Mobilität der Zukunft: Innerhalb eines festgelegten Stadtgebiets können sich Nutzer per Smartphone bequem ein Car-Sharing-Auto oder ein Robotertaxi ordern, das für die Weiterfahrt fahrerlos zu ihnen gefahren kommt.
Mobilität der Zukunft: Innerhalb eines festgelegten Stadtgebiets können sich Nutzer per Smartphone bequem ein Car-Sharing-Auto oder ein Robotertaxi ordern, das für die Weiterfahrt fahrerlos zu ihnen gefahren kommt. © Foto:Mercedes

Bertelsmann-Studie | | von Annette Mattgey

Starke Vorbehalte gegenüber autonomen Fahrzeugen

Die größten Vorteile selbstfahrender Autos sieht die Bevölkerung in Deutschland laut einer Studie vor allem bei anstrengenden Fahrten und routinierten Strecken. Dennoch herrschten bei zwei Drittel der Befragten noch überwiegend Skepsis und Ängste vor, wie Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergab. Dementsprechend können sich 61 Prozent auch nicht vorstellen, ein selbstfahrendes Auto zu nutzen. Dabei sehen die Befragten durchaus für etliche Gruppen einen möglichen Gewinn an Mobilität: Am häufigsten genannt werden Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, Menschen ohne Führerschein, Touristen und Stadtbewohner.

Akzeptanz und Aufgeschlossenheit steigen jedoch, je mehr Zeit die Menschen im Auto sitzen. Am liebsten würden die Menschen bei einer computergesteuerten Fahrt aus dem Fenster schauen (73 Prozent der Befragten), einfach entspannen (59 Prozent), lesen (47 Prozent) oder im Internet surfen (39 Prozent)

Bei längeren Autobahnfahrten (59 Prozent) und Nachtfahrten etwa in den Urlaub (51 Prozent) versprechen sich die Menschen demnach am ehesten einen Nutzen. Für 44 Prozent wäre ein autonomes Fahrzeug auch bei der täglichen Fahrt zur Arbeit gut denkbar. "Je stressiger die Situation, um von A nach B zu kommen, desto offener sind die Menschen für digitalen Fortschritt im Straßenverkehr", sagte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.

Die Experten räumen der Technik auch gute Chancen im öffentlichen Nahverkehr ein: Sie halten es für wahrscheinlich, dass das automatisierte Fahren zwischen 2027 und 2037 zumindest auf vorgegebenen Routen funktioniert. Autonome Shuttles verkehren dann als Linienbus, Schulbus oder Zubringer zum nächstgelegenen Bahnhof - und helfen damit vor allem Jugendlichen und Senioren im ländlichen Raum. "Wenn der Personen-Nahverkehr durch Automatisierung günstiger und das gesparte Geld in bessere Taktung und mehr Angebote investiert würde, würde das den ländlichen Raum erheblich attraktiver machen", sagt Brigitte Mohn.

Allerdings stehen 67 Prozent der Befragten dem autonomen Fahren grundsätzlich misstrauisch gegenüber. Am häufigsten ist die Angst vor Unfällen (84 Prozent) der Grund dafür, dicht darauf folgt die Sorge vor dem Verlust der eigenen Kontrolle über das Auto (83 Prozent) und die Furcht vor Hacker-Angriffen (74 Prozent). Mobilitätsexperten erhoffen sich dagegen umgekehrt einen Anstieg der Sicherheit durch automatisiertes Fahren, weil menschliche Fehlerquellen wie langsame Reaktionszeit, Müdigkeit, und Ablenkung ausfallen.

Große Chancen sehen die Fraunhofer-Experten im Einsatz selbstfahrender Autos für das Car-Sharing. Die Autos würden ähnlich wie Taxis funktionieren: Sie holen den Fahrgast ab und kehren nach der Fahrt selbstständig zu ihrem Standort zurück. Die Forscher halten diese Möglichkeit sogar für so attraktiv, dass sie davor warnen, die Nachfrage nach Autos könnte erheblich zunehmen und die Straßennetze belasten. Dies träte wohl vor allem dann ein, wenn Car-Sharing-Modelle als Zweit- oder Drittwagenersatz fungierten. Ganz unwahrscheinlich ist das nicht, denn für 66 Prozent der Deutschen käme trotz dieses komfortablen Modells eines auf keinen Fall in Frage: der Verzicht aufs eigene Auto.

Für die Ergebnisse der repräsentativen Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Emnid zwischen dem 24. und 26. Januar 1015 Personen.

Starke Vorbehalte gegenüber autonomen Fahrzeugen

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