Content | | von David Philippe

Facebook: Brauchen wir wirklich so viel Interaktion?

Katzenbilder, Babies und Hundewelpen. Das sind die Bilder, die bei Facebook fast ein Garant für Likes und Shares sind. Hin und wieder ein kleines Rätsel für die Kommentare und schon haben Facebook Seiten schön viel Interaktion. Alles super, die Zahlen stimmen, die Statistik stimmt und alle sind zufrieden. Wirklich alle?

Ich fühle mich manchmal wie das gallische Dorf aus Asterix und Obelix, wenn ich sage, dass ich mich weigere, solche Bildchen zu posten. Der Grund ist relativ einfach: Die Facebook-Seiten, die ich betreue oder die Unternehmen, für die ich beratend tätig bin, haben einfach keinerlei Bezug zu den gängigen „Like-Bildern“ (wie ich sie nenne). Warum sollten sie also solche Bilder posten? Damit die Fans etwas liken können? Damit die Zahlen stimmen?

Es ist die persönliche Eitelkeit, die Interaktion fordert. Diese Jagd nach Zahlen, die Sucht nach Interaktion, hat sich schon sehr lange im Social Web verbreitet. Nicht nur bei Unternehmen, auch bei Privatpersonen. Wir alle wollen doch, dass viele Leute unsere Updates liken, über uns sprechen, mit uns interagieren. Und daher möchten wir das auch für die Unternehmens Facebook-Seiten und Twitter-Accounts so sehen. Und hier ist der Punkt, an dem unsere eigene, persönliche Eitelkeit beginnt, unsere Sicht auf die Arbeit zu verzerren.

Warum? Nehmen wir an, ich habe mit meiner privat-empirischen Behauptung, der Mehrzahl der Social Media Nutzern ginge es um Aufmerksamkeit und Interaktion, recht. Dann ist das grundsätzlich nicht schlimm und nicht negativ gemeint. Und für Privatpersonen ist es meiner Meinung nach auch vollkommen okay, wenn man mit lustigen Bildchen Likes sammelt – sofern man als „der mit den ganzen Katzenbildern“ bekannt werden will. Aber welches Unternehmen, ausser vielleicht Katzenfutter/Spielzeug – Hersteller, wollen denn so bei den Fans im Gedächtnis bleiben?

Was ist wirklich wichtig für Unternehmen?

Ja, es gibt einige Unternehmen, die von großer Interaktion profitieren. Allerdings habe ich im Laufe der Zeit viel mehr Unternehmen sehen können, bei denen es eher nebensächlich war, ob die Beiträge viel Interaktion provozierten oder nicht. Viel mehr geht es darum, dass die User auf den Link klicken. Dass sie auf den Webshop, den Blogpost oder sonst wohin weitergeleitet werden. Denn letztlich dürfen wir nicht vergessen, dass es bei Social Media und den Aktivitäten von Unternehmen dort meistens um mehr geht, als reiner Image-Aufbau.

Nehmen wir ein Unternehmen, dass auf Facebook und Twitter direkt mit Endkonsumenten kommuniziert. Das Unternehmen besitzt einen Webshop und verkauft dort Consumer Electronics Artikel. Mit Hilfe von Facebook Werbung und einem bereits bestehenden guten Ruf, konnte sich das Unternehmen eine respektable Zahl an Fans auf Facebook und Follower bei Twitter aufbauen.

Ein Blick auf Facebook jedoch zeigt, dass das Unternehmen 1) auf kaum eine Anfrage von Fans reagiert und 2) nur wenig Interaktion unter den eigenen Beiträgen aufweisen kann. Vereinzelte Likes von richtigen Fans und vielleicht einigen Mitarbeitern des Unternehmens. Mal einen Kommentar hier oder da. Hin und wieder gibt es Ausnahmen, bei einem lustigen Bild zu einem passenden Ereignis. Aber das war es.

Ist diese Facebook Seite nun erfolgreich? Kaum Interaktion, zumindest im Vergleich zur Fanzahl. Das kann ja nichts bringen. Die Facebook-Fans interagieren ja gar nicht mit der Facebook Seite, das ist ja schrecklich! Oder? Auf Twitter zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Reiner Push an Links mit Hashtags, kaum @-Replies zu sehen.

Schaut man sich aber einmal an, was für Beiträge gepostet werden: Nämlich stets Links auf den eigenen Webshop. Und hätte man nun Einblick in die Statistiken, die zeigen, wie viele Personen auf diese – speziell für Facebook erstellten – Links geklickt haben. Dann würde man vielleicht erkennen, dass es viel interessanter ist, wie viele Personen auf den Link klicken, als nur zu liken, kommentieren oder zu teilen.

Und bei einigen Unternehmen, bei denen ich Einblick in diese Statistiken erhielt, kam ein sehr überraschendes Ergebnis heraus: Trotz sehr geringer Interaktion auf Facebook, klickten die User sehr gut auf die Links. Und nicht nur das, auch die Konversion zum Kauf von Produkten sah gut aus.

Fazit

Was ich damit eigentlich sagen möchte ist folgendes: Nur weil wir alle gerne Likes und Kommentare sehen, die uns in dem, was wir tun bestätigen, heißt es nicht, dass dies für Facebook Seiten und andere Accounts im Social Web für Unternehmen auch zutrifft. Das Problem mit den vielen Statistiken und Zahlen, die uns das Social Web anbietet, ist doch, dass wir häufig aus dem Blick verlieren, welche Zahlen für die Ziele, die wir verfolgen, wirklich relevant sind. Und diese Zahlen drücken sich häufig eben nicht in Likes, Kommentaren und Shares aus.

David Philippe ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ab sofort ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreiten. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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