Christina Hütten | | von Christina Hütten

Twitter: Marken können vom neuen Algorithmus profitieren

Was die User zum #Twitterstreik treibt, könnte sich für Marken als Glücksfall entpuppen: die neue Twitter-Timeline. Bisher dachten die meisten Twitternutzer, ihre Timeline sei eine ungefilterte, chronologische Abfolge der Beiträge von Accounts, denen sie folgen. Das ist nun anscheinend vorbei - zum Leidwesen eingefleischter Twitter-Fans. Aktuell arbeitet Twitter an seinem Algorithmus und möchte in Zukunft die Timeline der Nutzer dahingehend optimieren, auch interessanten Content, der nicht aus dem eigenen Netzwerk stammt, anzuzeigen. Ähnliches bietet Facebook schon eine Weile mit seinen Hauptmeldungen (Top Stories) an.

Ziel ist es, gerade neuen Nutzern den Einstieg bei Twitter zu erleichtern und bestehenden Accounts mehr Inhalte basierend auf den Aktivitäten von Kontakten in die Timeline zu spielen. Damit bewegt Twitter sich immer weiter weg von der bisher chronologisch geordneten Timeline. Das wird bei vielen aktiven Twitterusern auf wenig Gegenliebe stoßen, da sie viel Zeit investiert haben, um ihre eigene Timeline aufzubauen. So klagt etwa Tobias Gillen, Basic Thinking, für ihn sei Twitter jetzt "kaputt". Derzeit werden, zusätzlich zu Retweets, auch Favoriten anderer User in der eigenen Timeline angezeigt. Damit hat Twitter schon den ersten Schritt in Richtung Hauptmeldungen unternommen. In Zukunft soll hier ein noch stärkerer Fokus liegen.

Und genau hier wird es dann auch für Marketer interessant. Es ist durchaus vorstellbar, dass über diesen Weg auch mehr Ansatzpunkte für Advertising geschaffen werden. Etwa neue Arten von Promoted Tweets, die auf die Interaktionen der Nutzer in einem Netzwerk abzielen. Die Halbwertszeit eines Tweets liegt bei etwa 24 Minuten. Danach verschwindet er im Nirvana der persönlichen Timeline. Durch Promoted Tweets kann eine höhere Verweildauer erkauft werden, allerdings halten sich hier die Chancen in Grenzen.

Sollte es demnächst möglich sein, die Interaktionen anderer User als Sprungbrett zu nutzen, um mehr Reichweite zu erhalten, wird gutes Community Management auf Twitter zunehmend wichtiger. Gerade dieser Punkt wurde von vielen Unternehmen bisher eher stiefmütterlich behandelt. Teilweise wohl auch zu Recht, denn die organische Reichweite eines Tweets liegt mit zehn Prozent nur minimal höher als bei einem Facebook Post. Durch die neuen Anpassungen in der Timeline könnte sich dies allerdings massiv ändern. Es wird immer wichtiger, auch bei Twitter attraktive Inhalte zu posten, die User zu Interaktionen anregen. Unternehmen, die bereits einen Twitter-Account betreiben, sollten ihre Strategie entsprechend anpassen und Twitter nicht weiterhin nur als Verlängerung von Facebook einsetzen. Die recht neuen Analytics erlauben jedem Nutzer  - auch ohne kostspielige Tools - direkten Zugriff auf die eigenen Statistiken und somit eine erste Auswertung. Es lohnt sich, mit verschiedenen Arten von Tweets und Tageszeiten zu experimentieren. Wichtig ist zu erkennen, dass Twitter gerade in bestimmten Zielgruppen ein deutlich höheres Potential hat als Facebook und eine Änderung der Timeline auch ohne Mediaeinsatz für Brand Channel durchaus positive Effekte bringen kann.

Christina Hütten ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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