Irmela Schwab, Autorin bei LEAD digital, blickt auf die Woche zurück.
Irmela Schwab, Autorin bei LEAD digital, blickt auf die Woche zurück. © Foto:W&V

Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Gewissensfrage: Ist Kopieren böse - oder überlebensnotwendig?

These german copycats! In den USA wurde viel und hitzig über solche gelästert, die ein Geschäftsmodell aus den USA einfach kopieren. Die Liste ist lang, besonders die Samwer-Brüder tun sich da - etwas unrühmlich - hervor: Rocket-Internet-CEO Oliver Samwer wird von Inc.com als “king of copycat”, bezeichnet. Seine Antwort auf Ebay war Alando, das deutsche Groupon hieß City Deal. Und dann war da StudiVZ, gegründet von Ehssan Dariani und Dennis Bemmann: Facebook verklagte das Studenten-Netzwerk im Juli 2008. Der Grund: Es war Facebook beinahe zum Verwechseln ähnlich geworden.

Ein scheinheiliger Kampf: Denn heute fordert Facebook-Chef Marc Zuckerberg seine Mitarbeiter laut einem Bericht im "Wall Street Journal" frei heraus dazu auf, zu kopieren. Mit Strategie. Und was das Zeug hält. Houseparty ist ein jüngstes Beispiel dafür. Von Ben Rubin 2014 als Meerkat gelauncht, und gemeinsam mit Sima Sistani neu aufgesetzt, ist das Live-Streaming-Video-Portal recht erfolgreich. Positioniert wurde es als “Wohnzimmer des Internets”, was eine heimelige private Atmosphäre erzeugt. 

Facebook hat die Entwicklung akribisch beobachtet. Wie man sich erzählt gibt es ein internes “Early Bird”-Warnsystem, das solche Trends und Tendenzen verfolgt. Und zuschlägt, wenn´s interessant wird. Schließlich hat Facebook einiges zu verlieren: Wer weiß, ob sich die gut zwei Milliarden Mitglieder nicht irgendwann dorthin bewegen, wo sie anderes als das bisher Gewohnte erleben können? Die Antwort auf Houseparty lautet daher: Bonfire, zu deutsch: Lagerfeuer. Es soll das “virtuelle Wohnzimmer” sein.  

Laut WSJ soll Zuckerbergs Maxime nun lauten: Sei nicht zu stolz zu kopieren. Jeder Mitarbeiter soll quasi alles dafür tun, um den User zufrieden zu stellen. Da beißen sich natürlich zwei Ziele: Der Wunsch zu reüssieren und dem User zu dienen, und der Wunsch unique und originär zu sein.

Die aktuelle Diskussion um die Übermacht der GAFAs macht das Thema brisanter denn je. Müssen wir die Portale von Google, Facebook & Co. akzeptieren? Teile davon kopieren? In diese Richtung gehen zumindest die Daten- und Log-in-Allianzen von Axel Springer, Allianz, Daimler und Deutsche Bank sowie Pro Sieben Sat 1, RTL-Gruppe, United Internet und Zalando. 

Fazit: Alles kann man nicht allein erfinden. Manches muss man lernen, sich abgucken, übernehmen. Denn die eigenen Interessen kommen immer zuerst. In Schönheit sterben? Ist vielleicht nett anzusehen und sorgt für einen gewissen Respekt. Doch letztlich hat man selbst nichts davon.

Gewissensfrage: Ist Kopieren böse - oder überlebensnotwendig?

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