Eric Kubitz | | von Eric Kubitz

Panda 4.0: Google bestraft Ebay und Apple

Oooooops! Google hat den Index wieder mächtig durcheinander geschüttelt. Irritiert schauen wir SEOs auf die Sichtbarkeits-Indices von Searchmetrics und Sistrix, versuchen Muster in die Listen von Gewinnern und Verlierern zu bringen und fragen uns, welche Faktoren beim "Panda 4.0" wohl eine Rolle gespielt haben. Ganz klar ist die Richtung nicht. Aber ich würde es vorsichtig ein "Wiedergutmachungs-Update" nennen.  

Übrigens: "Panda" ist eines der wichtigsten Updates von Google überhaupt, mit dem erstmals 2011 inhaltlich schwache Seiten bestraft wurden. Seitdem gab es zahlreiche Erweiterungen dieses Panda-Algorithmus. Doch wenn Matt Cutts einer solchen Iteration eine neue Ziffer vor dem Komma gibt, muss das Großes bedeutet. Und tatsächlich: Kaum hatte Googles Spamjäger Matt Cutts das Update per Tweet verkündet, haben die beiden großen Anbieter von Search Analyse Tools ihre Rechenmaschinen angeworfen und starke Verwerfungen gefunden. Und auch jetzt, nachdem sich der erste Staub ein wenig gelegt hat, bleibt das Gesamtbild unscharf. 

Die wichtigste News vorab: Richtig fett erwischt hat es zwei Schwergewichte in den Suchergebnissen. Ebay und Idealo mussten mehr als 20 Prozent ihrer Positionen abgeben. So ein Sichtbarkeitsverlust führt zwar nicht gleich zu einem ebenso hohen Traffic-Verlust - aber so zwischen fünf bis zehn Prozent ihrer Suchmaschinenbesucher dürften die beiden seit Ende vergangener Woche vermissen. Das wäre beim IVW-geprüften Ebay bis zu 30 Millionen Visits in den nächsten vier Wochen - auch, wenn das vermutlich eine Milchmädchenrechnung ist. 

 

Bild 1: Ebay und Idealo hat es besonders stark erwischt. Aber auch Amazon hat mächtig an SEO-Visibility eingebüßt. Publisher wie Focus sind etwas besser weg gekommen - haben aber auch fast alle ein bisschen verloren.

[Aktualisierung vom 27.5.: Nach genaueren Analysen scheint Ebay nicht vom Panda 4.0 betroffen sondern zeitgleich manuell durch Google bestraft worden zu sein. Das lässt sich an dem Sichtbarkeitsverlust nur eines Verzeichnisses erkennen. Allerdings bleibt die Richtung - denn es wurden weitgehend inhaltsleere Seiten aus dem Index genommen.]

Ohnehin hört die Ähnlichkeit zwischen Ebay und Idealo bei der Größe im Google-Index auch schon auf. Während Ebay schon im Jahr 2012 zu den ersten Panda-Verlierern gehörte, kam Idealo seitdem nahezu ungestraft durch die verschiedenen Panda-Iterationen. Bekanntlich steht das Panda-Update ja für die Bestrafung von schlechtem Inhalt und wird vermutlich mittels des Userverhaltens berechnet. Die Idee: Wer dünnen Inhalt auf vielen Seiten verteilt, wird von den Besuchern durch eine kurze Verweildauer und eine hohe Bouncerate (Rückkehr-Quote) in die Suchergebnisse bestraft. Beides scheint Google seit 2011 als Zeichen für schlechten Inhalt zu sehen. Das Mantra der SEO-Branche ist seit dem ersten Panda-Update also: Mach großartigen Content, halte die Leser durch Unterhaltung oder Information auf deiner Seite.

Erste These: Sollten vielleicht die Schwergewichte zugunsten kleinerer Seiten weichen? Nun, es hat auch kleine Seiten erwischt - darunter viele, die schon zuvor unter den Google-Updates gelitten haben. Hier ist allerdings eine Häufung auffällig: Es fühlt sich so an, als ob Gewinnspielseiten überproportional verloren haben - unabhängig von früheren Panda-Schäden. Das passt zu einem alten Panda-Muster: Aggregatoren mit wenig eigenem Content sollen es schwerer haben. 

Doch das Aggregieren von Inhalten kann es allein nicht sein. Denn schaut man sich an, wie sich die verschiedenen Subdomains von Apple entwickelt haben...

Bild 2: Die seomäßig aufgeblähte iTunes-Subdomain von Apple hat kräftig verloren - die anderen Apple-Seiten nicht.

 … wird klar, dass auch eigene - aber massenhaft und größtenteils dürftige - Inhalte in Ungnade gefallen sind. Eben dies sind nun mal die iTunes-Seiten. Also genau das, was im ersten Panda als "Content-Farmen" bezeichnet wurde. Es gibt sie also immer noch - nur werden sie nun der Suchmaschine besser präsentiert. Das scheint der Algorithmus nun zu verstehen. 

Schauen wir auf die Gewinner: Offenbar ist der Panda 4.0 eine echte Frühjahrskur für viele Gesundheits-Seiten. Wobei es den Branchenprimus apotheken-umschau.de nach jahrelanger Aufwärtstour negativ getroffen hat. 

 

Bild 3: Viele kleinere Gesundheitsseiten sind in alter Stärke wieder aus dem Panda-Tal zurück.

Aber viele ihrer Konkurrenten - auf deren Kosten die Apotheken-umschau.de ihren Siegeszug gemacht hat - können eine Flasche Sekt aufmachen. Hier wurden mit teilweise über 200 Prozent die größten Gewinne in der vergangenen Woche gemacht. Und das nach jahrelanger, mühseliger Kleinarbeit an Content und Struktur. Das hat sich offenbar gelohnt. 

Deshalb hänge ich mich mal weit aus dem Fenster und vermute, dass Google mit dieser Panda-Interation einige überfällige Korrekturen vornimmt: Idealo hat vielleicht doch keinen derart großartigen Content-Job gemacht, dass der Sichtbarkeits-Erfolg auf ewig anhalten konnte. Und es gibt genug andere Seiten, die die Zeit seit dem ersten Panda genutzt haben - bisher ohne angemessenen Erfolg. Mir persönlich erscheinen die meisten Veränderungen durch Panda 4.0 ebenso gerechtfertigt wie die Änderungen des ersten Pandas. 

Welche Faktoren nun tatsächlich ausschlaggebend waren, werden wir auch dann nicht sehen, wenn sich der Staub vollständig gelegt hat. Es gibt allerdings zwei Dinge, die fest stehen: Erstens ist die Suchmaschine immer noch für verblüffend große Update-Überraschungen gut. Und zweitens kommt Google seinem Ziel immer näher, wirklich guten Inhalt mit guten Positionen zu belohnen. 

Weitere Infos: 

Searchmetrics Blog zum Thema: http://blog.searchmetrics.com/de/2014/05/21/panda-update-4-0-gewinner-und-verlierer-google-deutschland/

Sistrix Blog zum Thema: http://www.sistrix.de/news/panda-payday-loans-bewegung-den-google-serps/

Eric Kubitz ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Panda 4.0: Google bestraft Ebay und Apple

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