Dominik Frings | | von Dominik Frings

Webradio: Die Zukunft ist längst vorbei

Wann ändern sich tradierte Verhaltensmuster? Zumeist dann, wenn etwas Neues, Besseres und etwas (das leichter zu handhaben ist) kommt und die alten Strukturen aufbricht. Pioniere kämpfen immer darum, die eigenen Vorteile herauszustellen und gemäß angesehener Wirtschaftswissenschaften ist dies auch ein Mittel zum Erfolg. Was aber, wenn die neuen Verheißungen nur die Theorie, jedoch nicht die Praxis  erobern. An diesem Punkt steht seit geraumer Zeit das Webradio. Die Nutzung stieg bis dato kontinuierlich, die Konsumenten können sich vielfältigen Angeboten hingeben, die deutlich individuellere Geschmäcker bedienen. Man darf annehmen, dass nicht nur HartzIV-beziehende Soziophobiker sich dem www-Radio hingeben. Was stört nun die Romantik von blühenden Audiolandschaften?

Am Anfang waren es häufig die Preise, die Budgetverantwortliche zögern ließen. Zwar waren experimentelle Buchungen durchaus zu verzeichnen, jedoch ist ohne Wirkungsnachweis kaum zu verargumentieren, warum man ein Vielfaches zur terrestrischen Buchung zahlt und die Onlineverlängerung als Reichweitenplus mit dazu bekommt. Neben diesen Startschwierigkeiten, die hinsichtlich Zählung und Studien bis heute nicht behoben sind, macht es die sehr große Fragmentierung nicht einfacher für das Webradio, die  Zuneigung der werbenden Industrie zu gewinnen. Es fehlt mitunter auch an dem überraschenden Zusatznutzen. Ein reines Versprechen hinsichtlich einer besseren Zielgruppenaussteuerung kann ich immer mit einem Reichweitenplus kontern. Denn selbst auf die Gefahr hin, dass es nicht sexy klingt: Ist die Masse günstig genug, verzichte ich auf Zielgenauigkeit und es sind dann doch nur wenige Fälle, in denen Kontakte außerhalb der Zielgruppe als reine Streuverluste zu deklarieren sind. Genauso sucht man Zusatzfeature vergebens. Spannend wären ja zum Beispiel Tandems aus Bannern und Audiospots, aber hier machen Technik (fehlende Synchronisierung) und Nutzungsverhalten einen Strich durch die Rechnung.

Als ob das noch nicht genug wäre, lauert bereits ein Feind, dessen  Siegeszug wahrscheinlich auch das Webradio in dessen jetziger Form in Mitleidenschaft ziehen könnte, bevor die Party  überhaupt angefangen hat. Denn Streaming-Dienste wie Spotify oder neuerdings Ampaya dürften in Sachen Online-Musikkonsum die neuen Trendsetter sein. Deren Mehrwert liegt auch klar auf der Hand: Neben der freien Auswahl sind kuratierte Playlists jederzeit abrufbar und machen anderweitigen Musikangeboten das Leben schwer. Es ist die perfekte Symbiose aus Radio und selbstbestimmtem Musikerlebnis.

Was dem Webradio den Rest geben könnte, dürfte für digitale Audiowerbung eine Initialzündung sein. Denn zumindest die Fragmentierung stellt kein Hindernis mehr dar und eine einheitliche technische Infrastruktur erleichtert das Voranbringen innovativer Werbekonzepte doch ungemein.

Dominik Frings ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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