Stichtag 30. Januar | | von Annette Mattgey

Facebooks neue Regeln: Alles halb so schlimm

Die Proteste haben Facebook erwartungsgemäß nicht aufgehalten: Mit neuen Nutzungsbedingungen will das Netzwerk Werbeeinblendungen noch gezielter auf jedes einzelne Mitglied abstimmen. Zu Facebook gehören auch die populären Dienste Whatsapp und Instagram.

Allerdings informiert Facebook ausführlich wie nie, wie jeder Einzelne die ihm genehmen Einstellungen vornehmen kann. Zugleich hat sich Facebook große Mühe gegeben, die Änderungen seine Daten- und Nutzungsbestimmungen übersichtlicher und verständlicher zu gestalten. Mitglieder können künftig genauer festlegen, wer ihre Einträge ansehen kann, und zwar hier in den Grundlagen zur Privatsphäre.

Mit der Neuregelung seiner AGB will Facebook unter anderem die Werbung stärker auf einzelne Personen zuschneiden. Dafür sollen zum Beispiel auch Informationen über besuchte Seiten und genutzte Apps außerhalb des Netzwerks ausgewertet werden. Wer dies nicht möchte, kann die personalisierte Werbung deaktivieren. Außerdem lässt sich genau herausfinden, warum wem welche Werbung angezeigt wird.

In den USA will Facebook demnächst auch wissen, an welchen Orten wir uns aufenthalten und welche Lokale wir vielleicht empfehlen können. Die Informationen sind vor allem sinnvoll, um die Graph Search mit relevantem Inhalt zu füttern und sie eines Tages zur Alternative zur Google-Suche zu machen. Gerade ist "Place Tips" in den USA gestartet. Für Deutschland ist das noch Zukunftsmusik.

Heftige Kritik an den neuen Regeln übten die Datenschützer. Vor allem mangelnde Transparenz wurde dem Netzwerk vorgeworfen. Was ebenfalls bemängelt wurde: Nutzer von Facebook haben kein Widerspruchsrecht gegen die neuen AGB. Wollten sie die Datennutzung von Facebook verhindern, müssen sie sich komplett abmelden. Diesen radikalen Schnitt zog am Freitag der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, der auch schon früher ein schwieriges Verhältnis zu Facebook hatte. Er warf in einem Blogeintrag dem Unternehmen vor, sich nicht um deutsches oder europäisches Recht zu kümmern und kündigte an, sein Konto zu löschen.

Andere hingegen finden das aktuelle Bohei - nicht nur weil die Änderungen bereits seit Monaten angekündigt waren - etwas übertrieben. So twittert Netz-Experte und Bild-Kolumnist Nico Lumma:

Selbst die Stiftung Warentest gibt Entwarnung: "Derzeit bewirken die neuen Daten­schutz­bestimmungen keine großen Änderungen. Persönliche Daten hat das soziale Netz­werk bisher schon für Werbe­zwecke genutzt. Nutzer können jedoch unter „Privatsphäre-Einstellungen“ > „Werbeanzeigen“ Vorgaben machen."

Daneben habe User eine weitere Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen, ob und in welcher Weise ihnen Werbung eingespielt wird, die auf ihrem Nutzungsverhalten basiert (Online Behavioral Advertising = OBA). Unter der Adresse http://www.youronlinechoices.com/de/praferenzmanagement/ kann man dem Setzen jeglicher Cookies oder gezielt von einzelnen Unternehmen widersprechen. Bereitgestellt wird die Seite, die zahlreiche Informationen zum Thema Online-Werbung enthält, von der European Interactive Digital Advertising Alliance (EDAA). Für Deutschland ist auch der Deutsche Datenschutzrat Online-Werbung (DDOW) ein guter Ansprechpartner. Der DDOW ist die freiwillige Selbstkontrolleinrichtung der digitalen Werbewirtschaft für nutzungsbasierte Online-Werbung in Deutschland.

Wem das alles nicht langt, der muss einen harten Schnitt machen und sein Profil komplett löschen. Allerdings ist der Menüpunkt gar nicht so leicht zu entdecken: Über diesen Link gelangt man zur Löschung.

(am/dpa)

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