Suchmaschinenoptimierung | | von Eric Kubitz

Warum Googles neue Verschwiegenheit nicht schadet

Suchmaschinenoptimierer ärgern sich, denn Google dreht ihnen den Datensaft ab. Bisher konnte man in der Web-Analyse schnell erkennen, über welche Keywords die Besucher der Suchmaschine gekommen sind. Doch stattdessen sieht man dort größtenteils nur noch den Hinweis "(not provided)" - egal, ob bei Google Analytics, eTracker, Econda oder im Site Catalyst von Adobe. Wir wissen weiterhin, wie viele User via Google auf unsere Seite kommen - aber wir haben keine Ahnung mehr, was diese zuvor bei Google gesucht haben. Auf der Seite "notprovidedcount.com" (http://www.notprovidedcount.com/) ist zu sehen, dass weniger als 20 Prozent der Keywords noch angezeigt werden (siehe Bild oben). Wie soll  man da noch SEO machen? 

Kreative Gegenfrage: Sind detaillierte Keyword-Daten wirklich so wichtig?

Was bisher geschah...

Rollen wir das Thema von vorne auf: Wozu brauchen wir diese Keywords? Erstens können wir damit besser einschätzen, wie viele Menschen danach überhaupt suchen. Denn die sonst nur via AdWords Keyword Planer erhältlichen Angaben über das Suchaufkommen sind bestenfalls vage. Wenn ich aber weiß, wie viele mögliche Kunden nach dem Suchbegriff "iPhone" suchen, kann ich meine Anstrengungen entsprechend budgetieren. Und zweitens geht es um Differenzierung: Wenn ich in meiner Web-Analyse erfahre, dass Besucher, die zuvor "schwarzes iPhone" gesucht haben, zu 3,5 Prozent ein solches gekauft haben, während Besucher mit "weißes iPhone" nur zu 0,2 Prozent zu Kunden konvertiert sind, weiß ich, wohin ich meine Energie stecke. 

Naja, und diese Daten finde ich in meiner Web-Analyse nur, wenn Google diese Keyword-Informationen übermittelt. 

Es geht also um das Erforschen von Big Data. Und Google - der weltgrößte Fan von Big Data - ist nicht mehr so freizügig wie bisher mit seinen Informationen. Warum? Vermutlich nicht, um den SEOs das Leben schwer zu machen, sondern aus Datenschutzgründen: Denn Google-Sucher, die in ihrem Google-Account angemeldet sind, erhalten nun eine HTTPS-verschlüsselte Verbindung zu ihrer Lieblings-Suchmaschine. Eine feine Sache in Zeiten von Prism und erstarkten Datenschützern. Leider, so Google, macht eine Verschlüsselung die Übergabe des Keyword-Referrers unmöglich. So wird die steigende Kurve des "(not provided)“-Traffics zum plakativen Gradmesser von Googles Datenschutzbemühungen. 

Dass man die Keywords trotzdem übergeben könnte und dass bei Google möglicherweise noch andere Gedanken eine Rolle spielen, lassen wir hier mal beiseite. Nehmen wir es einfach so, wie es ist: Wir bekommen weniger Detail-Daten in unserer Web-Analyse. 

Auf der Suche nach Alternativen

Können wir die Daten ersetzen? Nur ein bisschen: 

  • Erstens bekommen alle, die mit AdWords werben, dafür weiterhin alles. Klar: Google weiß, wohin die Werbekunden springen, und kann den Anzeigenkunden dementsprechend Views und Klickrate anzeigen - HTTPS hin oder her. Hinsichtlich der beworbenen Landingpages kann eine Auswertung also weiterhin gemacht werden. Doch das hilft uns wenig, weil organischer und bezahlter Suchmaschinentraffic sinnvollerweise auseinander gehalten werden.
  • Zweitens gibt es Positions- und Volumendaten von den Tool-Anbietern wie Searchmetrics, Sistrix & Co.Zum Beispiel bündelt Searchmetrics die Position in den Suchergebnissen mit dem daraus resultierenden rechnerischen Traffic für die Auswertung. Viel besser als gar keine Daten ist das allemal. Die unterschiedliche Conversion bleibt natürlich weiterhin ein Rätsel, aber für eine gepflegte Keyword-Analyse passend zum eigenen Suchvolumen sind die Daten ausreichend.

Andere Frage: Brauchen wir die Daten überhaupt (noch)?

Stellt sich die Frage, ob SEO nun tot ist - oder ob uns Googles neue Verschwiegenheit gar nicht so sehr kratzen müsste. 

Klar ist es super, wenn ich weiß, dass ich mit meinem SEO-Blog für den Suchbegriff "SEO" auf Position vier bin und darüber täglich soundsoviele Besucher kommen. Andererseits verstellt das auch den Blick für andere wichtige Überlegungen, die ein Online-Marketer anstellen sollte: Welche meiner Seiten funktioniert insgesamt bei Google am besten? Wohin geht der größte Google-Traffic? Und vor allem: Warum? Was habe ich dort, was ich woanders nicht habe? In meinem SEO-Blog-Beispiel ist die Seite für die Keyword-Recherche uneinnehmbar top. Also sollte ich mir mal überlegen, woran das liegt...

 

Und das hat mit einzelnen Keywords meist verdammt wenig zu tun. Denn die meisten Besucher kommen schon lange nicht mehr über einen einzelnen, kurzen Suchbegriff wie "SEO" sondern suchen tief im Longtaill, also mit Mehrwort-Suchbegriffen. Solche Suchkombinationen bewegen mittlerweile gemeinsam viel mehr, als ein einzelnes Shorthead-Keyword. Fest steht auch: Ein Besucher, der zuvor sehr detailliert gesucht hat und schließlich die Lösung seines Problems auf meiner Seite findet, ist ein viel besserer Besucher, als einer, der sich nur grob orientieren wollte. Seine Bindung (oder Dankbarkeit?) ist viel höher. Um das zu verstehen, brauche ich keine Web-Analyse.  

Fazit: SEO ist eh schon anders

Also stecken wir den Ärger über die neue Verschwiegenheit von Google weg. Wer dank hoher "(not provided)“-Quoten gar das Ende von SEOhausen beschwört, sollte besser noch einmal darüber nachdenken. Natürlich sind weniger Daten immer schlechter als mehr Daten. Aber vielleicht bleibt dadurch auch mal Zeit für neue Überlegungen. Schimpft nicht, seid kreativ! 

Eric Kubitz ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ab sofort ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreiten. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Warum Googles neue Verschwiegenheit nicht schadet

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(2) Leserkommentare

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht