unterlassung sowie Erstattung der Rechtsverfolgungskosten nebst Schadensersatz verlangen.

Da gibt es auch nichts zu einigen. Oder großzügig anzubieten, der Betroffene könne sich melden und dann werde man das schon regeln. Der Rechtsverletzte muss sich gar nicht melden und bitten. Der Rechtsverletzte darf einfach sein Recht verteidigen.    

Ja, ja, so jetzt der Einwand vom einen oder anderen Leser, da werden dann eben Rückstellungen für Abmahn-, Anwalts- und gegebenenfalls Gerichtskosten gebildet und die Geschäftsführer solcher Unternehmen reiben sich dennoch die Hände und stecken sich die Taschen voll Geld.

Die Risiken des Geschäftsmodells & die Haftung der Geschäftsführer

Zugegeben, das kann man so sehen. Hätte man mich um die Prüfung dieses Geschäftsmodells auf seine rechtlichen Fallstricke hin gebeten, so wäre die Antwort aber noch weiter gegangen. Denn neben den oben genannten notwendigen Rückstellungen sollte auch das Folgende bedacht werden:

Zum einen können die Forderungen nicht nur das betreibende Unternehmen, sondern auch die Geschäftsführer direkt treffen. Unternehmen hin oder her. Und sogar GmbH hin oder her. Denn Geschäftsführer haben ihr Geschäft mit der erforderlichen Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns zu führen. Tun sie das nicht, können - neben dem Unternehmen  - die Geschäftsführer auch persönlich in die Haftung genommen werden. Ob ein Geschäft mit der ordentlichen Sorgfalt eines Kaufmanns geführt wird, wenn das Geschäftsmodell daraus besteht, fortlaufend Urheberrechtsverletzungen wenigstens billigend in Kauf zu nehmen, kann wohl bezweifelt werden.

Des Weiteren ist die "Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke" ein Straftatbestand. Zuwiderhandlungen werden mit bis zu drei Jahren Haft oder Geldstrafe geahndet. Es ist zwar nur ein relatives Antragsdelikt, d.h. entweder muss ein Rechtsverletzter Strafantrag stellen oder die Strafverfolgungsbehörden müssen ein besonders öffentliches Interesse erkennen, aber es gibt noch die "Gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung". Da geht das Strafmaß bis auf fünf Jahre hoch. Weiter handelt es sich nicht mehr um ein Antragsdelikt. Und dass das systematische Kopieren und Verbreiten urheberrechtlich geschützter Inhalte Dritte, jedenfalls dann gewerbsmäßig im Sinne des § 108a UhrG ist, wenn man über die Click-Boosts Werbeerlöse generiert, darf wohl getrost mal angenommen werden.

Ich hätte also bei der rechtlichen Prüfung des Geschäftsvorhabens deutlich darauf hingewiesen, dass neben der Haftung des Unternehmens für Urheberrechtverletzung auch eine persönlichen Haftung der Gesellschafter für zivilrechtliche Ansprüche und darüber hinaus durchaus eine Strafbarkeit wegen der gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken im Raum stehen kann. Und dass ich ein derartiges Geschäftsmodell aus juristischer Sicht nicht empfehlen kann.

Fazit

Damit sind wir beim Eingangssatz dieses Textes, es kommt eben bei einem solchen Geschäftsmodell ein wenig darauf an, wie "hartgesotten" man als Geschäftsführer ist und ob man die im Raum schwebenden möglichen Konsequenzen gerne über sich schweben haben kann und/oder ob man diesen mit der Aussicht auf gehörigen wirtschaftlichen Erfolg gut ins Auge sehen kann.

Der Satz "Dann bildet man eben eine Rückstellung" wie ich ihn in so manchem Kommentar zu der heftig.co Geschichte lesen konnte, genügt hier zur Risikominimierung jedenfalls nicht. 

In diesem Sinne,

ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass die betreibende GmbH nebst Geschäftsführern lange nicht im Impressum von heftig.co benannt wurde.

Mehr zum Thema im Social Media Recht Blog:

"Was soll eigentlich dieses Urheberrecht Teil 3 – Dieses Mal mit dabei: heftig.co und die Grundlagen des Urheberrechts"

Nina Diercks ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Heftig.co: Warum die Geschäftsführer Kopf und Kragen riskieren

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