So luchsen Digitalagenturen IT-Läden die Projekte ab
© Foto:Unternehmen

Strategie | | von Annette Mattgey

So luchsen Digitalagenturen IT-Läden die Projekte ab

Wie es Digitalagenturen gelingt, sich als Ansprechpartner nicht nur für crossmediale Kampagnen, Applikationen und Plattformen sondern auch für IT-Projekte zu positionieren, erklärt Marc Mundt, Geschäftsführer der Digitalagentur Di Unternehmer.

Marketing und IT, Kreation und Technologie – das waren lange Zeit klar getrennte Bereiche. Nach wie vor beauftragen vor allem die Marketingabteilungen Kreativ- und Digitalagenturen, während sich IT-Leiter zuerst an Software-Schmieden wenden. Das klingt naheliegend, doch tatsächlich ist diese Aufteilung überholt, denn digitale Projekte kann man schon lange nicht mehr in Marketing und IT trennen.

Das zeigt ein Beispiel aus dem E-Commerce: Ein Händler hat einen gut laufenden Online-Shop und plant eine kreative Aktion für seine Kunden. Die Idee ist gemeinsam mit der Digitalagentur schnell gefunden, aber die Umsetzung ist komplexer als gedacht. Das Gewinnspiel muss mit dem CRM-System und anderen Schnittstellen im Unternehmen verbunden werden sowie die Coding- und Sicherheitsstandards einhalten. Damit sich weitere Aktionen künftig unkompliziert integrieren lassen, entwickelt die Agentur letztlich ein Softwaremodul, das sie immer wieder adaptieren kann.

Eine scheinbar kleine, kreative Aktion entpuppt sich so als ein langfristiges, technologisches Projekt. Das gilt auch umgekehrt: So verlangt auch die Entwicklung von Kollaborations-Software, Intranets oder Transaktionsplattformen Kommunikations-Knowhow. Gute Digitalagenturen profitieren von dieser Entwicklung: Sie kombinieren Kreativität mit tiefgreifender Technologie-Expertise.

Digitalagenturen müssen CIOs überzeugen

Digitalagenturen entwickeln bereits eine große Bandbreite vielfältiger digitaler Lösungen für Business- und Consumer-Anwendungen auf unterschiedlichsten Plattformen. Ihre Arbeit unterscheidet sich im Kern kaum von der eines Software-Unternehmens: Auch Shops und Plattformen sind letztlich Software-Produkte, die die gleichen Entwicklungsprozesse wie Software erfordern.

Doch um künftig noch besser mit reinen IT-Unternehmen konkurrieren zu können, müssen Digitalagenturen ihr technologisches Know-how weiter ausbauen. Denn für Unternehmen werden Themen wie Betriebsmanagement, Datenmanagement und -sicherheit sowie Schnittstellen-Kompatibilität zunehmend wichtiger.

Zugleich bestimmen digitale Technologien mehr und mehr das Marketing. Wenn Digitalagenturen sich in diesem Bereich stärker profilieren, können sie auch immer mehr IT-Leiter und Produktmanager in Unternehmen für sich gewinnen.

Den erste Schritt auf diesem Weg können Digitalagenturen gehen, indem sie bestehende Kundenbeziehungen ausbauen: Viele Online-Shops oder andere digitale Plattformen müssen ständig inhaltlich und technologisch aktualisiert und betreut werden. Das können Digitalagenturen für sich nutzen, indem sie das Betriebsmanagement direkt mit anbieten oder bei Bedarf übernehmen. So werden sie von Dienstleistern, die einzelne Projekte entwickeln, zu integrierten Technologiepartnern, die ein Unternehmen langfristig auf Augenhöhe betreuen. Zudem können sie neue Auftraggeber – auch in der IT – gewinnen und einen neuen Geschäftsbereich aufbauen.

Die Agenturen müssen dazu neue Strukturen und Arbeitsprozesse aufsetzen: Sie wickeln nicht länger in sich abgeschlossene getrennte Kreativ- oder Technologie-Projekte ab, sondern managen eine ganzheitliche Plattform oder ein Produkt – und zwar langfristig. Außerdem sollten die Agenturen marketinggetriebene und technikgetriebene Projekte gleich behandeln und bereits beim Briefing Marketing- und IT-Abteilungen mit einbeziehen. So können gute Ideen und gute technologische Lösungen gedeihen.

Die Unternehmen profitieren ebenfalls von dieser Entwicklung, denn die Agenturen haben Erfahrung darin, sich schnell in technische Insellösungen von Unternehmen sowie in deren IT-Systeme einzuarbeiten. Und wenn die Digitalagenturen zugleich ihre Erfahrung in Marketing und Kommunikation einbringen, dann können die Unternehmen mit einem einzigen Ansprechpartner zusammenarbeiten. Sie können gemeinsam neue Lösungen entwickeln, um interne Businessprozesse und die Prozesse ihrer Kunden zu managen.

Vorsprung durch Kreativität

In einem Punkt haben die Digitalagenturen bereits einen Vorsprung gegenüber den IT-Unternehmen: Sie entwickeln Software für Konsumenten, die Spaß macht. Dieses Kommunikations-Knowhow sollten Digitalagenturen weiter stärken und betonen. Sie brauchen wie IT-Unternehmen Köpfe, die technologisches Wissen und Freude daran haben, unterschiedlichste Projekte und vielleicht sogar Produkte zu entwickeln. Tiefgreifendes Wissen rund um User-Experience und Frontend-Konzeption haben sie allerdings bereits.

Fazit

Wenn Digitalagenturen sich als Kreativ- und Technologiepartner profilieren, werden sie als Partner gesehen, die Kampagnen und Applikationen von der Idee bis zum Livegang entwickeln – und sie langfristig managen. So haben sie die Chance die neuen Player in der Kommunikations- und der IT-Branche zu werden.

Marc Mundt, Jahrgang 1975, gründete im Jahr 2000 gemeinsam mit Jan Heinritz die Digitalagentur Di Unternehmer mit Sitz in Wiesbaden und Hamburg. Beide sind Geschäftsführer der Agentur. Mundt verantwortet den Bereich„Strategie & Innovationen“ der gesamten Agentur. Zudem entwickelt der Diplom-Medienwirt aktuell für Kunden wie Otto, bonprix und Gruner + Jahr digitale Marketinglösungen. Di Unternehmer konnten sich 2010 beim Finale des CREA Credential Award 2010 in Hamburg in der Kategorie Digital/Online durchsetzen. Beim Annual Multimedia Award 2012 gewannen sie zwei Silber-Auszeichnungen in der Kategorie Website/Portal.

So luchsen Digitalagenturen IT-Läden die Projekte ab

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(1) Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht