Datenschutz | | von Dominik Frings

Neue Opfer der NSA-Affäre: Cookies und Fingerprints

Es ist ein Skandal und eine Schande für die westliche Zivilisation. Amerikaner und Briten belauschen uns seit Jahren, spähen in der Wirtschaft herum und sind trotzdem nicht in der Lage, bessere Autos zu bauen oder dem deutschen Exportüberschuss nachhaltig das Wasser abzugraben. Da fragt man sich schon: Wofür machen die das eigentlich? Und welcher arme Mensch muss seit 2002 Frau Merkels Gespräche anhören. Ich will jedenfalls nicht tauschen, würde aber durchaus eine Revision bei NSA und GCHQ als Verantwortlicher veranlassen und prüfen, ob die Daten denn wirklich zielführend erhoben werden. Schließlich werden hier Milliarden Pfund und Dollar investiert und die wollen ja auch wieder eingespielt werden. Für die Refinanzierung böte sich wiederum die Werbewirtschaft an, denn der gesammelte Datenschatz könnte Targeting-Modelle auf ein völlig neues Level hieven.

Ganz so traumhaft ist die Aussicht aber nicht, denn die Kehrseite der Medaille ist ein massiver Vertrauensverlust der Konsumenten in digitale Konsum- und Werbemodelle, auch wenn das eine mit dem anderen faktisch überhaupt nichts zu tun hat. So könnten die aktuellen  Vorkommnisse dazu führen, dass Datenschutz EU-weit restriktiver ausgelegt wird und an mancher Stelle mitunter zu restriktiv. Wenn es beispielsweise die Möglichkeit der (anonymen) Profilierung über 3rd-Party Cookies nicht mehr gäbe, würde dies nicht nur der Werbewirtschaft im Allgemeinen schaden, sondern auch beim Konsumenten dazu führen, dass die Relevanz der gezeigten Produkte sinkt. Denn Werbung wird – in einer digitalen Welt ohne Bezahlmodelle – immer angezeigt. Die Frage ist nur, was draufsteht und da ist mir persönlich Bier näher als Sekt und Rasierschaum geläufiger als Apfel-Gingko-Shampoo mit Seidenproteinen und Vitalkomplexen.

Ein Cookie-Tracking könnte bekanntermaßen auch durch veränderte Browserkonfigurationen erschwert werden und es wird ohnehin an alternativen Profilerhebungen (z.B. Digital Fingerprintings) schon fieberhaft gearbeitet. Letzten Endes wäre man aber auf einem ständigen Rückzugsgefecht, denn wenn Cookies verboten (oder unterdrückt würden), würden früher oder später auch alternative Methoden auf den Prüfstand gestellt.  Daneben beträfe es insbesondere wiederum nur die europäischen Unternehmen. Google, Facebook und Co. ist auch mit kontinentalen Regelungen kaum beizukommen und hätten somit ein hübsches Daten-Oligopol. Und das damit dem zarten Pflänzchen Datenschutz  geholfen wäre, können selbst die kühnsten Querdenker kaum plausibel herleiten.

Google  war auch nicht umsonst alles andere als „amused“, als klar wurde, mit welcher Leistung der NSA-Datenstaubsauger sich in die Leitungen eingeklinkt hatte. Denn für den bis dato eher unpolitischen und willfährigen Erfüllungsgehilfen der Schattendienste steht in Bezug auf Vertrauen viel auf dem Spiel, wenn Daten nicht mehr auf Anfrage, sondern kollateral in Serverzentren verschwinden. Entsprechend scharf waren die Reaktionen, welche aber auch ein wenig die Schizophrenie aufzeigen zwischen eigener Freizügigkeit bei der Datenverarbeitung und der berechtigten Kritik am heimlichen Abzweigen der Information für unbekannte Zwecke. Und natürlich steht die Befürchtung im Raum, dass man vom User und Politiker in dem einen oder anderen Teil der Welt in Sippenhaft genommen wird für etwas, was man gar nicht zu vertreten hat. Ein wie eingangs beschrieben durchaus bekanntes Gefühl.

Dominik Frings ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreiten. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

 

Neue Opfer der NSA-Affäre: Cookies und Fingerprints

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht