Wahlkampf | | von Anja Janotta

Merkel-App im Test: CDU umwirbt die Fanboys

Mit neuen Wegen versucht die CDU im Wahlkampf, neue Wähler zu gewinnen. Seit dem Wochenende ist die Merkel-App online. Mit erklärtem Ziel: Junge Wähler. Nun, das bin ich jetzt nicht mehr, aber vielleicht könnte ich mich ja - mit entsprechende Social-Media-Überzeugung - als wechselwillig herausstellen. Womit also könnte mich Angela Merkel überzeugen? Mit dem Plakat-Reader, der einen Wahlspot abspielt, sobald ich ein Merkel-Plakat fotografiere? Funktioniert zwar nur bei zwei Plakaten, dafür aber immerhin auch, wenn man nur ein Web-JPG anvisiert. Das eine Plakat zeigt einen Familien-Spot, der andere Merkel und ihre Wahlkampfbotschaft selbst.

Ach ja, Bewegt-Werbung für die App selbst macht die CDU natürlich auch, mit CDUTV und auf Youtube. Das sei "Wahlkampf 3.0 sozusagen", preist der Moderator die App an. Und weist auf die weiteren, revolutionären "3.0"-Funktionen hin: Mit einem Finder "unterwegs" kann man nachsehen, wo in der Nachbarschaft Angela Merkel bald sprechen wird. Näher als 100 Kilometer geht die Umkreissuche leider nicht. 100 Kilometer Anreise - da muss die Liebe zur CDU schon groß sein. Genau diese Liebe braucht es aber, um auch die dritte Funktion wirklich zu nutzen: Die CDU-Fanboys können  unter "teAM" mitprotokollieren, wie viele Kilometer sie schon abgegangen sind, um Wähler von ihrer Partei zu überzeugen, oder sie können ein Bild von sich als CDU-Unterstützer hochladen.

Habe ich jetzt mal nicht gemacht, denn das eigentliche Ziel hat die CDU mit der App deutlich verfehlt: Mich (und auch andere Wähler) zu überzeugen. Es fehlen Hinweise aufs Wahlprogramm, Themen, Bilanzen - irgendwas, was den Jung- oder unentschlossenen Wähler wirklich zu einem Kreuzchen bewegen könnte. Fazit: Die App taugt vieleicht zur Mobilisierung der Parteimitglieder, aber bestimmt nicht zu mehr.

Und wie läuft die App der SPD im Duell dagegen? Leider gar nicht. Denn die SPD-App verlangt auf meinem iPhone eine Registrierung und ein Passwort. Habe ich nicht. Das Duell muss leider ausfallen.

Vermutlich muss sich der geneigte Wähler einfach an die "Wahlomat"-App oder die "Wahlbarometer"-App halten, die neu online gegangen ist und von nun ab täglich die Sonntagsfrage beantworten will.

Merkel-App im Test: CDU umwirbt die Fanboys

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