Mike Schnoor | | von Mike Schnoor

Die alte Leier: Was kostet Bloggen denn wirklich?

Bloggen soll Freude bereiten. Blogger arbeiten mit Leidenschaft an ihren Werken. Wer mehr oder weniger regelmäßig einen Beitrag veröffentlicht, egal ob als Text, Bild oder Video, freut sich darüber, wenn andere Menschen an den Inhalten teilhaben. Bloggen zum Selbstzweck, Bloggen zur Eigenwerbung, Bloggen zum Spaß, Bloggen als Hobby, Bloggen als Profi.  Doch jetzt stellt sich die Frage: Welche Kosten verursacht der ganze Aufwand, ein eigenes Blog zu betreiben?

Die Antwort vorweg: Für jeden Blogger kostet das Bloggen im Grunde genommen gar nichts. Richtig gelesen! Einzig alleine der Aufwand namens Zeit kostet den Blogger etwas. Zeit, die verstreicht, wenn Gedanken sich kristallisieren, in Worte gefasst werden, mit einem Foto oder Video garniert werden, gegengelesen werden und dann veröffentlicht werden, um diese Gedanken in Form des Blogartikels in den entscheidenden Social Networks zu bewerben und im Anschluss die eingehenden Meinungen und Engagements mit dem jeweiligen Inhalt zu beantworten. Gewiss gibt es manches Mal eine Vorbereitungsphase, ein Interview, ein Gespräch, eine Verkostung, eine Reise. Für die meisten Blogger bedeutet dies wiederum, mit Leidenschaft an einem Thema zu arbeiten.

In Form von Kosten entsteht hier meist nur Zeit, denn alles andere wird, sofern sich die Blogger geschickt anstellen, von Sponsoren gestellt. Das Hotel, die An- und Abreise, die Autofahrt, der Produkttest, die Rezension eines Buches oder Dienstleistungen und Services – alles wird authentischen Bloggern von guten PR- und Marketingleuten bereitgestellt.

Wer das Bloggen als nebenberufliche Selbstständigkeit betrachtet, kommt schnell zur Annahme, dass diese Tätigkeit einen Gegenwert besitzen muss. Neben der Haupttätigkeit für einen x-beliebigen Arbeitgeber agieren Blogger oft außerhalb des beruflichen Kontexts. Sie entwickeln ihre eigene Reputation als Fachleute für ein Thema – und manches Mal ist die originäre Leidenschaft das Kochen. Foodblogger befinden sich am Scheideweg, denn sie hegen die Leidenschaft und die Hoffnung, nicht nur als Reichweitenschleuder, sondern als Meinungsbildner wahrgenommen zu werden.

Dann möchte man schnell viele einzelne Posten, die monatlich das Girokonto belasten, gerne gegenrechnen. Aber der Strom ist meist notwendig, damit der Haushalt funktioniert. Der Rechner ist meist schon längst abbezahlt und als Abschreibung steuerlich berücksichtigt. Der Server für das Blog, egal ob der eigene oder der dieses Online-Mediums, ist meist ein minimalistischer Betrag, den man als Hobbyausgabe verkraften muss. Internetzugänge für Festnetz und Mobilfunk – diese Notwendigkeiten kauft kaum ein Blogger zusätzlich, sondern betrachtet dies ebenfalls als essenzielle Grundvoraussetzung für das Schreiben. Leidenschaft eben. Natürlich wünscht man sich manches Mal mit guter Bildbearbeitungssoftware zu arbeiten, aber wer an Kosten sparen möchte, für den gibt es auch Open Source. Weitere Extras wie Kamera, Objektive, Stative und Zubehör sowie Speicherkarten, Festplatten und sonstige Gadgets – alles im Grunde genommen überhaupt nicht anrechnungsfähig für eine auf das Bloggen konvertierende Tätigkeit. Und im besten Fall kann alles wieder bei der Steuer abgesetzt werden. Selbst der Steuerberater sowie Bus- und Bahntickets sind steuerlich absetzungsfähig und bei entsprechendem Mischeinkommen aus fester Anstellung und nebenberuflicher Tätigkeit ein gewisses Pflichtprogramm.

Gewiss haben Foodblogger einen berechtigten Schönheitsanspruch an ihre Kreationen, die bildgewaltig für das Publikum inszeniert werden, so dass in solch einem Sonderfall einmalige Anschaffungen von diversen Küchengeräten und Kochzubehör gewiss von Nöten sind. Entscheidend wäre aber am Beispiel von Foodbloggern, die wirklich professionell arbeiten, sich besser das gesamte Handwerkszeug durch einen Sponsor zu refinanzieren. Damit wäre auch eine solche erhoffte, erwünschte Kostennote in Höhe von 1.400 Euro pro Monat ad absurdum geführt.

Kurzum und daher noch einmal: Echte Kosten entstehen beim Bloggen meist nicht durch die Grundvoraussetzungen, die man für das Schreiben braucht. Sofern die Autoren aus eigenem Antrieb das Blog betreiben und nicht ein Corporate Blog von den Mitarbeitern oder rein selbstständig agierenden Marktakteuren ein Fachblog gestemmt wird. Vielmehr sollte bei privaten bzw. nebenberuflichen Autoren der reine zeitliche Arbeitsaufwand zur Geltung kommen. Dieser wird aber meist für den einen Blogeintrag nicht viel ausmachen, denn alleine das textliche Gedankensolo braucht oft nicht länger als einige Minuten, um zum Punkt zu kommen. Eine Gegenrechnung in Form eines Stundensatzes in Form eines Mindestlohns ist nicht adäquat, weil die Kunst des Bloggens eben die Leidenschaft ist – oder durch die langfristige Unterstützung von zahlungskräftigen Sponsoren, Werbekunden und Partnern erst möglich wird.

Wer übrigens nebenberuflich ein Blog betreibt, um damit Geld zu verdienen, sollte mindestens monatlich den 2,5-fachen Wert aller Zeitaufwände einnehmen, um nach Abzug aller Einkommenssteuern und eventuellen Umsatzsteuern einen Wohlfühlfaktor auf dem Konto erzeugen zu können. Wer nebenberuflich regelmäßig mehr als 8 Stunden für das Blogprojekt tätig ist, sollte sich zudem arbeitsrechtlich bei seinem Brötchengeber absichern. Denn die maximale reguläre Wochenarbeitszeit beträgt normalerweise 48 Stunden. Wer 40 Stunden arbeitet und jede Woche zusätzlich 20 Stunden am Blog werkelt, wird früher oder später die Folgen der Überbelastung spüren. Spätestens dann wird der Arbeitgeber gar nicht erfreut sein, wenn die Aufgaben und Projekte darunter leiden. Das ist jedoch eine ganz andere Baustelle.

Der Aufwand für diesen Blogpost bemisst sich übrigens netto auf rein 30 Minuten an Schreibarbeit, brutto mit der initialen Recherche, dem Konstrukt des Gedankensolos und kleinen Korrekturen auf rund eine Stunde. Gemessen an einer fiktiven Rechnung und einem honorierenden Stundensatz im dreistelligen Bereich würde die LEAD digital jetzt dafür ordentlich zahlen müssen. Schließlich ist das kein Regelbetrieb, sondern eine irreguläre Schreibaktion. Das Werk zu bezahlen braucht die LEAD digital aber nicht, weil alle Blogger der LEAD digital auch ohne monetäre Hintergedanken und haushaltsrechnerisches Kalkül einen Blogbeitrag schreiben können – und es auch wollen. Bloggen und Kosten? C'est le serpent qui se mord la queue. Ganz schön überraschend, oder?

Mike Schnoor ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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