Der Wochenrückblick mit LEADDigital-Autorin Irmela Schwab.
Der Wochenrückblick mit LEADDigital-Autorin Irmela Schwab. © Foto:privat

Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Digitale Transformation: Wann wird aus mutig allzu dreist?

Es hätte so schön sein können. Gutaussehend, von Google kommend und super taff übernimmt Marissa Mayer den Chefsessel bei Yahoo ein. Sie, eine Frau und nun zweifache Mutter, sollte Yahoo aus dem Dreck ziehen, die Trendwende herbeiführen. Das hätte der brodelnden Diskussion um Quote und Gleichberechtigung einen schönen Schub gegeben, hätte es geklappt. So hatten es sich viele erhofft. Aktionäre, aber auch weibliche Managerinnen.

Nun zeigt sich: Auch die "fleißigen Frauen" - wie sie oft bezeichnet werden - sind fehlbar. Die Zahlen für das vierte Quartal  und das Gesamtjahr 2015 bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Allein bis zu 30 Prozent der Yahoo-Belegschaft sollen das Unternehmen im vergangen Jahr verlassen haben. 2016 ist der Abbau von 1.700 Stellen geplant, der Verkauf des einstigen Internet-Pioniers ist nicht ausgeschlossen. In dieser schwierigen Lage klagt nun auch der ehemalige Yahoo-Mitarbeiter Gregory Anderson. Sein Vorwurf: Das Unternehmen und seine Geschäftsführerin Mayer hätten männliche Angestellte systematisch diskriminiert. Oh boy!

Klarer als die Yahoo-Krise bringt wohl keiner den Kampf mit zwei hoch brisanten Themen ans Tageslicht. Neben der Neubewertung im Umgang mit weiblichen Führungskräften, geht es auf die digitale Transformation und darum, dabei nicht den Anschluss zu verlieren. Jeder Tag - scheint es fast schon - birgt neue Möglichkeiten, um als Sieger oder Verlierer aus der Sache herauszugehen. Nur wer den größten Mut hat, kann gewinnen.

Wie IBM. Jahrelang hat der Software-Konzern nach neuen Wegen für sich gesucht. Nun hat er eine große gefunden. In den USA ist IBM iX schon die größte Digitalagentur. Mit dem Zukäufen der Berliner Agentur Aperto und dem Düsseldorfer Dienstleister Ecx.io. will IBM auch in Deutschland kräftig wachsen. "Adage" kürte die Marketingberatungssparte des Konzerns - IBM iX - bereits zum zweiten Mal zu größten Digitalagentur weltweit - mit 10.000 Mitarbeitern, davon etwa 1100 Designer. Im Dezember eröffnete IBM das neue, globale Headquarter für die Themen rund um das Geschäftsfeld „Watson - Internet of Things“ in München – “quasi im Herzen der deutschen Industrie”, wie Matt Candy, Europachef und Managing Partner von IBM iX im W&V-nterview sagt.

Revolutionär-transformativ mutet auch die aktuelle Aufklärungskampagne der Bundesregierung an. Bis zu eine halbe Million Menschen haben bislang die Erklärfilme zum Thema Islam gesehen, die bekannte Youtuber wie Marie Meimberg und Florian Mundt aka Le Floid ins Netz gestellt haben. Bezahlt hat das Online-Projekt die Bundeszentrale für politische Bildung. Sie will damit zur Aufklärung beitragen und gegen Extremismus ankämpfen.

In der digital transformierten Gesellschaft macht letztlich vor allem einer aktiv mit: Sie! Ja, genau - Sie selbst! Dazu zieht Google sogenannte Captchas heran. Das sind meist Zahlen-Buchstaben-Kombinationen, über deren Nachtippen man beweisen muss, dass man kein Roboter ist.  Im Fall von Google bestehen diese Captchas aus Fotos, wie zum Beispiel einige Straßenschilder, die man voneinander unterscheiden soll, sowie Wasserfälle von Seen oder Sportwagen von Kleinlastern.

Darüber hinaus findet man in Dutzende Einzelteile zerlegte Fotos von Straßen, auf denen die Nutzer erkennen sollen, ob Straßenschilder etwas Bestimmtes anzeigen, zum Beispiel eine Richtung oder ein Verbot. “Man kann davon ausgehen, dass die Nutzer von Google Scholar beim Lösen einer solchen Sperre einen Nebeneffekt erzielen”, sagt Internetkritiker Evgeny Morozov in der "Süddeutschen Zeitung". “Sie bringen wohl Googles selbstfahrenden Autos bei, wie sie in Städten navigieren und Verkehrszeichen lesen können.” Nur wer den größten Mut hat - aber auch die größte Dreistigkeit besitzt - kann gewinnen.

Digitale Transformation: Wann wird aus mutig allzu dreist?

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