Fake oder echt? Empörung über Facebook-Seite "Initiative Sauberes Hamburg"
© Foto:Screenshot Facebook

Facebook-Aktion | | von Annette Mattgey

Fake oder echt? Empörung über Facebook-Seite "Initiative Sauberes Hamburg"

Von "Verstoß gegen das Grundgesetz" bis zu "verkackter Schrotthaufen" reichen die Kommentare auf der Facebook-Seite Initiative Sauberes Hamburg (ISHH). Die angeblich am 1. Januar gegründete Gruppe sammelt seit dem 8. Februar Follower (bisher erst 43). Bis gestern hatte die Facebook-Seite noch nicht einmal ein ordentliches Impressum, sondern verwies lediglich auf die Website der Initiative. Gehostet ist die Seite über einen Server in den USA und der Inhaber der Domain hat seine Identität durch die Nutzung eines Privacy-Service verschleiert. Heute sieht man im Facebook-Impressum einen Alexander Schmidt und die Firma Global Webdesign Services mit Sitz in Curacao als rechtlich Verantwortlichen. Außerdem ist eine deutsche Mobilfunknummer zu finden, unter sich allerdings nach Recherche von LEAD digital nur eine Mailbox meldet.

Zu den Zielen des "Zusammenschluss aus besorgten Bürgern" heißt es auf der Website: "Wir sind es Leid, wir wollen keine Obdachlosen mehr, die das Erscheinungbild unserer geliebten Stadt trüben, unsere Grünanlagen beschmutzen und die Hilfsbereitschaft vieler Bürger ausnutzen. Wir fordern ein sauberes, schöneres und vor allem obdachlosenfreies Hamburg. Dafür setzten wir uns aktiv und mit ganzem Herzen ein." Die Facebook-Posts hetzen gegen Flaschensammler und U-Bahn-Musiker und loben dafür, die Zahl der Schlafplätze für Obdachlose nicht auszuweiten. Bezeichnend auch der Duktus dieses Posts: "Anstatt hier auf Facebook den lieben langen Tag negative Propaganda zu posten, solltet ihr euch lieber um eure Ausbildung und Karriere kümmern. Noch mehr nutzlose Obdachlose können wir in Deutschland nämlich nicht gebrauchen." Die Stadt Hamburg ist ganz und gar nicht glücklich mit der Seite. „Wir lassen derzeit prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten wir haben, um gegen das Design und die Seite vorzugehen“, erklärte Christoph Holstein, Sprecher der Senatskanzlei, gegenüber dem Stadtmagazin Mittendrin.

Die neueste Wendung in der Geschichte: Seit 18.Februar ist die optisch relativ ähnlich gemachte Seite Stoppt die Initiative Sauberes Hamburg bei Facebook am Start. Sie hat binnen kurzem weit mehr als 2800 Fans versammelt. Ein Impressum fehlt. Das legt den Schluss nahe, dass es sich bei beiden Seiten um eine provokante Aktion einer Wohltätigkeitsorganisation handelt. Das wird auch unter den Kommentatoren auf der ISHH-Fansite vielfach angenommen, allerdings billigen die wenigsten diese Art von Humor. Etwa auch der Hamburger Social Media-Experte Nico Lumma, COO von Digital Pioneers: "Fake-Werbung kann sein, fände ich aber sehr geschmacklos."

Bei Facebook scheint der Prüfprozess noch im Gange, was man mit der Initiative Sauberes Hamburg anfangen soll. Jederzeit können Seiten, Personen, Gruppen, Fotos oder Kommentare gemeldet werden, die gegen die Standards der Facebook-Gemeinschaft verstoßen. Diese werden dann gegebenenfalls auch gelöscht. Verbotene Inhalte sind etwa die "Bedrohung der öffentlichen Sicherheit" und "Hassreden". Wie der Meldeprozess funktioniert, zeigt ein ausführlicher Leitfaden.

Wenn die Initative Sauberes Hamburg als eine Art Anti-Werbung mit verstörenden Effekt gedacht ist, so lässt sie sich mit einer Reihe ähnlicher Aktionen vergleichen. In Berlin sorgte Mike InBerlin für Aufsehen. Als Stadtaffe verkleidet mischte sich die Kunstfigur in die Wohnungs- und Sozialpolitik der Hauptstadt ein - real und virtuell. Erst später erklärten sich der DGB und das Diakonische Werk als Urheber. Mit extremen Mitteln gelang es auch der Stadtbibliothek von Detroit, einen Bürgerentscheid zu ihren Gunsten zu drehen. Eine vermeintliche Bookburning Party  erzürnte die Bürger so sehr, dass die Zahl der Befürworter der Bibliothek (verbunden mit einer Steuererhöhung) mehr als dreimal so hoch war wie prognostiziert (Hier das Video der Bookburning Party-Aktion).

Als jüngstes Beispiel derartiger Guerilla-Marketingaktionen gilt der Marktstand, den der Bio-Anbieter Naturland und der Weltladen-Dachverband im Rahmen der Kampagne "Öko + Fair ernährt mehr!" aufgebaut haben. Die Gießener Werbeagentur Yool pries gewerkschaftsfreie Bananen und Produkte aus Kinderarbeit an.

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