Dominik Frings | | von Dominik Frings

Facebook: R.I.P. heißt Rest in Prosperity

Manchmal beginnt die Totenmesse schon, wenn noch gar niemand unter der Erde ist. Facebook liegt hinsichtlich Nutzung und Beliebtheit nicht mehr ganz so im Trend der Jugendlichen und schon sehen die ersten Apokalyptiker das Ende nahen. Dabei lautet die Frage eigentlich: Braucht Facebook auf absehbare Zeit eine nachwachsende enthusiastische Generation? Und wenn ja, in welcher Weise?

Denn auch wenn sich die Gunst verschiebt und Whatsapp und Co. im Trend liegen, so ist es dennoch nur ein Bruchteil, der Facebook nicht nutzt. Und nebenbei ist die Entwicklung doch nur zu normal:

Facebook ist inzwischen Mainstream und ich persönlich fände ein Netzwerk auch nicht mehr so prickelnd, in dem sich meine Mutter mit mir befreunden möchte und meine junggebliebene Großmutter Peinlichkeiten ihres Rentnerdasein postet. Das belegen nicht nur Studien, sondern eigene kleine Feldforschungen bei Bewerbern und auf Vorträgen.

Nur: Jugendliche stehen gar nicht so oft im Fokus von Werbung wie suggeriert wird. Im vergangenen Jahr erwähnten vielleicht maximal zehn Prozent aller Briefings, die uns erreichen,  diese Zielgruppe. Denn häufig fehlt nicht nur die Kaufkraft, sondern auch (beidseitiges) Interesse. Das mag nun sehr stark branchenindividuell variieren (und ja Markenbindung beginnt am besten in jungen Jahren), aber in der Regel zielt die Werbung auf ältere (über 20) und solventere Konsumenten. Und wenn ich als Facebook schon alle anderen User bei mir versammelt habe, kann ich es mir durchaus leisten, nicht mehr die Nr. 1 sozialer Kommunikation unter den Teenagern zu sein. Dies gilt umso mehr, wenn die Mitbewerber (noch) nicht um die Mediatöpfe konkurrieren. Whatsapp hat man gerade erworben und es ist medial (noch) nicht buchbar. Und Newcomer wie Snapchat müssen erst mal zeigen, ob sie dauerhaft bestehen.

Twitter mag vielleicht an der einen oder anderen Stelle sehr viel Zuneigung verspüren, alleine die Reichweite ist marginal gegenüber dem Branchenprimus. Und bis dato glänzt Twitter eher mit einer Verweigerungshaltung in Sachen Mediabuchung als mit proaktiver Verkaufsförderung.

Somit wäre bei der Gesichterparty ein gleichmütiges Schulterzucken die Gestik der Stunde. Sinnloses Lamentieren um interne nicht nachvollziehbare Zahlen hingegen ist eher kontraproduktiv zu werten. Vielleicht wäre auch noch ein Verweis auf die Diskussion von 2012 ganz hilfreich, denn damals war ebenfalls bereits das Grab für Facebook ausgehoben und der Geier band sich sein Lätzchen um, weil die mobile Werbewertschöpfung den Analysten nicht ganz so behagte. Wie schnell sich die Zeiten ändern können, zeigt ein Blick auf die letzten Umsatzzahlen. Dass Facebook nunmehr die Geldspeicher geöffnet und für den Gegenwert von ca. 633.000 VW-Golfs Whatsapp eingemeindet hat, ist natürlich ebenfalls eine mögliche Reaktion.

Mit Hinblick auf Daten (Telefonnummern und Bewegungsprofile) ist dieser Schritt grundsätzlich sinnvoll und hinsichtlich der Erschließung eines zweiten finanziellen Standbeins (Nutzungsgebühren) wächst das Verständnis genauso. Aber was ist mit dem Preis und dem Wachstum das benötigt wird, um ebene jenen zu rechtfertigen? Ein Reichweitenzuwachs ist für den Moment gegeben, wobei die Schnittmengen nicht unerheblich sein dürften. Problematischer ist allerdings der Bindungsgrad bei Whatsapp, der deutlich geringer ist als derjenige bei Facebook. Dies kann bei dem nicht unerheblichen Investment durchaus zum Problem werden, zumal bei einer Abwanderung die Erlöse proportional dahinschmelzen würden.

Ernsthaft Gedanken um den Fortbestand muss man sich um Facebook wohl nicht machen, denn auch wenn der Preis zu hoch war, wird es das Unternehmen wohl nicht in seinen Grundfesten erschüttern. Grund zur Sorge für Facebook bestünde erst dann, wenn die Nutzung in ALLEN Bereichen nachlässt und parallel ein Wettbewerber zu Facebook selber aus der digitalen Ursuppe steigt. Ob dies irgendwann mal geschehen wird, bleibt abzuwarten. Bis es soweit ist, dürfte die Party weitergehen - außer die nächsten Investitionen finden in der gleichen Größenordnung statt. Aber Geld ist ja niemals weg, es haben nur andere und vielleicht überlegen Sie bei der Gelegenheit mal, wie viel Geld Sie in zehn Jahren hätten, wenn Sie 19 Mrd. Dollar zu fünf Prozent festverzinst angelegt hätten. Sie werden überrascht sein.

Dominik Frings ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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