Eric Kubitz | | von Eric Kubitz

Sind SEOs die besseren Online Marketer?

Die einen hassen Suchmaschinenoptimierer, weil sie womöglich das Internet kaputt gemacht haben. Die anderen setzen alle ihre Hoffnungen in die Tricks der SEOs., wenn es grad nicht mit Google funktioniert. Leistungsschutzrecht hin, Datenschutz her: Ohne Google wird keine Webseite wirklich populär. Nun, ich bin so ein SEO - und ich denke, die Vertreter beider Extrempositionen haben unrecht. Es wird Zeit, ein paar Dinge klar zu stellen. Und vielleicht kommt dabei heraus, dass SEO die besseren Online Marketer sind. Vielleicht...

Fangen wir damit an, was Suchmaschinenoptimierer eint. Das ist eine sehr kurze Liste: Sie versuchen, Webseiten gute Rankings zu verschaffen. Punkt. Alles andere gehört auf die Liste der Dinge, über die sich selbst SEOs miteinander streiten. Die einen glauben nämlich, jede Webseite gut bei Google positionieren zu können. Die anderen sind der Meinung, dass es nur wirklich gute, nutzerfreundliche und informative Webseiten in den Google-Olymp schaffen. Die einen glauben, mit fiesen Tricks wie Linkkauf oder dem Re-Publishing alter Beiträge ihren Job getan zu haben. Die anderen sorgen sich um Content, HTML, Crawlability, Nutzerverhalten, Social Media und Popularität. Halten wir fest: SEO ist nicht gleich SEO. 

Zurück zu den SEO-Hassern: Die behaupten, die Suchmaschinenoptimierer haben das Internet kaputt gemacht. Und es gibt zwei gute Gründe, die dafür sprechen. Erstens können doch nur SEOs dafür verantwortlich sind, wenn echt miese Seiten bei Google Top-Positionen bekommen. Oder? Und dann diese täglichen Linkanfragen zur scheinheiligen "Webverbesserung". Radebrechende E-Bettelbriefe mit dem Ziel einen Link abzustauben, die jeder Webseitenbetreiber kennt. Das nervt. 

Und, richtig: Es gab und gibt miese SEO-Praktiken. Allerdings haben nur die Traditionalisten unter den SEOs und ihren Kunden immer noch nicht mitbekommen, dass diese Zeiten vorbei sind. In Mountain View arbeiten tausende Ingenieure daran, statt stumpfer Backlink-Signale elegante und verlässliche Ranking-Signale in den Google-Algorithmus aufzunehmen. Mit großem Erfolg, der meist auf Namen wie "Panda-Update" oder "Penguin-Update" hört.   

Ist also aus einer Schmuddel-Branche ein blütenweißes Geschäft geworden? Nein, sicher nicht. Es gibt noch immer reichlich Blender, die glauben ihre Kunden mit Tricks ködern zu können. Und es gibt immer noch Kunden, die sich davon ködern lassen. Ganz wie im richtigen Leben - etwa wenn es um Versicherungen, antike Möbel oder Facebook-Shares geht. 

Was hat sich Google nicht alles einfallen lassen, um die Suchergebnisse von Spam frei zu bekommen. Folgende Ranking-Faktoren wurden in den vergangenen Jahren diskutiert und dürften eine Rolle im großen Such-Algorithmus spielen: 

- Performance (also die Geschwindigkeit) der Webseite.

- Social Media Signale. Warum sonst hätte Google sonst Google Plus basteln sollen?

- Authorship, und damit die Verbindung eines Beitrags auf Spiegel Online und einem unbekannten Blog über den Autor. 

- Traffic, also die Besucherströme, die Google immer besser messen und zählen kann.

- Brand-Faktoren, das meint die Tatsache, dass eine Seite schon im Gedächtnis vieler User eingebrannt ist. 

- Semantische Konzepte wie WDF*IDF oder Konkurrenzen zur Messung von "natürlichen" Inhalten.

- Besucher-Verhalten auf Webseiten, also Verweildauer und Absprungrate.

Siehe da: Das sind alles Faktoren, die nicht so einfach zu manipulieren sind. Meist recht verlässliche Signale für die Qualität von ordentlichem Content oder der Zufriedenheit von Usern. UND: Alles Rankingfaktoren, die in den vergangenen Jahren nach und nach von der SEO-Branche diskutiert und in das analytische und optimierende Toolset aufgenommen wurden. 

Mit anderen Worten: Suchmaschinenoptimierer mussten sich in den vergangenen Jahren sehr intensiv mit Besucherströmen, User-Verhalten, Social Media, hochwertigen Inhalten und Brands beschäftigen. Ich kenne keine Sub-Branche im Online-Marketing, in der man so über seinen eigenen Tellerrand schauen muss. Und wer nicht ganz blöd ist, wird sich dadurch auch einiges an Fähigkeiten draufgeschafft haben. 

Haben das die SEOs gut und verlässlich getan? Sicherlich nicht alle. Viele aber schon. Wenn ich mich bei meinen Kollegen umschaue, sehe ich Leute wie Jens Fauldrath, Karl Kratz, Marco Janck oder Marcus Tandler, die der SEO-Branche auf Konferenzen nicht nur gutes Online-Marketing predigen, sondern das auch in ihrer eigenen Arbeit umsetzen. Ich finde, dass man ihnen nicht (mehr) vorwerfen kann, das Internet kaputt zu machen. 

Warum schreibe ich das auf? Natürlich will ich ein bisschen Branchenmarketing für uns betreiben. Ich habe es einfach satt, mit folkloristischen Wirrköpfen in einen Topf geworfen zu werden, die immer noch SEO mit Linkbuilding verwechseln. Und dann springt noch ein ganz praktischer Tipp für die Leser hier raus: Möglicherweise lohnt es sich, den SEO auch mal bei anderen Themen als dem besseren Ranking in den Google Suchergebnissen zu konsultieren. Nur so als Idee...

Und nun? Sind SEOs denn nun die besseren Online Marketer? Ich würde sage: Vielleicht, manchmal…

Eric Kubitz ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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