ZDF Frontal21 | | von Annette Mattgey

Billige Nummer: ZDF betreibt Youtuber-Bashing

Hier das gute öffentlich-rechtliche Fernsehen, da die bösen Blogger: So einfach sieht man in Mainz die neue Medienwelt. Zumindest wenn man einem Beitrag des ZDF-Magazins Frontal21 (hier das Skript) glauben darf. Darin zerlegt sich die Youtuber-Szene mit dümmlichen Antworten selbst. Auch die Agenturen und Unternehmen sind frei von jeglichem Unrechtsbewusstsein. Allerdings darf man dem ZDF durchaus Absicht unterstellen. "Ich glaube das ZDF wollte Stimmung machen und Werbetreibenden zeigen, wie gefährlich es ist mit Bloggern und Youtubern zu arbeiten", meldet sich Patrick Meier, Online-Marketer und Blogger, zu Wort. 

Die zitierten Youtuberinnen haben dem ZDF den Job allerdings leicht gemacht: Am Ende räumt Vanessa Blumenthal, Fitness-Begeisterten bekannt als Vanezia Blum, selbst ein: "Alles, was ich mache, ist Schleichwerbung." Die monatlichen Anfragen von Unternehmen  summieren sich auf mehrere Tausende Euro. Kennzeichnung? Fehlanzeige. Sie schiebt allerdings dem Dienste-Anbieter Instagram die Schuld in die Schuhe. "Also, das ist das Prinzip hinter Instagram, dass man wirklich niemals direkte Werbung macht, sondern nur Seiten verlinkt". Instagram könnte das anders sehen. Denn das Unternehmen will ja gerade mit bezahlter Werbung Geld verdienen - und hat dazu eben erst eine Reihe von Neuerungen vorgestellt. Instagram dürfte viel daran gelegen sein, dass "außenrum" eben keine Werbung zu sehen ist, sondern Privates (oder "owned media, wie es so schön heißt).

Bei den Youtubern selbst ist es das "schnelle Geld für einen Post", das insbesondere Jüngere oder kleinere Kanäle lockt, meint Le Floid. Der bekannte Youtuber scheut sich nicht vor Werbung, etwa für die Techniker Krankenkasse (mehr zur Kampagne und zum Hintergrund), kennzeichnet sie aber brav. Heidi Klum-Modell Marie Nasemann dagegen bekennt freimütig: "Ich halte mich da nicht an die Regeln." Sie arbeitet etwa mit Samsung zusammen. Erschütternder als Nasemanns Naivität ist jedoch die Chuzpe der Samsung-Presseleute, die es einfach mal als "gängige und erwartete Praxis" bezeichnen, dass Prominente mit gesponsorten Geräten hantieren.

Samsung ist nicht alleine: Bei Testanfragen wollten die Unternehmen lieber auf korrekte Werbehinweise verzichten. Erst nach Skandalen werde es dort zu einem Umdenken kommen, meint Roland Schweins, Geschäftsführer des Online-Magazins Styleranking.

Dabei gibt es durchaus Blogger, die sich um korrekte Kennzeichnung bemühen (entsprechend den Bestimmungen des UWG, Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb). Vor rund einem Jahr entstand die Bewegung der #Angeber, nachdem es zu Schleichwerbevorwürfen gegen die bekannten Youtuber Y-titty gekommen war. "Hätte das ZDF eine ernsthafte Reportage machen wollen, dann hätten sie zumindest auch die andere Seite beleuchten müssen, mit Bloggern sprechen sollen, die sich an die Regeln halten", schreibt Patrick Meier in seiner sehr amüsanten Abrechnung per Blog-Post.

Schlamperei bei der Recherche wirft den ZDF-Kollegen Zukkermädchen Franziska Albrecht vor. Der Frontal21-Bericht erweckte den Anschein, als ob sie ein Foto mit Samsonite-Koffer erst nachträglich - also nach der Anfrage des ZDF - mit dem Zusatz #Sponsored versehen hätte. Sie bekennt sich zu der nachträglichen Änderung, hat aber eine andere Erklärung dafür: "Dies geschah aber schon vor Monaten, weil ich es einfach vergessen hatte."

Meiers Fazit: "Abgeliefert wurde ein schlechter Bericht über ein paar Bloggerinnen, die schlecht beraten wurden, und somit eine ganze Szene in ein falsches Licht gerückt haben." Dass ein großer Apparat kein Garant für Korrektheit ist, habe das ZDF selbt bewiesen: "Der Skandal um die Schleichwerbung beim ZDF ist doch auch ein Indiz dafür, dass trotz großer Rechtsabteilungen mal was in die Hose gehen kann."

Die Diskussion unter den Bloggern geht nun in die nächste Runde, etwa in dem geschlossenen Facebook-Forum The Blogger Lounge. Nicht alle stimmen in Patrick Meiers überspitzte Kritik am ZDF ein. Franziska Albrecht ruft zum Schulterschluss der Youtuber auf: "Vielleicht können ja Blogger youtuber jetzt auch einfach transparenter zusammen etwas auf die Beine Stelle. Ich würde mich freuen."

Frontal21-Autor Hans-Werner Doyé hat sich via Twitter eingeschaltet und kommentiert die Vorwürfe:

Hier der Frontal21-Beitrag (10 Min):

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