So kalkulieren Sie TV-Apps richtig
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Strategie | | von Annette Mattgey

So kalkulieren Sie TV-Apps richtig

Apps für den Fernseher sind von Grund auf anders als Smartphone-Anwendungen. Das sollte man in der Kostenkalkulation berücksichtigen, findet Bettina Streit, Geschäftsführerin der auf digitale Medien spezialisierten Agentur Coeno. Im ersten Teil ihres Gastbeitrags hat sie erläutert, welche Überlegungen vor dem App-Einsatz nötig sind. 

Wie werden die Kosten für eine TV-App kalkuliert?

Die Erstellungskosten einer App basieren auf dem zeitlichen Aufwand (Personentage/Stunden) und dem Stunden- bzw. Tagessatz des beauftragten Dienstleisters. Prinzipiell beinhaltet ein App-Projekt folgende Leistungen

- UI-Konzeption: Basiskonzept und Deklination

- UI-Design: Rahmendesign und Designdeklination

- HTML-/CSS-Erstellung

- Prototyp-Entwicklung (optional, aber für das frühzeitige Erkennen von Usability-Problemen sehr, sehr sinnvoll)

Applikationsentwicklung

- Wenn notwendig: Backend-Entwicklung oder API-Entwicklung

- Bei Bedarf: Lizenzkosten für beispielsweise Fonts oder Bildmaterial

 Kleine Entscheidungsrunden beschleunigen die App-Entwicklung

Die Entwicklungsdauer hängt in starkem Maße von den Entscheidungszyklen und der Anzahl der Beteiligten auf Kundenseite ab. Bewährt haben sich kleine und schlagkräftige Entscheiderkreise – je weniger Mitspracheberechtigte, umso schneller steht die App.

Davon abgesehen ist der zeitliche Aufwand abhängig vom Umfang der App, also der Anzahl an unterschiedlichen Ansichtsarten und Funktionen innerhalb der Applikation und bewegt sich zwischen drei und sechs Monaten. Die Tendenz der durchschnittlichen Entwicklungszeit geht aber eher Richtung halbes Jahr. Eingespielte, erfahrene Teams, die nach einem agilen Ansatz bei der Software-Entwicklung arbeiten, sind schneller.

Beispiel: Mediathek-artige App (ohne Login und Verwaltungsfeatures) – Zeitaufwand in Personentagen (PT)

Die Voraussetzungen des Beispielauftrags: Vorhandene API (Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung) für die Bereitstellung von Funktionen und Inhalten. Ein Corporate Design ist bereits vorgeben.

Gefordert: App-Entwicklung für standardisierte Plattform (wie HbbTV) auf neuesten TV-Geräten (mit entsprechender Performance)

- Aufwand für Konzeption zwischen 25 und 35 PT

- Aufwand für Design auch zwischen 25 und 35 PT

- Aufwand für Prototypen ca. 15 PT

- Aufwand für HTML-/CSS-Vorlagen ca. 20 PT

- Aufwand für Entwicklung zwischen 80 und 100 PT

Geht das auch günstiger und falls ja, unter welchen Bedingungen?

Die Entwicklungskosten, also der Zeitaufwand, können nur dann gesenkt werden, wenn Teile der App bereits vorhanden sind. Das ist jedoch selten der Fall.

Was nicht funktioniert, ist eine 1:1-Übertragung aus der Web/Mobile-Welt. Konzepte, Designs und die User-Interface-Programmierung müssen die besonderen Gegebenheiten bei TV-Apps berücksichtigen und spezielle für diese entwickelt und umgesetzt werden.

Welche Faktoren machen TV-App-Entwicklungen teurer?

Eine schlecht durchdachte Konzeption, die später in der Entwicklung ausgebessert werden muss, verteuert jede App erheblich. So kann der Zusatzaufwand für eine Entwicklung um den Faktor 100 steigen, wenn beispielsweise Usability-Probleme kurz vor einem Live-Gang gefunden und gefixt werden müssen, anstatt diese bereits zu einem frühen Zeitpunkt im konzeptionellen Prozess an einem Prototypen zu ermitteln.

Die Entwicklungskosten steigen auch, wenn die App viele verschiedene Plattformen unterstützen soll, beispielsweise TV-Plattformen von Herstellern wie LG, Samsung, Philips, aber auch Google & Co. Hier empfiehlt es sich, z.B. direkt auf den HbbTV-Standard zu gehen. Auch die Unterstützung der Gerätefähigkeiten diverser Plattformen, beispielsweise Set-Top-Boxen, ältere TV-Geräte, Blue-Ray-Player, Spielekonsolen etc., verursacht Mehrkosten.

Diese Vorgaben gilt es bereits im Vorfeld zu berücksichtigen und entsprechend frühzeitig in die Entwicklung einzuplanen, um kostensicher zu arbeiten.

Bettina Streit, 46, ist eine ausgewiesene User-Experience-Spezialistin. Mit der von ihr 2004 gegründeten Agentur coeno realisiert sie UX-basierte TV- und Entertainment-Lösungen für die wichtigsten Player der Branche, darunter Kabel BW, maxdome, nacamar und Vodafone. Streit studierte Linguistik, Markt- und Werbepsychologie sowie Informatik in München.

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