Trolle vertreiben Prominente ausTwitter
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Twitter | | von Annette Mattgey

Trolle vertreiben Prominente ausTwitter

Unflätige und pietätlose Kommentare führen dazu, dass Prominente dem Nachrichtendienst Twitter den Rücken kehren. Darunter etwa die britische Moderatorin Helen Skelton. "Ich bin wohl nicht dickfellig genug. Daher schließe ich meinen Twitter-Account." meldete sich Skelton bei ihren rund 40.000 Followern ab. Skelton hat bei der BBC eine Kindersendung moderiert und machte durch spektakuläre Aktivitäten (mit dem Rad zum Südpol) von sich reden. Aktuell war die 29-Jährige während der Olympischen Spiele im Einsatz. Auch wenn sie sich dazu nicht geäußert hat, vermuten Insider, dass sich die beleidigenden Tweets auf ihre Interviews am Rande der Wettkämpfe bezogen. Empört über das Troll-Unwesen zeigte sich auch Kirstie Allsopp, die auf Channel 4 unter anderem mehrere Wohn-Magazine moderiert. Sie hat die Polizei eingeschaltet, um gegen "vollkommen widerliche und unakzeptable" Botschaften zweier anonymer Twitter-Nutzer vorzugehen. Allsopp bleibt Twitter zwar treu, ließ ihre 235.000 Follower aber wissen: "Ich werde es nicht hinnehmen, wenn mir einer schreibt, ich solle mir in den Unterleib schießen oder mit einem Spaten in meiner Vagina verbluten. Bedrohungen sind absolut unannehmbar." Sie bedauert, dass es keine Möglichkeit gibt, die Trolle auch ohne Einschalten der Polizei zu stoppen. In Deutschland musste sich Hochspringerin Ariane Friedrich gegen einen Facebook-Stalker wehren. Ihr Vorgehen, Name und Ort des Täters öffentlich zu machen, wurde heiß diskutiert. Am Ende verpassten die Gerichte dem Stalker eine Geldstrafe wegen Verbreitung pornografischer Schriften und Beleidigung. 

Die Gemüter erregte auch eine Polizei-Aktion im britischen Dorset. Dort setzten die Beamten einen 17-Jährigen fest, der bösartige Nachrichten an den Turmspriger Tom Daley geschrieben hat. Die Inhaftierung war als überzogener Schnellschuss kritisiert worden, nur um der Empörungswelle auf Twitter Rechnung zu tragen. Andere halten dagegen, dass im virtuellen Raum die gleichen Regeln gelten wie auch sonst in der Öffentlichkeit. Daley musste sich von dem Jugendlichen geschmacklose Anspielungen auf seinen verstorbenen Vater anhören. Daley retweetete die Botschaft an seine mehr als eine Million Follower. Diese riefen prompt zum Rachefeldzug gegen den Autor auf.

In die Offensive ging auch die britische Gewichtheberin Zoe Smith. "Ich zeige Euch den Stinkefinger" twitterte sie an ihre Internetkritiker, als sie den britischen Rekord brach und 121 Kilo stemmte. Nach einer TV-Dokumentation waren ihre Team-Kolleginnen und sie wegen ihres Aussehens und der Wahl der Sportart angefeindet worden. Damit ist sie nicht alleine: Schwimmerin Rebecca Adlington, Gewinnerin der Bronze-Medaille über 400 m Freistil, wurde ebenso angepöbelt wie die Fußballer Micah Richards und Darron Gibson, die beide Twitter verlassen haben. Andere Sportler wie der Turner Louis Smith, ebenfalls Bronze, halten sich ebenfalls fern: "Es ist bloß die eine Nachricht. Du kannst 100 nette bekommen, aber da steht auch die eine, die Du nicht sehen willst. Daher habe ich aufgehört zu twittern."

Ursprünglich machte es gerade den Reiz von Twitter aus, dass hier prominente neben nichtprominenten Namen stehen. Der britische Schauspieler und Regisseur Stephen Fry, der schon früh auf Twitter zu finden war, drohte bereits mehrmals, das Netzwerk wegen missbräuchlicher Botschaften zu verlassen.

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