Sena Rahma ist Managing Partner bei Echte Liebe.
Sena Rahma ist Managing Partner bei Echte Liebe. © Foto:Echte Liebe

Interview | | von Annette Mattgey

Programmatic Advertising: Woran der deutsche Markt krankt

Echte Liebe - so auch der Name der von ihr mitgründeten Agentur - empfindet Sena Rahma für datengetriebenes Marketing. Dabei muss es nicht nur kalt und maschinell zugehen, begründet sie die Namensgebung. Warum Sie den Weg in die Selbstständigkeit gewählt hat und wie Sie sich zum heiklen Thema Datenschutz stellt, erzählt sie im LEAD digital-Interview. Zum Thema "Politik & Datenschutz" sitzt Rahma auf dem Podium bei der Digitalkonferenz d3con nächste Woche in Hamburg.

In Ihrer Vita kommen sowohl Großkonzerne als auch kleinere Unternehmen vor. Wie unterscheiden sich da die  Kulturen?

Es sind vor allem die kürzeren Entscheidungswege, die in kleinen Unternehmen gewisse Vorteile mit sich bringen. Wir profitieren davon, da wir auf Marktentwicklungen schnell reagieren und entsprechende Produkte einführen können. Auch für die Anpassung unserer Prozesse und Technologien an spezifische Kundenziele ist diese Agilität sehr förderlich.

Unter Ihren Xing-Kompetenzen führen Sie auch "interkulturelle Kommunikation" auf. Eine Hilfe im aktuellen Agenturgeschäft?

Es hilft insofern, als dass man bei der Entwicklung von Strategien die Gegebenheiten der jeweiligen Länder und Kulturen betrachten sollte. Dies gilt nicht nur für die rechtlichen Aspekte und Restriktionen, sondern auch für die Akzeptanz bestimmter Werbeformen in den jeweiligen Märkten. Auch das Hineindenken in komplexe Fragestellungen wird erleichtert, wenn man verschiedene Sichtweisen und vor allem die Problemstellungen kennt.

Was war für Sie der entscheidende Grund, sich selbstständig zu machen?

Wir haben die Agentur Echte Liebe gegründet, um als unabhängiger Spieler frei auf dem Markt agieren und den Werbungtreibenden in Bezug auf datengetriebenes Marketing entsprechende Handlungsempfehlungen aussprechen zu können. Außerdem möchten wir den Wissenstransfer fördern und dafür sorgen, dass die Themen Programmatic Advertising und Big Data gestärkt und mehr Sensibilität für die entsprechenden Fragestellungen entwickelt wird. Dazu gehört natürlich auch die Auswahl und Ausbildung des entsprechenden Personals.

Apropos Ausbildung: Im Bereich Kreation oder Personal sind häufiger Frauen zu finden als bei Big-Data-Themen. Wie würden Sie dem weiblichen Nachwuchs Programmatic Advertising schmackhaft machen?

Insgesamt mag das so sein, aber ich kenne viele Frauen, die sich mit den von Ihnen genannten Themen auseinandersetzen: Unser Team ist ein Beispiel dafür. Im Connected Age führt kein Weg an datengetriebenen Konzepten vorbei. Um diesen Rahmenbedingungen gerecht zu werden, ist eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des datengetriebenen Marketings unabdingbar. Allerdings ist in diesem Kontext ebenfalls eine gewisse Kreativität gefordert, wenn es darum geht, die User an den verschiedenen Touchpoints mit der richtigen Botschaft zu erreichen.

Bei der d3con sitzen Sie auf dem Panel zum Thema Datenschutz. In welchem Punkt würden Sie gerne die anwesenden Politiker von Ihrer Meinung überzeugen?

Dass das Thema Datenschutz in Deutschland sensibel betrachtet und gehandhabt wird, ist sehr zu begrüßen. Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, dass die Einführung neuer Produkte und Geschäftsmodelle nicht durch zu komplexe Auflagen behindert wird. Vor allem im Hinblick auf die datenschutzrechtlichen Restriktionen sollten innovative Konzepte besser gefördert werden.

Gleichzeitig ist eine bessere Aufklärung der Marktteilnehmer notwendig, um den Weg für mehr Innovation und Weiterentwicklung zu ebnen. Die Niederlande beispielsweise sind in Bezug auf Programmatic Advertising und Automatisierung wesentlich weiter. Währenddessen diskutieren die Deutschen über die vermeintlichen Risiken, anstatt die Chancen zu betrachten, die ein souveräner Umgang mit dem Thema mit sich bringt. Höhere Relevanz, geringere Streuverluste, Voraussetzung für die Umsetzung ganzheitlicher, vernetzter Konzepte usw.

Vor allem programmatische Kampagnen mit nachgelagerten Zielen setzen diese Konzepte voraus. Auch die Zusammenführung diverser Datenquellen in einer Data-Management-Plattform zu Planungs- und Kontrollzwecken ist notwendig, um auf weitere Entwicklungen in Bezug auf Automatisierungsprozesse vorbereitet zu sein. Unabhängig von den EuGH-Entscheidungen sehen wir aber auch, dass Werbetreibende ihre "Datenstrategien" überdenken müssen und ihre Partner sorgfältig wählen sollten. Eine Sensibilisierung hat hier bisher, was Chancen und Herausforderungen betrifft, nur teilweise stattgefunden.

*Sena Rahma leitet als Managing Partner das operative Geschäft der Agentur Echte Liebe. Dabei berät sie Agenturen und Direktkunden bei der richtigen Auswahl und Nutzung ihrer Mediakanäle und Daten. Vor der Unternehmensgründung war sie u.a. bei Adcloud, einer Tochter der Deutschen Post DHL, und Bosch Siemens Hausgeräte. Ihr Studienfach Medienmanagement hat sie an den Universitäten in Köln und Lausanne absolviert. 

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