Zwei Wege im Content Marketing: Wie Chip.de und Saturn ihren Auftrag sehen
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Christian Clawien | | von Christian Clawien

Zwei Wege im Content Marketing: Wie Chip.de und Saturn ihren Auftrag sehen

 "Marken werden zu Medien". Ein oft gehörter Satz. Mindestens so oft wie das Buzzword Content Marketing. In den letzten Wochen wurde viel über das Thema diskutiert. Ein Blick in die Praxis lässt vielleicht etwas klarer sehen, wo wir heute stehen. Deswegen spreche ich mit zwei Machern, deren Job es ist, Content zu vermarkten: Thorsten Eder, Head of Digital Marketing und CRM für Saturn, und Gero Schmitt-Sausen, Executive Director Chip Digital. "Turn On" ist ein typisches Content-Marketing-Portal, welches das Vertrauen der Tech-Fans und der Saturn-Kunden gewinnen will. Saturn wählt den Weg des Markenmediums, während es E-Plus mit Curved als Medienmarke probiert. Chip.de ist ein Klassiker. Die Seite ging im Februar 1996 als Onlineversion des ältesten deutschen PC-Magazins "Chip" online und zählt über 17 Millionen Unique User lt. AGOF. LEAD digital ruft die zwei Vertreter der Konzepte Markenmedium und Medienmarke zum Gespräch. Moderation: LEAD-digital-Blogger Christian Clawien.

Immer wenn ich mit Content-Machern spreche, frage ich mich, was lesen die morgens eigentlich als erstes? Da Content Marketing oft datengetrieben ist, ist die Antwort nicht überraschend:

Schmitt-Sausen: Morgens als erstes? Die Traffic-Zahlen von chip.de. Je nach Entwicklung tauche ich selbst tiefer ein oder bringe auch gerne schon mal die ersten E-Mails auf den Weg.

Eder: Twitter… seit vielen Jahren jeden Morgen. Montags steht dann zusätzlich Sistrix als Morgenlektüre an und an den anderen Wochentagen liegen die Google-Analytics-Dashboards weit vorne. So halte ich mich in der Früh über die Sichtbarkeitsentwicklung von "Turn On" und Saturn auf dem Laufenden.

Kennt man bei Chip.de "Turn On" überhaupt?

Schmitt-Sausen: Ja klar, jedoch eher flüchtig, nun bin ich aber voll im Bilde.

Der Medienmarkt ist in Bewegung. Wie sieht eine klassische Medienmarke wie "Chip" Ansätze wie "Turn On"? Wenn Marken anfangen, Reichweiten eigenständig aufzubauen, hat das ja vielleicht irgendwann auch Auswirkungen auf Medien wie Ihres.

Schmitt-Sausen: Wir beobachten diese Entwicklung natürlich. Insbesondere mit Blick auf die Produktpräsentation und Nutzeransprache. "Turn On" ist eine gut gemachte Site. Am Ende geht es aber auch bei diesen Angeboten um Objektivität und Glaubwürdigkeit.

Saturn geht mit dem Tech-Magazin "Turn On" ins Rennen. Was machen Sie anders, wie sieht ihre bisherige Bilanz aus?

Eder: Turn-On als Printmagazin gibt es seit fünf Jahren, dennoch war der Ausbau zur digitalen Plattform in vielerlei Hinsicht Neuland für uns. Wir haben dabei von Anfang an auf eine Mischung aus News und viel Highlight-Content wie Testberichte und Liveshows aus Saturn-Märkten, aber auch weiterhin auf das klassische Printformat gesetzt. Unsere Bilanz nach den ersten zwölf Monaten zeigt, dass wir vieles richtig gemacht haben: Unser Jahresziel von 1 Mio. Besuchern hatten wir bereits nach 4 Monaten erreicht, die 2-Millionengrenze dann nach elf Monaten. Zusammen mit Saturn haben wir heute eine Basis von weit über 3 Mio. Fans und Followern, die wir aktiv ansprechen.

Chip.de ist mit über 60 Millionen Visits Content-Marketing-Portalen bisher noch weit überlegen. Längst ist der Online-Ableger ein Staubsauger für qualifizierten Traffic geworden, der möglichst in andere Online-Shops konvertieren soll. Wie sieht die Zukunft der Vermarktung für chip.de aus?

Schmitt-Sausen: Auch wir entwickeln uns kontinuierlich weiter. Mit neuen Formaten, oder unserem Videoangebot, was wir in den letzten beiden Jahren auf- und ausgebaut haben. Heute generieren wir an einem durchschnittlichen Tag fast 700.000 Video Views. Erfolg ist aber auch für Chip kein Selbstläufer. Unser Anspruch ist es, dem Nutzer ein möglichst vollständiges multimediales Informationsangebot zu liefern. Hier sehen wir uns mit unserer Marke als Begleiter im Alltag der Menschen, welcher immer mehr durch die Digitalisierung und technische Fragestellungen beeinflusst wird. Hier bieten wir Orientierung, Hilfe als auch Unterhaltung und sind damit weit mehr als eine Content-Marketing-Plattform. Und natürlich müssen wir uns - wie alle Marktbegleiter - Gedanken zur Finanzierung abseits des klassischen Display-Geschäfts machen. Die Adblocker-Diskusson möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst eröffnen. Fakt ist, dass das Transaktionsgeschäft auch für uns an Bedeutung gewinnt.

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Sind Vertrauen und Unabhängigkeit der Redaktion ein Pfund mit dem man heute noch wuchern kann? Glauben Sie, dass es jungen Menschen in Zukunft egal sein wird, wer Absender eines Inhalts ist, solange er eine Relevanz für den Einzelnen hat?

Schmitt-Sausen: Glaubwürdigkeit geht für mich mit Relevanz einher. Von daher ist die Antwort: Nein, der Absender einer Nachricht wird auch in Zukunft von Bedeutung sein. Insbesondere für jüngere Nutzergruppen müssen wir neben guten, qualitativ hochwertigen Inhalten auch ein ebenso gutes Nutzungserlebnis liefern. Produkt und Nutzeransprache müssen gleichfalls attraktiv sein und überzeugen.

"Turn On" ist ein deutlich gebrandetes Markenmedium, anders als viele andere Content-Marketing-Projekte. Welche Auswirkungen hat das aus Ihrer Sicht auf die Akzeptanz der Inhalte und das User-Engagement?

Eder: Saturn steht für Technikkompetenz und -begeisterung und genau das möchten wir auch mit "Turn On" vermitteln. Dazu gehört, dass die Redaktion bei der Contenterstellung weitestgehend freie Hand hat, und unsere Leser und User honorieren dies mit einer hohen Akzeptanz, einer langen Verweildauer auf unseren Kanälen und einer intensiven Nutzung, also mit sehr guten Engagement-Werten.

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Die meisten Content-Marketing-Projekte kaufen anfangs ihren Traffic ein. Wie sieht ihre Strategie aus, stärker organisch zu wachsen?

Eder: Von Anfang an haben wir bei "Turn On" auf eine integrierte Wachstumsstrategie gesetzt, indem wir Content auf unseren eigenen Plattformen anbieten und soziale Netzwerke als Trafficlieferanten nutzen.  Inzwischen haben wir zahlreiche Stammbesucher gewonnen, viele davon durch Weiterempfehlungen, aber wir wollen auch immer wieder neue Fans von uns überzeugen. Das funktioniert aber nur, indem man immer wieder aus dem angestammten Umfeld rausgeht.

Wo und wie werden "Turn On"-Inhalte bei Saturn noch eingesetzt, gibt es eine Verbindung zu z.B. Tech-Nicks Content-Aktivitäten?

Eder: Wir streuen Inhalte von "Turn On" über insgesamt 16 verschiedene Kanäle, vom Newsletter über das Printmagazin bis hin zu diversen sozialen Netzwerken. Außerdem arbeiten wir daran, die Inhalte auch in die Saturn-Märkte zu tragen, wo wir mit Tablets den Kunden zusätzliche Informationen wie z.B. Tests und Ratgeber zu bestimmten Produkten anbieten. Und wir werden unsere Tech-Nick-Kampagne mit dem "365-Tage-Techtalk" zukünftig noch stärker mit "Turn On" verknüpfen, als das bisher der Fall war. Es bleibt also spannend.

Welcher Ansatz überzeugt Sie mehr? Wo würden Sie sich eher über ein neues Smartphone informieren? Medienmarke vs. Markenmedium – was ist die Zukunft? Wir freuen uns auf Ihre Ideen und Meinungen in den Kommentaren.

Clawien, Christian_fischerAppelt

Christian Clawien ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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