Fankauf: Warum "falsche Freunde" mehr kosten als nutzen
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Nina Diercks | | von Nina Diercks

Fankauf: Warum "falsche Freunde" mehr kosten als nutzen

Wir bauen unsere Facebook-Reichweite durch Fan- und Interaktionskäufe aus! – Warum das auch unter rechtlichen Gesichtspunkten nur eine bedingt gute Idee ist.

Circa 1,39 Milliarden Menschen weltweit nutzen Facebook, davon  beträgt die Anzahl der aktiven Nutzer in Deutschland ca. 28 Millionen.

In Anbetracht dieser Zahlen hat mittlerweile eine Vielzahl von Unternehmen erkannt, dass soziale Medien wie beispielsweise Facebook eine kostengünstige Werbe- und Marketingplattform darstellen können und hat dementsprechend eigene Seiten erstellt.

Aber was tun, wenn auf diesem Profil dann ungefähr so viel passiert wie auf der Baustelle der Elbphilharmonie, und auch gerade kein größeres Budget für einen Social Media Manager oder wenigstens eine Gewinnspielkampagne vorhanden ist, um Facebook-User dazu zu bewegen, den "Gefällt-mir"- Button zu drücken, sonst zu interagieren oder gar das Profil mit den Freunden zu teilen?

Am besten "facebook li" bei Google eingeben und per Autocomplete zu "likes kaufen" vervollständigen lassen und sodann auf Enter drücken. Im Anschluss einfach bei einem der Schnäppchen von den dann vorgeschlagenen Seiten zuzugreifen. Denn wer kann zu 1000 internationalen Facebook-Fans für unter 10 EUR schon nein sagen? Dies erhöht die Reichweite, steigert den Marktwert, die Beliebtheit,  et cetera, et cetera.

Das mag jedenfalls immer noch der eine oder andere  geneigte Unternehmer denken. Auf den ersten Blick erscheint dies auch zu verlockend: Klick – mehr Reichweite – Klick – mehr Aufmerksamkeit – Klick – mehr Absatz.

Darf ein Unternehmen mit gekauften Likes und Facebook-Fans werben?

Sollte ein Unternehmen mit dem Gedanken spielen, eine beeindruckende Anzahl an Facebook-Freunden aus allen Teilen der Welt zu erwerben, um Aufmerksamkeit, Vertrauen und Interesse zu generieren, sollte es sich von diesem Gedanken aber besser gleich wieder verabschieden.

Aus rechtlicher Sicht ist der Fan-Kauf bedenklich

Erst Mitte letzten Jahres entschied das Landgericht Stuttgart (Az. 37 O 34/14) nach Abmahnung durch einen Konkurrenten, dass ein Unternehmen nicht mit zugekauften Fans bzw. "Gefällt-mir"- Angaben werben darf. Dieses Unternehmen hatte in kürzester Zeit Likes im fünfstelligen Bereich erhalten, jedoch größtenteils aus Asien und Südamerika, wohin keinerlei Geschäftsbeziehungen bestanden. Das Gericht sah dies als eine irreführende geschäftliche Handlung an, da die Likes auf ein Gefallen am Produkt bzw. des Unternehmens schließen lassen, das tatsächlich nicht vorliegt.

Natürlich könnte ein Unternehmen sich in Kenntnis dieser Entscheidung dazu entschließen, auf gekaufte deutsche Fans zurückzugreifen, denn eine solche Auswahl ist bei einigen Anbietern ebenfalls möglich. Jedoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass auch hier der unnatürliche, kurzfristige Anstieg von Likes zu einer Abmahnung durch die Konkurrenz führen kann. Schließlich täuschen auch diese Fans im Ergebnis einen Gefallen am Unternehmen vor, so dass ein Gericht auch hier kaum zu einer anderen Beurteilung hinsichtlich der unlauteren geschäftlichen Handlung im Sinne des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) käme. Dies wiederum bedeutet, dass sich das einkaufende Unternehmen einem mit der Abmahnung geltend gemachten Unterlassungsanspruch sowie jedenfalls der Kostenerstattung des gegnerischen Rechtsanwalts und gegebenenfalls Schadensersatzansprüchen ausgesetzt sieht. Letzteres ist zugegebenermaßen außerordentlich selten, da ein konkreter Schaden kaum nachzuweisen ist.

Es wird (relativ) teuer

Doch auch wenn kein Schadensersatz geltend gemacht wird: Die Streitwerte in Wettbewerbssachen zeigen schnell nach oben. Streitwerte unter 10.000,00 EUR sind äußerst selten. Und nach dem sogenannten Streitwert berechnen sich die Kosten der Anwälte und damit – wenn man so will – die Kosten der Abmahnung. D.h.  für so ein bisschen Fan-Kauf, der dann zu einer Abmahnung führt, wäre dann bei einem Streitwert von 10.000,00 EUR knapp 1.800,00 EUR für den fremden Anwalt (der die Abmahnung geschrieben hat) und dann noch einmal für den eigenen Anwalt im außergerichtlichen Verfahren zu berappen. Sollte es zum Prozess kommen, liegt das Prozesskostenrisiko in der ersten Instanz bei ungefähr 4.500,00 EUR.  

Abgesehen von dem Stress, den so eine Abmahnung in der Regel im Unternehmen verursacht (und damit wieder Ressourcen bindet), wäre es im Ergebnis wohl doch günstiger in organische Reichweite zu investieren. (Okay, seien wir ehrlich: In Facebook-Ads ;-) )

Schon aus wettbewerbsrechtlicher Sicht lohnt sich dieser Schachzug also nicht.

Und selbst wenn, wird der Zweck überhaupt erfüllt?

Aber auch in tatsächlicher Hinsicht bringt der Ankauf von Facebook-Fans für das Unternehmen wenig. So sollen Likes doch primär dazu dienen, Freunde auf das Profil aufmerksam zu machen, damit diese das Profil ebenfalls liken oder teilen und so die Reichweite erhöhen. Wenn aber von Fake-Profilen aus der Like erfolgt, entsteht daraus keine weitere Interaktion weder mit der Seite selbst noch mit anderen Facebook-Usern, so dass damit der eigentlich gewollte Effekt verpufft. Mit anderen Worten - das Unternehmen hat ein Facebook-Profil mit 10.000 Fans, das aber tatsächlich trotzdem niemand zur Kenntnis nimmt.

Zudem wird die mangelnde Interaktion vom Algorithmus von Facebook erkannt und die Seite dementsprechend nicht in die jeweiligen Newsfeeds eingepflegt, so dass auch hier der gewollte Effekt nicht eintritt. Schließlich kann der Kauf von Likes nach den Nutzungsbedingungen von Facebook die Sperrung  oder Löschung der Seite zur Folge haben.

Fazit:  

Wenn ein Unternehmen seine Präsenz, Beliebtheit und Bekanntheit in sozialen Medien signifikant erhöhen will, wird es nicht drum herum kommen, selbst aktiv zu werden und sein Profil zu hegen und zu pflegen, sei es durch Einstellen von Informationen über neue Produkte, interessanten redaktionellen Beiträgen oder News über aktuelle und zukünftige Events des Unternehmens. Denn aus rechtlicher wie tatsächlicher Sicht ist hier ein bekannter Satz aus dem analogen Leben schlicht ins digitale zu übertragen: "Lieber einen wahren Freund als hundert falsche".

In diesem Sinne,

viel Vergnügen beim Aufbau Ihrer Community & bis demnächst hüben oder drüben!

Nina Diercks ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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