Johannes Lenz | | von Johannes Lenz

Marken auf Messenger Apps: Kein Trend, sondern Alltag

WhatsApp, Facebook Messenger  & Co. sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Über 30 Mio. Nutzer hat WhatsApp in Deutschland. Über 50 Prozent der Internetnutzer in Deutschland verwenden den grünen Messenger.

Täglich sind wir mehrfach dort und kommunizieren mit unseren Freunden, Bekannten, Familien oder Berufskollegen. Vom Hochzeitskleid über eine spontane Beobachtung in der S-Bahn bis hin zu einem bevorstehenden Kauf eines Turnschuhs, über alles wird dort "geschnattert".

Das "wir sind unter uns" - Gefühl herrscht vor. Man ist für sich und nicht wie bei Facebook & Co. einer von vielen, dem am Ende unter Umständen gar keiner zuhört und das sieht dann aber auch jeder, weil es keine Likes, Shares oder sonstige Interaktionen auf dem Profil zu sehen gibt...

Marken müssen sich daran gewöhnen, das es mit der "Public is the new Privacy" Phase langsam aber sicher zu Ende geht.

 

 Quelle: Bild: http://uk.businessinsider.com/chart-of-the-day-mobile-messaging-is-poised-to-overtake-social-networks-2014-11

Check: Messenger und ihre Markenfreundlichkeit

Während die asiatische Konkurrenz ihre Messenger Apps längst zu mobilen Plattformen ausgebaut haben, zieht hierzulande von den relevanten Messaging Diensten lediglich der Facebook Messenger mit einer Business-Offensive nach.

Und WhatsApp, der "Platzhirsch" in Deutschland? Es gilt nach wie vor die weltweite "No ads policy". Das heißt: Werbung ist nicht erwünscht. Ergo können ja Marken WhatsApp gar nicht  als Marketing-Instrument einsetzen. Formal stimmt das. Aber die Realität ist wie so oft eine andere.

Von ProSieben Sat1 über die Rheinische Post, die Brigitte, das Regionalportal infranken.de oder eine Hochschulinitiative, alle nutzen oder nutzten WhatsApp bereits für ihre Markenkommunikation. Selbst das Bistum Essen hat den Messenger rund um Ostern eingesetzt, um die Leidensgeschichte von Jesus nachzuerzählen.

Und hat es diesen "Early Adoptern" geschadet? Nein!Im Gegenteil, die Nutzer danken es ihnen und abonnieren und teilen fleißig ihr mobiles Informationsangebot

 

 

Quelle: Bild: http://blog.akom360.de/2015/04/messenger-apps-haengen-uebrige-apps-ab/   

Check: Content und die Rolle des Messengers zu definieren

Eigenen Content für den Messenger erstellen? Auch eine häufig gestellte Frage, hinter der die Angst steht, neben Facebook Page, Corporate Blog usw. die Content-Produktion auf einen weiteren Kanal zu erweitern und abstimmen zu müssen. Das kostet Zeit und vor allem Geld, wenn man einen weiteren Kanal befüllen muss...

Hier kann man vielleicht ein wenig Entwarnung geben, wenn man sich das Beispiel von infranken.de vor Augen führt. Hier bedient man sich der Inhalte, die auf Facebook ausgespielt werden und teasert sie mit entsprechendem Kürzel für die jeweilige Region, etwa Bamberg oder Bayreuth, an. Damit ist jedem Abonnenten klar,  ob es sich um einen Inhalt dreht, der für ihn relevant ist oder nicht.

Natürlich mag das bei einer Medienmarke funktionieren. Ob das auch bei anderen Marken klappt?

WhatsApp bietet Marken eigentlich nur zwei Optionen an, die sie nutzen können: den Gruppenchat sowie die Broadcasting-Liste. Die genannten Cases nutzen überwiegend die Listen, bei welchen es sich zunächst mal um eine reine Push-Kommunikation handelt. Reagieren die Nutzer, kommt es zum Dialog.

Die Fragen, die es zuerst zu klären gilt, ist: Welche Strategie und welche Ziele verfolgt man und wie kann WhatsApp dabei helfen? Welche Content-Strategie wird generell verfolgt und welche Rolle soll darin der Kanal WhatsApp einnehmen?

Marken müssen Messenger und ihre Nutzer verstehen lernen

Nur da sein, weil es "cool" ist, wird Marken langfristig nichts bringen. Kommt der Facebook Messenger for Business nach Deutschland, wird Messaging ein völlig neues Gesicht erhalten, nämlich das des Kommerzes. Ob das jedem hierzulande klar ist, sei dahingestellt.

Jedenfalls wird es dann möglich sein, neben den "üblichen" Funktionen Chatten, Video, Audio und Texte auf dem Messenger von Facebook einzukaufen. Vielleicht sogar mit einem Discount von 15 Prozent. Das wird alle Altersklassen, besonders die Jüngeren auf den Plan rufen.

Der Gedanke dahinter: Facebook will wie seine asiatischen Konkurrenten (durch welche es aktuell unter Druck gesetzt wird im Messaging Markt) aus dem Messenger eine mobile Plattform machen, die nicht nur "leichte" Kommunikation mit animierten GIFs , Emojis und Stickern ermöglicht, sondern auch Bezahlvorgänge und Kaufprozesse. Wenn dafür weitere Apps erforderlich sind, können diese über die API angedockt werden, so wie es jetzt mit Giphy, Jib Jab & Co.  schon der Fall ist.

Ähnlich ist das mit Snapchat. Wie beim Facebook Messenger kann man sich in den USA schon Geld zusenden, wenn man auf dem Messenger miteinander befreundet ist. Snapchat ist aber im Gegensatz zu anderen Messengern mit seinen zeitlich begrenzt anklickbaren bearbeiteten Bildern noch schneller und flüchtiger.

Gerade deshalb wollen die bis 25-Jährigen, die zumeist den gelben Messenger nutzen, kein Discover Feature, auf welchem im Vergleich zu den übrigen Features wie den Stories professionell und getimter Content von Cosmopolitan und anderen exklusiven Snapchat Partner feilgeboten wird. Es trifft nicht den Nerv der Nutzer und entspringt eher dem Wunsch, Geld zu vierdienen.

Marken müssen wissen: Messenger sind mobiles Internet!

Klar, wir reden ja hier nicht über ICQ aus den 90ern. Andererseits ist vielleicht nicht jedem klar, das es bei Mobile auch darauf ankommt, das Inhalte leicht und locker teilbar sein müssen.

In unserem Fall heißt das Zauberwort "In App Sharing". Das bedeutet, dass, wenn ich einen Artikel per WhatsApp Sharing Button jemanden schicken will, sich die Messenger App auf meinem Smartphone öffnet und der Link dort hinterlegt ist. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wem ich diesen schicke.

Probiert das mal mobil auf Blogs und Webseiten eures Vertrauens aus, auch mit den anderen Social Buttons von Facebook, Twitter oder Google Plus. In der Regel öffnet sich bei diesen nämlich die jeweilige mobile Webseite, was bedeutet, das ich meine Mailadresse und mein Passwort eingeben muss. Fazit: Umständlich, gar nicht komfortabel und nutzerunfreundlich.

Dabei ist Sharing Komfort bei der heutigen mobilen Internetnutzung das A & O. Denn es zeigt: Hier wird aus Nutzersicht gedacht und zudem unterstützt es einmal mehr die Viralität von Inhalten, wenn diese denn über eine entsprechende Relevanz verfügen.

Take Aways für Markenverantwortliche

  1. Mobile Messaging Apps sind kein Trend, sondern Alltag!
  2. Messenger und Nutzer verstehen lernen!
  3. Sharing Komfort ist das A & O bei Mobile!
  4. Inhalte relevanz- und nutzerorientiert definieren!
  5. Messenger sind Treiber des mobilen Internets!

Johannes Lenz ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.  

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