Wikipedia-Gründer Jimmy Wales beim DLD 2015.
Wikipedia-Gründer Jimmy Wales beim DLD 2015. © Foto:W&V/Martin Kroll

15 Jahre Wikipedia | | von Deutsche Presse-Agentur

Die 7 peinlichsten Wikipedia-Pannen

Bei der Recherche im Internet ist für viele die Online-Enzyklopädie Wikipedia die erste Adresse - sie feiert dieser Tage ihren 15-jährigen Geburtstag. Vier von fünf Internetnutzern (79 Prozent) ab 14 Jahren suchen einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge dort nach Informationen. Dabei ist das Vertrauen in die Richtigkeit der Artikel relativ groß: Knapp 80 Prozent der Nutzer halten die Beiträge auf der Plattform für "immer" oder "meistens" verlässlich, jeder sechste (18 Prozent) für "selten verlässlich". Für zwei Prozent sind die Einträge "nie" verlässlich. Doch auch bei Wikipedia kommt es immer wieder zu Fehlern, überflüssigen Einträgen oder geschönten Darstellungen.

Die gravierendsten Ausrutscher:

FALSCHER VERWANDTER: Mit einem frisierten Wikipedia-Eintrag gelangte ein Fan 2015 in den Backstage-Bereich der australischen Band Peking Duk. David Spango gab sich vor der Security als Verwandter des Elektro-Duos aus. Als diese einen Nachweis verlangten, zückte er Ausweis und Smartphone mit dem Wikipedia-Eintrag zur Band, den er zuvor um die Worte "Family David Spango" ergänzt hatte - und überraschte die Musiker. Diese nahmen es mit Humor: Das sei der "genialste Schachzug", den sie je beobachtet hätten.

FALSCHER NAME: Freiherr zu Guttenberg, einst Verteidigungsminister, hat viele Vornamen. Wilhelm gehört nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Scherzbold in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen auch Wilhelm rein. Der Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber aus dem Online-Lexikon.

FALSCHE MERKEL: Apple hat seine Sprachassistentin Siri darauf getrimmt, Fragen von Nutzern unter anderem mit Hilfe der Wikipedia zu beantworten - bei Bundeskanzlerin Angela Merkel lieferte das Online-Lexikon im September 2015 kurzzeitig eine höchst ungewöhnliche Antwort. Auf die Frage "Wer ist Angela Merkel?" bot die deutsche Siri-Version statt des aktuellen Artikels im Online-Lexikon einige Stunden eine Fassung, in der die Politikerin unter anderem als "Lügnerin und Sklavin der USA" verunglimpft wurde.

FALSCHE RELEVANZ: Die Pflege von Wikipedia-Einträgen gegen Geld - das war das Geschäftsmodell einer Bande, die 2015 aufflog. Teilweise erpresste die Gruppe sogar Geld von Personen und Unternehmen für den "Schutz" der Einträge. 210 Artikel löschte Wikipedia nach Entdeckung des Netzwerks "Orangemoody", 381 Nutzer wurden gesperrt. Die Opfer der Kriminellen: Selbstdarsteller, die eigentlich zu unwichtig waren für einen Artikel im Online-Lexikon.

FALSCHE PROFILE: Auch zuvor kam es schon vor, dass Wikipedia-Artikel unzulässig bearbeitet wurden - etwa von PR-Firmen, die ihre Mandanten gut dastehen lassen wollten. Sie agierten von gefälschten Profilen aus. Als Wikipedia der Betrug auffiel, reagierte die Plattform prompt und schmiss sie raus. Wer sich als Unternehmen sauber verhalten will, sollte sich an diese goldenen Regeln für Wikipedia halten.

FALSCHE POLITIK-PR: Die Parteizentralen messen Wikipedia große Bedeutung zu - und legen manchmal selbst Hand an. 2007 wurde von einem Rechner der hessischen CDU-Zentrale aus der Eintrag über den grünen Landespolitiker Tarek Al-Wazir bearbeitet. Die Union verwies auf einen Praktikanten. Ein Jahr später versuchte ein unbekannter Autor, die US-Politikerin Sarah Palin in besseres Licht zu rücken. Die Seite wurde zwischenzeitlich für Bearbeitungen gesperrt. Auch der Eintrag zum CDU-Herausforderer Jürgen Rüttgers im 2005 geführten Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen soll geschönt worden sein.

FALSCHE VERDÄCHTIGUNGEN: Der amerikanische Journalist John Seigenthaler stellte im September 2005 schockiert fest, dass ihm in Wikipedia eine Verwicklung in die Morde an John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby unterstellt wurde. Die Behauptung stand monatelang online. Der Fall führte zu heftigen Kontroversen, wie das Lexikon zuverlässiger werden kann.

dpa/am

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